„Wir sind auf einem 300 mal 50 Meter großen Parkplatz eingesperrt und dürfen diesen eigenständig noch nicht einmal zum Einkaufen oder zur Apotheke verlassen“, sagt Sascha K. Manchmal kämen Fahrzeuge, um Gemüse und Brot zu bringen, aber die Versorgung sei schlecht. Außerdem hat Sascha K. keine Medikamente gegen Bluthochdruck mehr, auf die er angewiesen ist. 

Das berichtet der Finanzberater aus Frankfurt der „Bild“-Zeitung. Der 42-Jährige ist demnach seit Dezember in Westsahara unterwegs, einem Gebiet, das in den 70er-Jahren – nach dem Ende der europäischen Kolonialherrschaft – von Marokko annektiert wurde und nach Unabhänigkeit strebt. Vor allem bei Kite-Surfern ist die Region in Westafrika beliebt – zu denen gehört auch Sascha K. 

Wegen Corona: Seit 15. März geht in Marokko nichts mehr

Seine Kunden wollte er von unterwegs aus betreuen, erzählt er der „Bild“. Eigentlich hätte es im März zurück nach Frankfurt gehen sollen, doch nun sitzt er zusammen mit rund 100 anderen Touristen in 50 Caravans fest. Das von Marokko annektierte Gebiet unterliegt den strengen Ausgangsbeschränkungen Marokkos – nicht einmal zum Einkaufen dürfen die Urlauber den Parkplatz verlassen. 

Seit dem 15. März gelten die Regelungen, und seither ist auch der Flug- und der Fährverkehr eingestellt. Selten gibt es zwar Rückholflüge für Touristen – allerdings aus Marrakesch und Casablanca im Norden Marokkos – weit weg von Westsahara. Die Anreise wäre kaum machbar. 

Noch Tausende Urlauber sitzen in Marokko fest

Sascha K. hatte die Hoffnung, Mitte Mai ausreisen zu können, doch erneut wurden die Fährverbindungen gestrichen. Nun die Hiobsbotschaft: Der Ausnahmezustand in Marokko wurde am Dienstag bis zum 10. Juni verlängert. Was das für Sascha K. und die anderen Reisenden in Westsahara, unter denen etwa 50 Deutsche sind, bedeutet, ist noch unklar. Auch im eigentlichen Marokko sitzen noch Tausende Touristen aus Europa fest. 

Das Auswärtige Amt arbeitet zwar an einer Lösung für die Weltenbummler in Westsahara, aber: „Die Unterstützung im Gebiet der Westsahara ist auch unter normalen Bedingungen extrem schwierig; deswegen rät das Auswärtige Amt schon seit Jahren dringend von Reisen in dieses Gebiet ab“, sagte die Behörde gegenüber „Bild“.