24 Milliarden Euro. So hoch sind Schätzungen zufolge die Schulden von Airlines bei Passagieren, die in der Corona-Krise aufgelaufen sind. Im April und Mai seien weltweit etwa 66,6 Prozent aller Flüge ausgefallen, in Europa sogar mehr als 90 Prozent, das berichtet das Portal „flug-verspaetet.de“.

Das führte dazu, dass allein in Europa mindestens 147 Millionen Passagiere von Flugausfällen betroffen waren. Doch „nur die wenigsten von ihnen haben bisher eine Erstattung ihrer Ticketkosten erhalten“, teilt das Portal mit. 

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Keine Rückzahlung: Airlines wollen Passagiere zu Gutscheinen bewegen

Schätzungen zufolge schulde die Lufthansa ihren Kunden aktuell bereits mehr als 3,5 Milliarden Euro für Ticketerstattungen für Flüge, welche aufgrund des Coronavirus annulliert wurden. Trotz der Diskussion über die neun Milliarden Euro Staatshilfe für den Konzern blieben derzeit noch viele Kunden auf ihren Kosten sitzen.

Fakt ist: Nach der geltenden EU-Fluggastrechteverordnung haben Verbraucher das Recht auf die Wahl zwischen einem Gutschein und der Erstattung der Ticketkosten, das bestätigte die Europäische Kommission zuletzt erneut am 13. Mai.

Einige Airlines haben reagiert – so gaben beispielsweise KLM und Air France bekannt, ihren Kunden von nun an nicht mehr nur Gutscheine, sondern auch Rückerstattungen anbieten zu wollen. „Dabei verschwiegen beide Fluggesellschaften jedoch, dass dies nur für Flüge gelten soll, welche am oder nach dem 15. Mai annulliert werden. Für bereits ausgefallene Flüge werden weiterhin ausschließlich Gutscheine angeboten“, kritisierte Tom van Bokhoven, CEO von „flug-verspaetet.de“.

Und bei der Lufthansa sind die Infos zur Beantragung einer Rückerstattung für die Nutzer auf der Website nicht leicht zu finden. Auf den Seiten mit Infos zur Situation in der Corona-Krise ist nur die Rede von Gutscheinen. Die Airline biete zwar Rückerstattungen an, diese müssen jedoch telefonisch beantragt werden. 

Passagiere haben die Wahl zwischen Rückzahlung und Gutschein

Verbraucher seien verunsichert. „Allein letzten Monat erkundigten sich bei uns mehr als 120.000 Passagiere nach ihren Rechten und suchten nach Hilfe, da Airlines die Rechte der Fluggäste einfach ignorieren. Wir versuchen mit unserem neuen Service, Verbrauchern zu ihrem Recht zu verhelfen und die gewünschte Erstattung der Ticketkosten von den Fluggesellschaften zu erhalten. Ohne Hilfe von Dritten scheint dies für Fluggäste aktuell nahezu unmöglich zu sein“, so van Bokhoven.

Für Airlines und Reiseveranstalter sei die aktuelle Situation auch nicht leicht – sie nutzten den zurückgehaltenen Rückerstattungsbetrag, um während der Corona-Krise weiter zahlungsfähig zu bleiben. Doch das dürfe nicht auf Kosten der Verbraucher erreicht werden, sagt van Bokhoven. Passagiere müssen die Wahl zwischen einem Gutschein und einer Erstattung haben. 

Damit ein Voucher für Passagiere interessanter wird, versuchen viele Airlines, sie attraktiver zu gestalten, indem sie zusätzlich Rabatte für die nächste Buchung anbieten.