Es sollte das große Abenteuer vor dem Ernst des Lebens werden – Gianluca Wegmann und Francesco Raia flogen am 5. März nach Sharm El-Sheikh in Ägypten. Dort wollten sie in einem Hotel am Roten Meer als Animateure arbeiten, bis im Sommer in ihrer Schweizer Heimat das richtige Berufsleben losgehen würde. Doch dann kam Corona, und alles wurde anders. 

„Seit drei Monaten sitzen wir rum und warten. Die Situation spitzt sich in Ägypten immer weiter zu“, sagt der 17-jährige Francesco dem reisereporter. Nur für eine kurze Zeit konnten die beiden arbeiten. Als die Corona-Situation in Europa eskalierte, war Ägypten noch ein sicheres und weitgehend coronafreies Ziel. Deshalb ließen sie sich auch auf keinen der deutschen Rückholflüge buchen, die auch Schweizer in Anspruch nehmen konnten.

Sie wollten Corona in Ägypten aussitzen – dann kam der Lockdown

Etwas naiv vielleicht, wie die beiden heute einräumen. Doch damals hätten sie gedacht, dass sich die Situation bis zu ihrer geplanten Abreise im Juni beruhigt habe. Auch ihre Eltern rieten, das erst einmal vor Ort auszusitzen. Doch dann kam das Virus auch ins Urlaubsparadies, und das Land ging in den Lockdown. Strände sind gesperrt, bis auf Supermärkte haben auch die Läden geschlossen. 

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„Eine Woche später war alles zu. Das Hotel sagte uns, wir hätten zwei, drei Tage, dann müssten wir weg sein“, berichtet Francesco. Der Schweizer kennt sich in Sharm El-Sheikh gut aus, war bereits achtmal im Urlaub dort, über einheimische Freunde konnte er eine Wohnung für sich und seinen Kumpel organisieren. Weil die beiden Teenager kein Einkommen haben, leben sie auf Kosten ihrer Eltern. 

Die Rückkehr von Ägypten in die Schweiz ist auch eine finanzielle Frage

Die beiden hoffen nach wie vor auf Hilfe. Sie verfolgen die Flugpläne der Airlines, doch die Flüge werden immer wieder verschoben und abgesagt. „Im Moment wollen wir am 15. oder 19. Juni ausfliegen. Das ändert sich aber jeden Tag“, sagt Francesco. Das Risiko ist dabei auch ein Finanzielles: Buchen sie einen Flug und bezahlen ihn, bleiben aber dennoch in Ägypten zurück, ist das Geld erst einmal weg – denn die Rückerstattung geschieht nicht sofort.

„Die Flüge sind ohnehin teurer, die Lage wird ausgenutzt. Für den ursprünglichen Hin- und Rückflug hat jeder 200 Franken bezahlt, der Rückflug alleine kostet jetzt teilweise 500 Franken“, sagt der 17-Jährige. Das sind umgerechnet etwa 460 Euro. Und Gianluca ergänzt: „Wenn das Geld weg ist, wären wir gezwungen, zu bleiben.“ 

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Mit dem Bus nach Kairo, dem Flieger nach Frankfurt, dem Zug nach Zürich

Deshalb gilt es erst einmal abzuwarten, erst zwei Tage vor dem Abflug würden sie den Flug buchen – einen vom 500 Kilometer entfernten Kairo nach Frankfurt in Deutschland. „Es ist im Moment zwar schwieriger als sonst, nach Kairo zu kommen, aber es fahren Busse“, sagt Francesco, der die Idee für den Animations-Aufenthalt im Februar im gemeinsamen Urlaub mit Gianluca hatte.

So langsam wird den beiden auch etwas mulmig zumute, denn die Krise könnte sich auch auf ihr Berufsleben auswirken: Francesco Raia soll am 1. August eine Ausbildung zum Fachmann Gesundheit antreten und in einem Pflegeheim arbeiten. „In so einem Job wären nach der Rückkehr zwei Wochen Quarantäne auch nicht verkehrt“, sagt er. Nun fürchtet er, dass er seinen Ausbildungsplatz verliert, weil er nicht rechtzeitig zurückkommt.

Auch ihre geretteten Straßentiere wollen die beiden mit nach Hause nehmen

Offiziell überlegt Ägypten derzeit, die Grenzen im August wieder zu öffnen. Doch ob das so kommt, ist noch völlig unklar. „Wir haben hier eine deutsche Freundin, die im Alter unserer Eltern ist. Wir haben erst gestern darüber gesprochen, dass wir uns nicht vorstellen können, dass das Land vor September, Oktober wieder öffnet“, sagt der 17-Jährige.

Die beiden müssen sich nun in Geduld üben und die Zeit in ihrem Apartment absitzen, zusammen mit einem Hund und einer Katze, die sie von der Straße gerettet haben. Die Tiere sollen über Hurghada und Deutschland in die Schweiz einreisen – vielleicht sogar noch vor den beiden Teenagern.