Malerische Sandstrände, tiefblaues Wasser und meterhohe Felsen locken viele Tausend Urlauber pro Jahr an die Algarve. Auch während der Coronavirus-Pandemie ist sie ein beliebtes Ziel, ebenso wie die Hauptstadt Lissabon sowie die Inseln Azoren und Madeira. Aber: Die Corona-Zahlen in dem Land steigen, Portugal hat daher zum 15. September mehrere verschärfte Maßnahmen in Kraft gesetzt. Das teilt das Gesundheitsministerium mit.

Corona-Anstieg: Neue Regeln in Portugal, die auch Urlauber betreffen

  • Die maximal erlaubte Gruppengröße für Treffen beträgt zehn Personen.
  • Gewerbliche Einrichtungen dürfen nicht vor 10 Uhr öffnen, ausgenommen von dieser Regel sind: Cafés, Bäckereien, Friseursalons und Fitnessstudios.
  • Gewerbliche Einrichtungen müssen je nach Gemeinde zwischen 20 und 23 Uhr schließen.
  • In Einkaufszentren dürfen sich in Gastronomien maximal Gruppen mit bis zu vier Leuten aufhalten.
  • Alkohol trinken in der Öffentlichkeit ist verboten.
  • Tankstellen dürfen keinen Alkohol mehr verkaufen.
  • Nach 20 Uhr darf Alkohol nur noch in Lokalen zusammen mit Mahlzeiten verkauft werden.
  • Öffentliche Sportanlagen sind gesperrt.
  • Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften.
  • Der Mindestabstand im öffentlichen Raum beträgt zwei Meter.

Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 500 Euro.

Wie ist die Corona-Lage in dem beliebten Urlaubsland? Welche Regeln gelten für Urlauber bei der Einreise, im Hotel und am Strand? Der reisereporter gibt einen Überblick.

So ist die Coronavirus-Lage in Portugal

Portugal ist im Gegensatz zum Nachbarland Spanien nicht so stark von der Corona-Pandemie betroffen. Während die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen in Spanien bei mehr als 603.000 liegt, sind es im Nachbarland Portugal nur rund 65.000 Fälle (Stand: 16. September 2020). Das Risiko, dass die Bundesregierung eine Reisewarnung ausspricht, ist aktuell relativ gering.

So besagen die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI): Als Risikogebiet werden Länder oder Regionen eingestuft, in denen …

… in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden oder …
… die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos besteht, obwohl dieser Grenzwert unterschritten wird. Dafür berücksichtigen die Behörden unter anderem die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die Art des Ausbruchs (etwa lokal begrenzt), Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner.

Portugal verzeichnete in den vergangenen sieben Tagen aber erneut mehr Neuinfektionen, es sind dem Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge im Durchschnitt inzwischen 40,15 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner. Das liegt noch unter dem kritischen Wert von 50, bei dem das Auswärtige Amt reagieren würde. Ein regionaler Corona-Schwerpunkt liegt im Großraum Lissabon, aber auch für die Hauptstadt gilt bislang keine Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Großbritannien setzt Portugal auf Risikogebiete-Liste

In Großbritannien sieht das aber ganz anders aus, dort ist 20 der kritische Wert. Das Vereinigte Königreich hat das Festland Portugals am Donnerstagabend wieder auf die Risikogebiete-Liste gesetzt.

Regeln für Urlauber bei der Einreise in Portugal, auf Madeira und Azoren

Für deutsche Reisende gibt es derzeit grundsätzlich keine Einreisebeschränkungen für Portugal. Allerdings müssen Einreisende eine Einreisekarte (Passenger Locator Form) ausfüllen, die sie von ihrer Fluggesellschaft erhalten. Dort müssen sie den Grund ihrer Einreise angeben, ihren Zielort sowie Kontaktdaten.

Urlauber, die in die Autonomen Regionen Madeira und Azoren reisen, müssen entweder vor oder bei der Einreise eine Gesundheitserklärung abgeben. Und für die Azoren benötigen Einreisende zusätzlich einen Barcode, den sie 72 Stunden vor dem Abflug mithilfe eines Fragebogens erhalten. 

Gesonderte Regelungen gelten für Einreisende, die vom portugiesischen Festland aus nach Madeira reisen wollen. Dafür wird nämlich ein negativer Corona-Test benötigt, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Wer keinen Covid-19-Test vorweist, kann bei der Einreise einen vornehmen lassen, muss aber, bis das Testergebnis vorliegt, in Quarantäne. 

Gleiches gilt für Azoren-Urlauber. Allerdings muss dort nach sieben Tagen ein weiterer Test erfolgen.

Diese Sicherheitsmaßnahmen gelten in Flughäfen in Portugal

Wer mit einem Flugzeug auf dem portugiesischen Festland ankommt, muss sich auf Temperaturmessungen einstellen. Sollte die Körpertemperatur 38 Grad Celsius überschreiten, müssen Urlauber mit weiteren Untersuchungen und häuslicher Quarantäne rechnen. Unter anderem für diesen Fall bietet Portugal Touristen zur Sicherheit eine kostenpflichtige Corona-Versicherung an.

An den Flughäfen selbst gelten außerdem strikte Zugangsregeln. So dürfen nur Passagiere mit einem gültigen Flug-Ticket eintreten.

Diese Hygieneregeln gelten in Hotels und in der Öffentlichkeit

Laut dem Auswärtigen Amt sollten Reisende weiterhin mit Einschränkungen für Hotelbetriebe und Campingplätze rechnen. Zur Wiederbelebung des Tourismus hat Portugal für Hotels sogenannte „Clean and Safe“-Siegel eingeführt. Daran erkennen Urlauber, dass in ihrem Hotel gewisse Hygienestandards zur Vorbeugung des Coronavirus eingehalten werden. 

Bei einem Corona-Verdachtsfall vor Ort sind die Hotelmitarbeiter darin geschult, die betroffene Person zu isolieren und die erforderliche medizinische Hilfe einzuleiten. 

Wie auch in den meisten Ländern weltweit gilt im öffentlichen Raum ein Mindestabstand von zwei Metern zu allen Personen außerhalb des eigenen Haushalts, und in Geschäften sowie im öffentlichen Nahverkehr besteht eine Maskenpflicht. Wer sie nicht einhält, kann mit einem Bußgeld von 500 Euro bestraft werden, Gruppen müssen bis zu 5000 Euro zahlen. 

Spontane private Versammlungen ohne Einhaltung von Abstandsregeln sind im ganzen Land auf zehn Personen begrenzt. 

Gesonderte Regelungen für Lissabon

Im Großraum Lissabon wurden die Lockerungsmaßnahmen bis zum 31. August zurückgenommen. Dort schließen Lokale schon um 20 Uhr, Supermärkte um 22 Uhr. Es darf im öffentlichen Raum kein Alkohol konsumiert werden, und spontane Versammlungen sind auf zehn Personen begrenzt. Ähnliche Regeln gelten für einige Azoreninseln.

Diese Regeln gelten am Strand

Unter Auflagen hat Portugal den Strandbetrieb am 6. Juni wieder aufgenommen. Seither regelt ein Ampel-System die Auslastung der Strände. Mithilfe von „Info Praia“ können Urlauber schon in der Unterkunft überprüfen, an welchen Stränden noch am meisten Platz ist. Darüber hinaus informiert die App auch über die jeweilige Wasserqualität. 

Beim Betreten des Strandes müssen Urlauber den Anweisungen auf den aufgestellten Schildern folgen. So müssen sie immer Schuhe tragen, dürfen nur auf der rechten Seite des Strandes gehen und einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. In den Sanitäranlagen und an den Strandbars müssen Besucher zudem einen Mundschutz tragen, sich die Hände desinfizieren und Abstand halten.