Die Deutschen packen wieder ihre Koffer. Mallorca, Provence, Rhodos, Florida – alles ist aber irgendwie unsicher und ungewiss. Also doch lieber Scharbeutz, Füssen, Dresden, Langeoog oder Timmendorfer Strand? Unbedingt.

Deutschland mausert sich in Corona-Zeiten zum Traumziel – und führt die Top 10 der beliebtesten Reiseländer 2020 mit großem Abstand an. 31 Prozent der Deutschen wollen dieses Jahr Sommerurlaub im eigenen Land machen, ergab jetzt eine Datenanalyse des Buchungssystembetreibers Traffics.

Auf Platz zwei liegt Österreich mit 16 Prozent, danach folgen Ägypten, die Türkei und Griechenland mit je 12 Prozent. Alles wieder gut also in der heimischen Reisebranche? Längst nicht für alle.

Massenansturm auf den Strand an Nordsee und Ostsee

In einigen Bundesländern beginnen die Sommerferien schon in zwei Wochen. Und die überwältigende Mehrheit der Urlauber zieht es an Nord- und Ostsee. Die Küstenorte freuen sich auf Zehntausende Gäste – und fürchten zugleich den Massenansturm.

Abstands- und Hygieneregeln gelten eben auch am Strand und auf der Promenade mit Blick auf die Meereswellen. „Wir sollten uns über den Sommer ein bisschen mehr Mut erlauben“, sagt der Bonner Virologe Hendrik Streeck. Derzeit zeigten Studien, dass bis zu 81 Prozent der Infektionen asymptomatisch verliefen.

Das heißt, die Infizierten haben keine oder kaum Symptome. „Die Zahl der Covid-19-Erkrankten auf den Intensivstationen ist derzeit rückläufig“, sagte Streeck. „Es besteht eine Chance, dass wir über den Sommer die Anzahl der Personen mit Teilimmunität erhöhen können.“

Auch im Ostseebad Damp an der Eckernförder Bucht in Schleswig-Holstein wird es in diesem Sommer voll.

App für Strandurlaub in Corona-Zeiten

Doch darauf verlassen, dass „Ferien wie immer“ risikofrei sind, mag sich keiner. Eine neue App soll nun an der Ostsee regeln, wer wann an den Strand darf. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther setzt während der Corona-Krise auf die Buchung eines Liegeplatzes am Strand per Smartphone.

„Man kann über die App anmelden, dass man in einem bestimmten Zeitraum an einen Strandabschnitt will“, sagte der CDU-Politiker. Wenn noch Platz ist, dann können Urlauber buchen und erhält eine Zugangsberechtigung.

Günther kündigte an: „Wir werden weiter stark kontrollieren. Dass alle dicht an dicht wie in der Sardinenbüchse liegen, wird es bei uns nicht geben.“

Dass die Sorge vor zu vielen Menschen an den Stränden und Promenaden berechtigt ist, zeigte das Pfingstwochenende. Strände waren überfüllt, Hotels ausgebucht. In vielen Küstenorten waren keine Strandkörbe mehr zu bekommen, Scharbeutz und Haffkrug an der Lübecker Bucht ließen am Montagnachmittag keine weiteren Gäste mehr rein.

In Mecklenburg-Vorpommern war die vorgeschriebene maximale Auslastungsgrenze von 60 Prozent für Hotels und Campingplätze ausgereizt – Ferienhäuser waren teils noch stärker gebucht. Was heißt das für den Rest des Sommers?

Wer einen Urlaub in Deutschland plant, sollte so bald wie möglich buchen. Das Angebot an den Küsten, aber auch am Alpenrand wird bereits knapp. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensgruppe HRS, mit rund 180.000 Ferienunterkünften einer der größten Anbieter in Deutschland.

Für Deutschland-Urlaub heiß begehrt: das Ferienhaus

An der Ostseeküste sind laut HRS für den Juli beispielsweise bereits 69 Prozent aller Ferienhäuser und Ferienwohnungen gebucht, auf den Nordseeinseln sogar 79 Prozent. In den Bayerischen Alpen sind für den Juli nur noch 39 Prozent der Angebote verfügbar.

Besser sieht es beispielsweise in den Regionen Erzgebirge, Schwäbische Alb, Spessart, Spreewald, Sächsische Schweiz, Schwarzwald, Sauerland, Teutoburger Wald, Taunus oder Rheinland aus. „Dort ist die Auslastung noch verhältnismäßig niedrig, so dass Urlauber dort nach wie vor große Auswahlmöglichkeiten haben und gute Angebote finden können“, sagt HRS-Sprecher Björn Zimmer.

Beeindruckende Ferienhäuser gibt es in Deutschland allemal – zum Beispiel das Maxim-Gorki-Haus in Brandenburg.

Zwei Trends sieht er für diesen Sommer: Die Menschen wollen am liebsten ein Ferienhaus mieten und mit dem eigenen Auto anreisen. Das hängt, meint Zimmer, wohl mit den vielerorts geltenden Beschränkungen für Hotelbelegungen zusammen. Unsicher könnten viele Menschen aber auch noch in Bezug auf Hygiene sein. Zimmer ist trotzdem überzeugt: „Wir gehen davon aus, dass auch die Hotellerie in den Urlaubsregionen sehr bald einen Zuwachs der Buchungen spüren wird.“

Und noch jemand bleibt optimistisch: die Bahn. Sie lässt in diesem Sommer der Daheimgebliebenen eine ganze Reihe zusätzlicher ICE-Züge fahren. In Süd-Nord-Richtung und umgekehrt. Urlauber können dann Rügen, die Ostfriesischen Inseln und Tirol unkompliziert erreichen. Vielleicht wird es am Ende, Corona hin oder her, doch noch ein großer Sommer.