Das Beachhotel Sahlenburg bei Cuxhaven fällt auf. Nicht etwa, weil die Einrichtung an Skandinavien erinnert oder das Speiseangebot besonders ausgewogen gestaltet ist. Der Grund ist ein anderer: Das Hotel spricht sich sehr deutlich gegen übergewichtige Gäste aus. Entsprechende Hinweise finden Kunden bereits vor der Buchung auf der Website des Hotels: „Aus Haftungsgründen weisen wir darauf hin, dass das Interieur für Menschen mit einem Körpergewicht von mehr als 130 Kilo nicht geeignet ist.“

Diese Klausel sorgt nun für Kritik an dem Hotelkonzept, berichtet das Magazin „butenunbinnen“. So zitiert das Portal etwa Friedrich Schorb, der an der Universität Bremen zu Geschlechterdiskriminierung forscht: „Es zeigt, dass es in diesem Bereich noch so ist, dass man scheinbar unbestraft diskriminieren kann.“ Im Vergleich würde man einen entsprechenden Zusatz über Homosexuelle eher nicht so einfach durchbekommen.

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„Designermöbel im Hotel sind nicht für Übergewichtige gemacht“

Hotelbesitzerin Angelika Hargesheimer hingegen sieht in ihrem Hotelkonzept keinen Anhaltspunkt für Diskriminierung. Im Gegenteil, sie steht voll und ganz hinter ihrem Ansatz und nennt als Grund die Designerstühle im Foyer: „Wenn sich da eine Person von über 130 Kilo draufsetzt, die sitzt da mit einer Pobacke drauf und der Stuhl hält das auch nicht lange aus.“ Und da sie an der Einrichtung nichts ändern möchte, muss sie eben auf einen bestimmten Kundenkreis verzichten. 

Dass das nicht unbedingt jedem gefällt, zeigt sich auch in den Google-Bewertungen des Hotels. Dort schreibt etwa ein Gast, er habe die Zeit im Hotel grundsätzlich genossen, aber nachdem er die Hinweise für Übergewichtige gelesen habe, werde er nicht wiederkommen. Ein anderer schreibt: „2020 Menschen aufgrund von körperlichen Merkmalen zu diskriminieren ist peinlich, armselig und verantwortungslos.“

Nicht alle Betroffenen reagieren mit Kritik auf das Beachhotel

Vorwürfe, die Hargesheimer nicht nachvollziehen kann. Darauf angesprochen bestärkt sie ihren Standpunkt dem Medienbericht zufolge nunmehr mit deutlichen Worten: „Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick ertragen muss. Und ich weiß, wenn ich dick bin, dass da etwas nicht stimmt.“ Jeder könne sich schließlich entsprechend ernähren und auf sich achten.

Harte Worte, die aber nicht von jedem Betroffenen als Kritik verstanden werden. So schreibt ein Mann etwa in die Google-Bewertungen des Hotels folgende Worte: „Vielen Dank für Ihre Warnung. Ich mag Familien mit Kindern und bin auch echt dick. Momentan wiege ich 123 Kilo und ja, ich fühle mich dabei auch schuldig. Deswegen bin ich froh, dass Sie darauf hinweisen, dass Menschen wie ich bei Ihnen wahrscheinlich nicht willkommen sind.“

Hotelchefin zeichnet gutes Bild vom Beachhotel Stahlenhagen 

Abgesehen von Menschen, die mehr als 130 Kilo auf die Waage bringen, sind auch Kinder in dem Hotel nicht erwünscht, und das Rauchen ist strengstens verboten. Hargesheimer wollte es anders machen als die üblichen Hoteliers, als sie vor zwei Jahren das Hotel von ihren Vorgängern übernahm. Dass sie damit auch für Kritik sorgt, lässt sie im Großen und Ganzen kalt: Ihr Hotel laufe gut, die Gäste seien vom Design begeistert. Im Gespräch mit der Nachrchtenagentur dpa sagte sie außerdem, sie wolle mit den Hinweisen nur Enttäuschungen vermeiden, es liege ihr fern, Menschen zu diskriminieren.