Egal, was Ryanair auf Facebook postet – die Kommentare beziehen sich nahezu nie auf den Beitrag. Das große Thema: Ryanair hat Tausenden Kunden das Geld für stornierte Flüge noch nicht zurückgezahlt. Einige warten bereits seit Monaten. „Gebt mir endlich das Geld zurück“, schreiben viele auf Deutsch und Englisch. 

Auf den jüngsten Beitrag, dass Ryanair eine neue Hygiene-Richtlinie für den Flugbetrieb erarbeitet habe, antwortet eine Frau: „Wie wäre es mal mit einer Richtlinie zur schnellen Erstattung unserer ganzen stornierten Flüge?“ Eine andere Frau macht ihrem Ärger ebenfalls Luft: „Ich habe immer noch nicht mein Geld zurück! Trotz mehrmaliger Aufforderung!! Ich will auch nicht immer wieder zum Gutschein aufgefordert werden. Ich will keinen!!! Ich will mein Geld!“, schreibt sie. 

Ryanair hüllt sich zumindest in den sozialen Medien in Schweigen. Auf eine Anfrage des reisereporters bittet eine Sprecherin der Airline um Geduld. „Kunden, die sich gegen die kostenlose Umbuchungsmöglichkeit und gegen einen Gutschein entscheiden, werden zu gegebener Zeit eine Rückerstattung erhalten, wenn diese noch nie da gewesene Krise vorüber ist.“

Auch in Corona-Zeiten: Rückerstattung binnen sieben Werktagen

Eine ähnliche Aussage tätigt auch Turkish Airlines auf der eigenen Website: Erst würden Umbuchungen und Gutscheine bearbeitet, danach Barauszahlungen – wenn die Pandemie vorbei sei.

Unabhängig davon läuft es auch bei anderen Airlines nicht nach den gesetzlichen Regelungen: Kunden monierten in einer Umfrage Anfang Mai, dass vor allem Condor und Lufthansa nicht aktiv werden in Sachen Rückerstattung. Auch über Easyjet und Eurowings klagten Kunden.

„Das ist Quatsch!“, sagt Reiserechtler Paul Degott dem reisereporter. Der hannoversche Anwalt für Touristik hält diese Taktik für einen „blöden Trick, um Erstattungen auszusitzen“. Da wäre nicht nur die Frage, wann eine Pandemie als vorbei gelte, er hält es auch schlicht für unzumutbar: „Ryanair und auch viele Flüge von Turkish Airlines fallen unter die EU-Fluggastrechteverordnung, und nach Paragraf 8 Absatz 1 muss eine Erstattung binnen sieben Tagen erfolgen“, so Degott. 

Anwalt: Gutscheine wegen ungewisser Zukunft von Airlines nicht akzeptieren

Er rät seinen Kunden dazu, sich nicht auf Umbuchungen oder Gutscheinlösungen einzulassen, sondern auf die Rückzahlung zu bestehen. „Es ist die Frage, welche Fluggesellschaft diese Pandemie überlebt und welche vielleicht neue Träger bekommt, die die Gutscheine dann nicht akzeptieren“, warnt er. 

Ryanair bittet seine Kunden indes um Nachsicht. Man bearbeite das 10.000-fache an Anfragen als üblich, und aufgrund der Abstandsregelungen musste das Personal bei der Airline reduziert werden, so eine Sprecherin. Aber mehrere Monate warten? Für Degott ist das unverhältnismäßig. Mit seinen Kunden reicht er deshalb Zahlungsklagen ein – auch wenn das ebenfalls ein wenig dauert, immerhin sind auch die Gerichte in Verzug.