Das Coronavirus hat Reisen in 2020 verändert. Zwar dürfen wir offenbar im Juni wieder einige Länder Europas bereisen – sollte die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung nicht verlängert werden. Doch ein Urlaub, wie wir ihn kennen, wird so erst mal nicht stattfinden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich bereits bei der Urlaubsplanung, denn es gilt etwa bei der Wahl der Unterkunft und des Reisezieles einiges zu beachten. 

Aber auch auf dem Weg zum Ziel wird sich durch Corona einiges ändern, etwa beim Fliegen. Damit du vor deinem nächsten Flug bereits genau weißt, was dich am Flughafen und an Bord erwartet, beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Fliegen während und nach der Corona-Krise.

Was ändert sich am Flughafen durch Corona?

Flughäfen auf der ganzen Welt bereiten sich gerade auf eine schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs im Mai und Juni vor. In Europas wichtigstem Airport, dem Frankfurter Flughafen, wurden dafür die Wartebereiche beim Check-in und bei der Bordkarten- und Sicherheitskontrolle so weit ausgebaut, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

An den Schaltern wiederum wurden Plexiglasscheiben angebracht. Dort, in Flughafen-Bussen und in allen Airport-Shops gilt zudem eine Maskenpflicht für Passagiere und Mitarbeiter. In allen anderen Aufenthaltsbereichen ist jeder zweite Sitzplatz gesperrt. Alle Maßnahmen und Regeln werden zur Erinnerung regelmäßig per Lautsprecher durchgesagt.

Corona-Maßnahmen könnten die Wartezeit am Flughafen verlängern

Und das ist nur ein Beispiel für das, was derzeit an zahlreichen Flughäfen dieser Welt vor sich geht. Denn laut einem Bericht auf dem Portal „Travelnews“ prognostiziert das Airline-Beratungsunternehmen Simpliflying in einem 70-Punkte-Plan tief greifende Änderungen für den Flugverkehr nach Corona. Die wichtigsten Inhalte des Dokuments fassen wir folgend einmal zusammen: 

  1. Der Check-in-Prozess am Flughafen könnte sich durch zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen erheblich verzögern. So könnten Sitzplätze künftig manuell zugewiesen werden, um die Abstände einhalten zu können. Außerdem sollen Passagiere einen Gesundheitspass vorzeigen, der die Flugtauglichkeit bescheinigt.
  2. Diese und weitere Verzögerungen, etwa durch Fieberchecks und Reiseverlaufsmeldungen, sorgen wahrscheinlich dafür, dass sich Passagiere künftig rund vier Stunden vor Abflug am Airport einfinden müssen. An manchen Flughäfen könnte es sogar noch länger dauern, denn mancherorts werden Bluttests durchgeführt oder es gibt einen Desinfektionstunnel. Übrigens: Auch das Gepäck wird bei der Sicherheitskontrolle desinfiziert.
  3. Das Boarding findet nur noch in kleinen Gruppen statt. Passagiere warten mit gebührendem Abstand und werden dann per Anruf aufgerufen und zum Flieger gebracht. Verpflegung wird es nur noch an kontaktlosen Verkaufsautomaten geben.
  4. Und was bei der Abreise gilt, wird bei der Ankunft noch einmal wiederholt.

Okay, zugegeben, das klingt alles wenig verlockend. Aber erst mal handelt es sich dabei um Prognosen und Empfehlungen. Die einzelnen Airports entscheiden am Ende immer noch selbst über die Prozedur. Fest steht aber, dass sich die Zeit am Flughafen verändern wird und Reisende gut beraten sind, wenn sie ein wenig mehr Zeit einplanen als bei dem letzten Flug in den Urlaub. 

Welche Änderungen an Bord wird es geben?

An Bord der meisten Airlines gilt mittlerweile eine strikte Maskenpflicht für Bordpersonal und Passagiere. Ob und wie dann noch Speisen und Getränke an Bord serviert werden können, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Der Generaldirektor des Dachverbands der Fluggesellschaften (IATA), Alexandre de Juniac, sagte dazu, man diskutiere noch über das entsprechende Vorgehen.

Denn insbesondere auf Langstreckenflügen sei es schwierig, komplett auf Mahlzeiten zu verzichten. Ein Lösungsansatz sei es hier, nur noch komplett verpackte Mahlzeiten im Vorfeld zu verteilen, um das Ansteckungsrisiko bei der Essensvergabe zu minimieren. Außerdem fordert der Verband eine allgemeingültige Maskenpflicht für alle Airlines, Fieberchecks und Gesundheitsformulare. 

EU fordert Maskenpflicht und Abstandsregeln

Die EU hat zuletzt Leitlinien für Flugreisen in der Corona-Pandemie vorgelegt. Demnach fordert sie eine Maskenpflicht an Bord und die Einhaltung von Abstandsregeln im Bereich des Möglichen. Dafür soll etwa ein Sitz pro Reihe freigehalten und der Bordservice auf das Nötigste reduziert werden. Aber auch dabei handelt es sich lediglich um Empfehlungen, die Umsetzung liegt bei den Airlines.

Toilettengang nur noch mit Erlaubnis vom Bordpersonal

Die Lufthansa etwa setzt die Maskenpflicht bereits konsequent durch, verzichtet deshalb aber mittlerweile wieder auf den freien Sitzplatz in der Mitte. Catering gibt es an Bord der Flieger nur sehr eingeschränkt. Eine Regelung, die auch viele weitere Airline-Chefs vehement zurückweisen. So berichtet das „Handelsblatt“, dass viele Konzerne den freien Sitzplatz für unwirtschaftlich hielten und den Mindestabstand an Bord trotzdem nicht einhalten könnten. 

Bei der irischen Fluggesellschaft Ryanair müssen Passagiere zusätzlich ab jetzt ihren Toilettengang beim Personal anmelden, um unnötige Schlangenbildung im Gang zu vermeiden. Simpliflying empfiehlt außerdem das Tragen von Handschuhen und vermutet, dass sich auch die Nutzung von Entertainment an Bord verändern wird. So gehören Bordmagazine der Vergangenheit an und Geräte mit Touchscreen könnten ausgetauscht werden. 

Wird Fliegen durch die Corona-Krise teurer?

Weniger Passagiere, mehr Sicherheitsvorkehrungen und eine wochenlange Flaute. Dass die Fluggesellschaften nach der Corona-Krise finanziell einiges aufholen müssen, liegt eigentlich auf der Hand. Mit immens steigenden Flugpreisen musst du deshalb allerdings nicht rechnen. Zumindest nicht sofort. Nach Einschätzung des Luftfahrtverbandes IATA könnte es allerdings langfristig zu einem Anstieg der Flugpreise kommen, wie der US-Nachrichtensender „BBC“ berichtet. 

Demnach rechnet der Verband mit massiven Turbulenzen bei den Flugpreisen. Denn zunächst seien die Fluggesellschaften bemüht, den Betrieb schnellstmöglich wieder hochzufahren, aber vermutlich viele Passagiere noch verunsichert. Die Folge: Die Preise sinken deutlich.

Sobald sich die Passagierzahlen dann aber wieder umkehren, könnte sich das Blatt wenden. Zumindest, wenn die Mittelsitze frei blieben, so die Einschätzung des Verbandes. Denn dann müssten die Airlines die fehlenden Buchungen durch Preiserhöhungen von bis zu 50 Prozent ausgleichen. Das sei aber frühestens im Jahr 2021 der Fall.