Lange hat die Bundesregierung auf eine Gutschein-Lösung für abgesagte Pauschalreisen und Flüge gesetzt. Denn: Wenn Millionen Urlauber ihr Geld für den ausgefallenen Urlaub zurückfordern, könnte die Corona-Krise eine Pleitewelle bei Reiseveranstaltern und Airlines zur Folge haben. 

Nun hat der Bund endgültig entschieden, dass Kunden keinen Gutschein annehmen müssen; sollten sie sich aber für einen entscheiden, ist dieser auch staatlich abgesichert.

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Gutschein-Lösung keine Pflicht: Kunden können Auszahlung fordern

Der ursprüngliche Plan: Reisende sollten statt einer Rückzahlung einen Gutschein akzeptieren müssen, der bis Ende 2021 gültig sein sollte. Nur an finanziell schwache Kunden sollte das Geld ausgezahlt werden. Zudem sollten die Gutscheine eine Insolvenzabsicherung, gegebenenfalls eine staatliche Rückversicherung, enthalten. 

Aber schon im Mai hatte die EU den Zwangsgutscheinen eine Absage erteilt. Der Kabinettsbeschluss sieht nun endgültig vor, dass Reisen, die vor dem 8. März gebucht wurden und während der Pandemie ausfielen, vom Reiseveranstalter komplett erstattet werden müssen. Die Kunden können also auf einer sofortigen Auszahlung des Geldes bestehen. 

Bundesregierung bürgt für Gutscheine der Veranstalter in voller Höhe

Doch die Bundesregierung gab zu verstehen: Wenn viele Reisende auf einem sofortigen Erstattungsanspruch bestehen, lösten sie damit „eventuell eine Insolvenz aus“. Ihr Anspruch auf Erstattung wäre unter Umständen dann nur zum Teil gesichert. Um das zu vermeiden, will die Bundesregierung die Gutscheine attraktiver machen. Dafür setzt sie nun den zweiten Teil des ursprünglichen Plans um, indem sie für die Gutscheine der Veranstalter bürgt.

Neben der gesetzlichen Insolvenzabsicherung will der Bund also eine ergänzende staatliche Absicherung garantieren. Die Garantie über den kompletten Wert der Reise würde auch bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters greifen. Das Geld würde beim Einlösen des Gutscheins bis Ende 2021 ausgezahlt.

Das Bundesjustizministerium will nun einen Gesetzentwurf dafür ausarbeiten, in dem die genauen Details geregelt sind. Außerdem plane die Bundesregierung ein Hilfsprogramm für die Reisebranche, verkündete Bundesjustizministerin Christine Lambrecht.