Endlich: Nach langem Hin und Her scheint der Sommerurlaub 2020 trotz Covid-19-Krise möglich. Die Bundesregierung könnte die weltweite Reisewarnung am 15. Juni für 31 Länder aufheben, beliebte Reiseziele wie Griechenland, Kroatien und Italien bereiten sich auf einen Neustart der Touristik vor. 

Allerdings verändert die Coronavirus-Pandemie das Reisen in diesem Jahr. Infektiologen raten zu Individualreisen sowie Selbstversorgung. Kein Problem, denn zum einen gibt es sowohl hierzulande als auch in vielen beliebten Reisezielen eine große Bandbreite an traumhaften Ferienhäusern. Zum anderen gehen Urlauber ganz einfach auf Nummer sicher, wenn sie ein paar Vorkehrungen treffen. Der reisereporter hat bei Matthias Stoll, Infektiologe der Medizinischen Hochschule Hannover, nachgefragt.

Urlaub 2020: Ferienhäuser in Zeiten der Corona-Krise buchen

Bereits beim Buchen eines Ferienhauses ist Aufmerksamkeit angesagt. Denn zum einen gibt es grundsätzliche Schlupflöcher, etwa trügerische Anzeigen und unangemessene Anzahlungen. Zum anderen kommen durch die Coronavirus-Pandemie neue Schwierigkeiten hinzu.

Hierzu zählt zum Beispiel die Frage nach der Verpflegung. Denn wegen der Corona-Schutzmaßnahmen in Beherbergungsbetrieben wie Ferienhäusern und Hotels ist es möglich, dass die Leistung nicht erbracht werden kann. Und auch Selbstversorger sollten klären, ob die Benutzung der Küche gewährleistet ist. 

Ähnliches gilt in Bezug auf Wellness-Angebote. Denn gehören Pool und Sauna nicht exklusiv zur eigenen Unterkunft, ist es denkbar, dass die Einrichtungen gezwungenermaßen geschlossen bleiben. In Deutschland ist das von den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslands abhängig. 

Reisen trotz Corona: Experten raten zu einer Versicherung

Doch Vorsicht: Stoll zufolge ist es trotz der aktuellen Bestimmungen jederzeit möglich, dass die Schutzmaßnahmen verstärkt werden. „Pech hat dann möglicherweise der, der dann nicht mehr an- oder gar wieder abreisen darf“, erklärt er. „Hier sollten die Buchungsbedingungen eine Lösung vorsehen, die nicht nur zulasten des Mieters geht.“

Im Zweifelsfall helfe auch eine Reiserücktrittsversicherung. Allerdings raten Experten in Zeiten der Corona-Pandemie dazu, die Vertragsbedingungen aufmerksam zu lesen. Denn in einigen Fällen gälten wegen des Coronavirus außergewöhnliche Konditionen. 

Urlaub im Ferienhaus: Welche Corona-Maßnahmen sind ratsam?

„Es ist sicher keine schlechte Idee, sich mit Mund-Nasen-Bedeckungen, Reinigungs- und Handdesinfektionsmitteln auszustatten“, erklärt Stoll. „Denn vor Ort finden Urlauber möglicherweise nur Reste vor, deren Qualität und Lagerungszustand sie nicht kennen.“ 

Aber: Bei bedachter Auswahl habe das allein stehende Ferienhaus in Zeiten der Corona-Krise durch die räumliche Trennung, die Option der Selbstversorgung, die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sowie durch den begrenzten Kreis an Bewohnern viele Vorteile gegenüber einer Gemeinschaftsanlage. 

Allgemeine Verhaltensregeln für die Reise trotz Covid-19-Pandemie findest du hier.

Wie schützen Betreiber von Airbnb und Co. ihre Gäste?

Betreiber von privaten Beherbergungsbetrieben sind grundsätzlich nicht zu professionellen Desinfektionsmaßnahmen verpflichtet – auch wenn es Portale gibt, die gewisse Hygienestandards als Voraussetzung für eine Vermittlung fordern.

„Im denkbaren Szenario, dass die Vormieter wenige Tage nach der Weitervermietung als Covid-19-Fälle identifiziert werden und am Ende des Urlaubs schon Symptome hatten, sind die Hygienemaßnahmen allerdings ein durch die Gesundheitsbehörden kritisch hinterfragter Punkt“, erklärt Stoll. Betreiber sollten daher prüfen, ob sie ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. 

Und: Vermieter sind theoretisch dazu verpflichtet, Gäste über spezifische Hygiene- und Verhaltensregeln im Ferienhaus sowie über coronaspezifische Kontakte vor Ort, etwa Apotheken und Ärzte, zu informieren. Das gilt ebenfalls für höhere Endreinigungskosten durch die Krise. 

Doch auch der Gast zahlt 2020 mit Informationen: Um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, müssen Gäste ihre aktuellen Kontaktdaten weitergeben.