Airlines weltweit sind wegen der Corona-Krise derzeit im Krisenmodus. Auch die deutsche Lufthansa hat mit ausbleibenden Passagieren und steigenden Stornierungszahlen zu kämpfen. Mit zunehmender Ausbreitung der Pandemie wurde es auch für den Konzern immer ernster. Zuletzt stand auch eine Insolvenz für den Luftfahrtriesen im Raum. 

Nun hat sich die deutsche Bundesregierung aber offenbar auf einen Rettungsschirm für die Fluggesellschaft verständigt, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet. Wie das Hilfspaket konkret aussehen soll und was sich dadurch für Reisende verändert? Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen im Überblick. 

Was genau wurde von der Regierung beschlossen?

Einen endgültigen Beschluss gibt es noch nicht, die Gespräche zwischen Bundesregierung, Unternehmen und EU-Kommission laufen aktuell noch. Allerdings hat die Regierung Medienberichten zufolge das geplante Rettungspaket für die Lufthansa bereits stark konkretisiert, nachdem es wochenlang Diskussionen über die Rahmenbedingungen eines Staatskredits gegeben hatte. 

Demnach plant der Bund, sich zunächst mit 20 Prozent an dem Unternehmen zu beteiligen. Dadurch bleibt die Eigenständigkeit der Unternehmensführung bestehen, der Staat könnte strategische Entscheidungen etwa nicht blockieren, wie das bei der Deutschen Bahn möglich ist. Umgerechnet in Finanzmittel sprechen wir dabei von rund neun Milliarden Euro. Außerdem sollen zwei Aufsichtsräte des Bundes künftig im Kontrollgremium mitwirken. 

Ist die Insolvenz für die Lufthansa damit vom Tisch?

Sobald das Unternehmen und die Bundesregierung den Rettungsschirm rechtskräftig vereinbaren, spielt eine Insolvenz für die Lufthansa erst mal keine Rolle mehr. Denn die finanziellen Mittel der Regierung helfen der Airline vorerst wieder aus der Krise.

Ob das Ganze aber auch langfristig helfen kann, hängt auch von dem weiteren Verlauf der Pandemie ab. Denn in der Krise wurde der Flugbetrieb der Lufthansa und aller Tochter-Fluggesellschaften auf ein Minimum heruntergefahren und der Flugbetrieb der Billigairline Germanwings komplett eingestellt. Obwohl der Flugbetrieb im Juni wieder anlaufen soll, stehen nach wie vor etwa 90 Prozent der Flotte am Boden. Laut einem „Spiegel“-Bericht verliert das Unternehmen dadurch aktuell rund eine Million Euro pro Stunde. 

Was verändert sich durch das Rettungspaket für Passagiere?

Grundsätzlich wäre das staatliche Rettungspaket eine gute Nachricht für Reisende. Denn dadurch rückt eine Insolvenz der Airline erst mal in die Ferne. Und eine Insolvenz wäre für Kunden mit der Gefahr verbunden gewesen, auf getätigten Zahlungen sitzen zu bleiben oder lange auf eine Rückzahlung warten zu müssen, wie es einst bei der Pleite von Thomas Cook der Fall war.

Laut Tourismusforscher Jürgen Schmude ändert sich allerdings durch die Regierungsbeteiligung an der Fluggesellschaft für Passagiere nicht wirklich viel. „Das Wenige, was sich ändern könnte, hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Staatsbeteiligung ausfällt, Stichwort: Sperrminorität“, sagt er im Gespräch mit dem reisereporter.

Die sogenannte Sperrminorität ist der zentrale Streitpunkt in den Verhandlungen um das Rettungspaket für die Lufthansa. Denn die Regierung kann ab einer Beteiligung von 25 Prozent bestimmte strategische Entscheidungen des Unternehmens verhindern. Um das zu verhindern, müsste die Regierung zustimmen, mit weniger als 25 Prozent einzusteigen. Damit würde die Airline weiterhin weitgehend unabhängig agieren können.

Corona ändert mehr für Passagiere als Regierungsbeteiligung

Aber auch dann ändere sich laut Schmude kaum etwas an den Bedingungen für Passagiere. Er lenkt die Aufmerksamkeit eher auf ein anderes Thema: „Unabhängig davon haben die aktuellen Corona-Rahmenbedingungen einen wesentlich größeren Einfluss auf Preise, Strecken, Auslastung und Zahl der eingesetzten Flugzeuge.“

Denn durch die Corona-Krise verändert sich die Art und Weise, wie wir fliegen, aktuell enorm. So fordert die EU etwa eine Maskenpflicht im Flugzeug und am Airport. Außerdem steigen die Flugpreise laut Experten wohl wegen der sinkenden Passagierzahlen langfristig, und die Abwicklung am Flughafen wird mehr Zeit in Anspruch nehmen als vor der Pandemie.

Welche Airlines haben wegen Corona noch Probleme?

Seitdem die Corona-Krise den Flugverkehr weltweit nahezu lahmgelegt hat, haben bereits mehrere Fluggesellschaften Insolvenz angemeldet. Den ersten Corona-Bankrott verzeichnete dabei die britische Airline Flybe, die am 5. März Insolvenz anmeldete. Auch die Thomas Cook Aviation, die von der Thomas-Cook-Pleite übrig geblieben war und zuletzt für Condor flog, hielt der Krise nicht stand.

Die jüngste Pleite verzeichnet schließlich Thai Airways International. Die thailändische Fluggesellschaft wurde von der Regierung in eine eigenständige Insolvenz geschickt, um den Schuldenberg abzubauen und den Betrieb langfristig aufrechterhalten zu können. Auch Thailand hatte zunächst über einen Staatskredit nachgedacht, sich dann aber für die Insolvenz entschieden.