Ab dem 15. Juni werden viele Flieger wieder abheben, wenn die Reisewarnungen innerhalb der EU weitestgehend aufgehoben sind. Auch wenn die Airlines viele Vorkehrungen treffen – einige verzichten zum Schutz der Passagiere auf Menüs an Bord, viele haben eine Maskenpflicht eingeführt – ist es möglich, dass Passagiere mit dem Coronavirus infiziert an Bord gelangen. Und das kann den eigenen Urlaub mächtig durcheinanderbringen.

Wie hoch das Risiko ist, sich in der Luft anzustecken? Generell gibt es darüber in Bezug auf Corona noch keine großen Erfahrungswerte. Allerdings herrscht in Flugzeugen ein häufiger Luftaustausch, alle zwei bis drei Minuten wird die Luft im Flieger komplett erneuert. Flugzeuge sind durch die Belüftungssysteme also keine Virenschleudern.

Viel riskanter sehen viele Experten die Zeit vor und nach dem Flug: Gepäckaufgabe, Passkontrolle, Bus-Shuttle – und auch, dass es keinen Mindestabstand im Flieger gibt.

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Infizierter an Bord: Quarantäne im Hotel statt Chillen am Strand

Trotzdem: Gelangt ein Infizierter an Bord, wie vergangene Woche bei einem Lufthansa-Flug nach China oder Ende Mai bei einem Transport von Madrid nach Lanzarote, hat das für alle Passagiere Folgen. In beiden Fällen mussten alle 200 beziehungsweise 134 Mitreisenden nach der Ankunft in eine 14-tägige Quarantäne. In beiden Fällen wurden die Passagiere auch vor Abflug auf Corona getestet, die Befunde waren allerdings erst später da.

Das Risiko ist also, dass der eigene Urlaub dadurch flachfällt, dass ein infizierter Mensch, der es gar nicht weiß, in den gleichen Flieger steigt. Wer nur wenige Tage im Ausland plant, kann sogar in eine Zwangsverlängerung gehen wegen der Isolierung.

Unklar, ob im Infektionsfall alle Fluggäste in Quarantäne müssen

14 Tage in häuslicher Quarantäne oder im Isolationshotel statt 14 Tage am Strand – das klingt nicht nach Urlaubsvergnügen. Ob in einem Infektionsfall künftig allerdings wirklich alle Fluggäste in Quarantäne geschickt werden oder nur jene, die im Umfeld der erkrankten Person saßen, wie im Januar bei einem Lufthansa-Flug geschehen, ist noch nicht klar. Die Europäische Luftsicherheits-Agentur (EASA) spricht in einem Sicherheits-Papier derzeit für Quarantäne von Mitreisenden, die bis zu zwei Plätze vor, hinter, links oder rechts des Erkrankten saßen.

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Aktuell ist auch nicht vorgesehen, dass alle Passagiere vor Abflug getestet werden, mitunter fällt also zunächst gar nicht auf, dass ein Mitreisender sich mit dem Virus infiziert hat. Vorgesehen sind allerdings Temperatur-Messungen am Flughafen – Fieber ist ein Symptom von Covid-19, allerdings bleiben auch viele Infizierte symptomfrei. 

Aber was passiert, wenn ein Fluggast an Bord plötzlich Symptome zeigt? Einheitliche Vorgaben gibt es dafür bisher nicht, aber das Sicherheitsprotokoll von EASA zusammen mit den Airlines hilft beim Umgang mit kritischen Situationen an Bord und dient der Crew als Anleitung.

Fluggast zeigt plötzlich Coronavirus-Symptome – das passiert an Bord

Das Papier verlangt von den Airlines, einige Reihen im Flieger unbesetzt zu lassen. Treten bei einer Person während des Fluges coronatypische Symptome auf, muss sie zusammen mit allen Mitreisenden in einer Sitzreihe isoliert werden. Zwei Reihen davor und dahinter sollen keine anderen Fluggäste sitzen. Das Protokoll empfiehlt, den kranken Passagier auf den Fensterplatz in der letzten Reihe zu setzen, auf der Seite, über die die Kabinenluft ausgetauscht wird. Die Lüftung am Platz des Betroffenen sollte nach Möglichkeit ausgeschaltet werden.

Zudem sollte es im Flieger genug Schutzmasken geben, um eine durch Niesen oder Husten nass gewordene zu ersetzen. 

Aber auch für andere Passagiere kann das Folgen haben: Die Personen zwei Sitze in jede Richtung von dem erkrankten Passagier aus gesehen müssen nach der Landung zu Interviews beim Gesundheitsamt und bei einem positiven Covid-Schnelltest des betroffenen Passagiers ebenfalls in 14-tägige Quarantäne.