„Wenn man sich auf eine solch lange Reise zu exotischen Zielen vorbereitet, dann denkt man natürlich nicht nur an die Länder, Kulturen und Menschen, die einen erwarten, sondern auch an die unangenehmen Dinge, die einem passieren können. Stürme, Defekte am Schiff, korrupte Beamte, Piraten, Kriminalität, tropische Krankheiten und vieles mehr. Mit was man auf keinen Fall rechnet, ist eine Situation, in der die ganze Welt plötzlich wirklich stillsteht.“

Diese Worte schrieb Segler Bertel Bühring am 25. März 2020 in das Logbuch seines Reiseblogs. Sie beschreiben die Überraschung und Unsicherheit angesichts der Corona-Pandemie, die wohl auch viele andere Reisende verspürt haben. Seitdem herrscht Stille auf dem Blog Bührings. Und auch die Reisepläne, die er gemeinsam mit seiner Partnerin Freldelyn Hablado geschmiedet hatte, sind vorerst auf Eis gelegt. 

Strandbesuch und Tauchen auf den Philippinen verboten

„Nach 4.591 Tagen Nonstop-Urlaub an den schönsten Plätzen dieses wundervollen Planeten stoppte uns ein Monster, welches mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist, aber die Welt in Angst und Schrecken versetzt“, erzählt Bühring. Seit dem 16. März befinden sich der Privatier und seine Partnerin im Lockdown auf dem Segelschiff vor der Küste Palawans auf den Philippinen.

Bühring beschreibt die Zeit nach diesem Tag mit den französischen Worten „Rien ne va plus“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie: Nichts ist mehr in Ordnung. 

Segler Bertel Bühring ist derzeit auf den Philippinen zu Hause.

Denn bis jetzt herrschen auf den Philippinen strenge Corona-Maßnahmen. Die Segler, die seit dem Jahr 2007 auf den Meeren dieser Welt unterwegs sind und bereits mehr als 50 Länder und Hunderte von Inseln bereist haben, dürfen weder ihren Ankerplatz wechseln noch an den Strand gehen oder tauchen.

Für das freiheitsliebende Paar eine große Herausforderung – ohne ein baldiges Ende in Sicht. Und obwohl es kaum Infektionen auf der Philippinischen Insel gebe, „folgen wir den Spielregeln in der Gewissheit, dass es schlechtere Plätze auf der Welt gibt, um diese Pandemie auszusitzen“.

Segler haben keine Angst vor dem Coronavirus

Aber wie sieht es mit der Angst vor dem Virus aus? Eine Frage, die der Segler oft gestellt bekommt. Und er hat eine eindeutige Antwort darauf parat: „Nicht mehr als vor Dengue, Malaria, TBC und all den anderen Krankheiten, die man sich in tropischen Gegenden holen kann und für die es für die Dauer von vielen Jahren keinen Impfschutz gibt.“ Das Risiko sei bei all diesen Krankheiten kalkulierbar, wenn man sich an Regeln halte. 

Aber nicht alles, was dem einstigen Radiomoderator aus Würzburg auf seiner Weltumseglung begegnete, war entsprechend kalkulierbar. Denn einige Schicksalsschläge sind unberechenbar wie das Meer.

So berichtet Bühring etwa von Ereignissen „wie dem Mord an meinem Segelfreund Stefan und dem Tauchtod in den Salomonen meiner damaligen Partnerin“, erzählt Geschichten von Freunden, die an Bord ihrer Schiffe verunglückten oder auf andere Weise ums Leben kamen. Im Vergleich zu diesen Erlebnissen sei das Coronavirus für ihn persönlich lediglich eine Unannehmlichkeit.

Weltumseglung mit vielen positiven Erfahrungen

Dass er sich aber im Alter von 50 Jahren seinen Lebenstraum von der Weltreise auf dem Segelschiff erfüllte und seitdem auf den Meeren dieser Welt zu Hause ist, bereut der heute 63-Jährige trotz der Schicksalsschläge nicht. Im Gegenteil: Er erzählt begeistert von der „atemberaubenden Schönheit der Marquesas-Inseln“, den „wundervollen Lagunen der Tuamotus“ und den Inseln der Kuna-Indianer Panamas.

Anstatt sich auf die Herausforderungen seines Lebensstils zu berufen, denkt er lieber zurück an die leckeren Kokos-Krabben im Suvarow Atoll oder die Gesänge der Buckelwale, die nachts am Ankerplatz bei Niue um sein Boot schwammen. Die Liste mit bereichernden und wunderbaren Erfahrungen auf seiner Reise könne er unendlich lang weiterführen. 

Bertel Bühring bereist mit seiner Partnerin seit 2007 die Weltmeere.

„In jeder Katastrophe steckt auch eine Chance“

„Hätte ich auf all diese Erlebnisse wegen Angst vor einer eventuellen Erkrankung verzichten sollen?“, fragt der Privatier mehr oder weniger rhetorisch. Denn die mehr als deutliche Antwort folgt mit dem nächsten Atemzug: „Nein!“ Gemeinsam mit seiner Partnerin will er sich weiter an die Spielregeln halten, „in der Gewissheit dass auch dies an uns allen vorüberziehen wird“.

Die leidenschaftlichen Segler sind überzeugt, dass ihre Reise noch lange nicht zu Ende ist, denn: „Die Welt hält noch so viele Überraschungen für uns bereit.“ Und wenn es weitergeht, dann werden sie auch das Logbuch auf ihrem Blog weiterführen und ihre Leser mit auf die Segeltour nehmen. Bis dahin blickt das Paar optimistisch in die Zukunft.

Bühring etwa hoffe, dass die Menschen durch die Krise einen Moment darüber nachdenken, was wirklich wichtig im Leben ist, und die Welt dadurch zu einem besseren Ort machen. „Schließlich, so hat es uns die Geschichte gelehrt, steckt in jeder Katastrophe auch eine Chance.“