Dass Abstand zu anderen Menschen wichtig ist, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, zeigten in der Vergangenheit die Schutzmaßnahmen von Regierungen weltweit. Mittlerweile ist Social Distancing, also die bewusste räumliche Trennung von Personen, den allermeisten Menschen ein Begriff. 

Doch so nachvollziehbar die Richtlinie auch ist: In Kneipen, Gaststätten und Restaurants gibt ein Mindestabstand zwischen den Tischen ein eher trauriges Bild ab. Theoretisch. Denn was für viele einen Rückschlag in Form einer verminderten Gästeanzahl bedeutet, sehen Wirte in einigen Ländern als Chance. Sie deuten Social Distancing in ihrem Sinne um. 

Schweden: In der Mitte eines Sommerfeldes am „Tisch für einen“

In der kleinen schwedischen Gemeinde namens Ransäter leben Rasmus Persson und Linda Karlsson. Anlässlich der Corona-Pandemie gründete das Paar das Bord för en, also „Tisch für einen“. Hier ist der Name Programm. Es gibt nur einen Tisch mit einem Stuhl, mitten auf einem idyllischen Sommerfeld. Und dort sitzt täglich nur ein Gast. 

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Eine idyllische Aussicht, frische Luft und Sicherheit in Sachen Coronavirus: Das bietet das „Bord för en“ in Schweden.

Die Küche des Restaurants befindet sich im Haus der Betreiber, etwa 45 Meter entfernt vom Tisch. Per Seil und Körbchen liefern sie den Gästen das Essen – direkt vom Küchenfenster aus. Der Sicherheitsabstand ist also garantiert.

Persson und Karlsson nehmen die neuen Richtlinien für die Gastronomie mit Humor. Auf der Website heißt es: „Ein Tisch für eine Person könnte in nächster Zeit unsere einzige Option sein. Warum also kein Tisch mit Stil?“

Deutschland: Das Hotel Haase lässt die Puppen tanzen

Wer denkt, die Deutschen hätten keinen Humor, überzeugt sich bei einem Blick in das Drei-Sterne-Hotel Haase in Hannover vom Gegenteil. Denn auch hier werten neue Gäste die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auf: die Schaufensterpuppen Jens, Britta, Hannelore und Conny Corona. 

Im Hotel Haase in Laatzen, Hannover, füllen Puppen die Lücken.

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Alle Gäste aus Plastik spendieren den echten Besuchern Desinfektionsmittel.

Hotelinhaberin Ulrike Haase erschuf und benannte die Vorzeige-Gäste. Außerdem verlieh sie ihnen Charakter: Während eine Schaufensterpuppe als außerordentlich modebewusst gilt, kennzeichnet eine andere eine gewisse Strenge. Die Gemeinsamkeit: Sie alle halten ein Fläschchen Desinfektionsmittel für die echten Besucher bereit. Äußerst freundlich, diese neuen Gäste!

Übrigens: Auch die Betreiber deutscher Bäckereien und Cafés nehmen Social Distancing mit Humor.

Das gilt zum Beispiel für das Café Rothe in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern. Hier tragen die Gäste Schwimmnudeln auf dem Kopf, um den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. 

USA: Hier dinieren Gäste gemeinsam mit Schaufensterpuppen 

Patrick O'Connell ist der Chef eines Drei-Sterne-Restaurants namens The Inn At Little Washington im Bundesstaat Virginia. Die neuen Abstandsregeln setzt er auf kreative Art und Weise um. Frei nach dem Motto „Keine Lust auf leere Tische und Stühle“ setzt er Schaufensterpuppen an die Plätze, die wegen der Schutzmaßnahme nicht von echten Gästen besetzt werden können.

Doch die Gäste aus Plastik sind mehr als nur Platzhalter: Durch ihre stilvolle Kleidung im Vintage-Look sollen Besucher des Restaurants in das Flair der 40er-Jahre eintauchen. Hierbei bekommen die Betreiber sogar professionelle Hilfe vom Arlington's Signature Theater und der Design Foundry. Das The Inn At Little Washington will seine Türen am 29. Mai 2020 öffnen.

Holland: Essen im Gewächshaus in Amsterdam

Verrückt: Im veganen Mediamatic in Amsterdam gibt es jetzt Gewächshäuser, die das Social Distancing und die Romantik eines gemeinsamen Restaurantbesuchs vereinen. Kein Wunder, denn die Idee für die Häuschen lieferten dem Betreiber zufolge tatsächlich französische Separees, also kleine Nebenräume für ungestörte Zusammenkünfte.

Dass ein gemeinsames Essen trotz Social Distancing möglich ist, zeigt ein Restaurant in Amsterdam.

Beim Abendessen können Gäste ihren Blick über das Wasser schweifen lassen, oder aber die Atmosphäre der funkelnden Lichterketten in der Dämmerung genießen. So oder so: Die edlen Gewächshäuser zeigen, dass Social Distancing keineswegs einsam und öde sein muss.

Die „separaten Gewächshäuser“ machen einen Restaurantbesuch mit einer weiteren Person möglich.

Thailand: Kuscheltier-Pandas gegen die Einsamkeit beim Essen

Durch die Coronavirus-Pandemie haben viele von uns mehr Zeit alleine verbracht als üblich. Um der Einsamkeit beim Restaurantbesuch trotz Abstandsregelungen ein Ende zu setzen, überlegte sich Natthwut Rodchanapanthkul, Inhaber des Maison Saigon in Bangkok, etwas ganz Besonderes: Hier leisten Plüschtier-Pandas den Gästen beim Essen Gesellschaft.

Bei den Gästen kommt die Aktion jedenfalls an. „In diesem Restaurant ist es im Vergleich einfacher, zu verstehen, wo man sitzen darf“, schwärmt Kunde Siriporn gegenüber der „Daily Sabah“. Ein anderer Gast namens Sawit erklärt, er fühle sich durch die Kuscheltiere weniger einsam. Für Inhaber Rodchanapanthkul heißt das: Mission erfüllt.