Ein natürlicher Pool, der in einen Wasserfall übergeht, davor das Panorama des Königssees und der Gebirgskette: Das Motiv ist atemberaubend. Um sich vor dieser Kulisse fotografieren zu lassen und ein Bad in dem becken zu nehmen, machen sich immer wieder Menschen auf eine Wanderung im Nationalpark Berchtesgaden.

Doch der Aufstieg und das Bad im Pool sind zum einen gefährlich, es hat dort bereits mehrere Todesfälle gegeben. Zum anderen haben die Menschen, die abseits der offiziellen Wanderwege unterwegs sind, negative Auswirkungen für die Natur. An manchen Tagen kämen bis zu 200 Menschen, um sich im Pool zu knipsen, schrieb Fotograf Robert Gongoll im vergangenen Jahr auf seinem Instagram-Profil. 

Reise-Influencerin badet im Königssee-Pool: Nationalpark ist empört

Unter ihnen war jetzt auch Reise-Influencerin Yvonne Pferrer. Sie hat auf Instagram rund 1,2 Millionen Follower, und mit denen teilte sie Fotos und Videos des Erlebnisses am Donnerstag in einem Post und in einer Story.

Dass sie sich mit dem Aufstieg und dem Bad in Gefahr gebracht hat, ist ihr offenbar bewusst. Mehrfach weist sie darauf hin: „Achtung!!! Diese Wanderung und dieser Ort ist wirklich gefährlich!!!“

Nationalpark Berchtesgaden: „Problem am Königsbach-Wasserfall unübersehbar“

Die negativen Folgen und die Probleme durch Wanderer seien am Königsbach-Wasserfall inzwischen unübersehbar, sagt eine Sprecherin des Nationalparks Berchtesgaden dem reisereporter. „Immer mehr Trampelpfade entstehen kreuz und quer durch den Bergwald mitten im Schutzgebiet. Am Wasserfall ist die sensible Ufervegetation bereits vollständig zertrampelt.“

Und dabei bleibe es nicht: „Die Besucher campieren und lassen ihren Müll zurück, teilweise sogar ganze Zelte oder behelfsmäßige Unterkünfte aus Plastikplanen. Es werden Lagerfeuer angezündet, was in nicht nur in trockenen Sommern akute Waldbrandgefahr bedeutet“, so die Sprecherin. Außerdem beschränkten sich die Besucher der Gumpen nicht nur auf den Tag – auch nachts sowie am frühen Morgen und späten Abend sorgten Besucher für erhebliche Störungen der Wildtiere.

Für den Nationalpark Berchtesgaden ist das Verhalten der Influencerin daher unverantwortlich, er wendet sich in einer Story direkt an Yvonne Pferrer: „Dir sollte bewusst sein, dass diese Bilder vom Wasserfall auf Instagram auf die Natur, Tiere und Pflanzen, die Besucher und deine Follower sehr schlimme Folgen nach sich zieht.“ 

Damit bringen sie sich selbst in Gefahr und schaden der sensiblen Natur in Deutschlands einzigem Alpennationalpark.

Sprecherin des Nationalparks Berchtesgaden

Man sei direkt nach Veröffentlichung auf den Post aufmerksam geworden, teilt die Nationalpark-Sprecherin dem reisereporter mit. Zunächst habe man die ersten Reaktionen abgewartet. Doch: „Schnell hat sich unsere Befürchtung bestätigt, dass durch diesen Post noch mehr Aufmerksamkeit auf diesen Platz gelenkt wird und in Folge noch mehr Menschen den Königsbachwasserfall aufsuchen. Damit bringen sie sich selbst in Gefahr und schaden der sensiblen Natur in Deutschlands einzigem Alpennationalpark.“ 

Man habe Yvonne Pferrer über verschiedene Kanäle persönlich kontaktiert – „leider gab es bislang keine Reaktion“, so die Sprecherin. Man werde nun das weitere Vorgehen besprechen. Der Nationalpark weist außerdem darauf hin, dass Drohnenflüge im Nationalpark verboten seien – „wir prüfen diese Aufnahmen jetzt“.

Auch bei vielen Followern kommt die Aktion nicht gut an. „Dass du als angeblicher Berg- und Naturliebhaber die Zerstörung dieses Gebietes weiter vorantreibst, ist enttäuschend“, „Unverantwortlich“ und „Löschen! Das soll kein Touri-Hotspot werden!“, lauten einige der Kommentare.