Noch immer gilt die wegen der Covid-19-Pandemie verlängerte Reisewarnung des Auswärtigen Amts– und das mindestens bis zum 14. Juni. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Allerdings sprechen sich immer mehr Konzerne und Politiker für eine Öffnung der Grenzen innerhalb Europas aus, darunter auch die SPD-Fraktion des Europaparlaments.

Corona: Hygienezertifikat für Hotels in ganz Europa?

Ihr Vizechef, Ismail Ertug, legte jetzt ein zwölfseitiges Papier vor, das dabei helfen soll. Das Ziel: ein EU-weit einheitliches Hygienezertifikat für Resorts und Hotels.

Erst kürzlich hatte Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, erklärt, er könne sich vorstellen, dass Deutsche bald wieder in Länder wie Spanien, Frankreich, Belgien, Polen oder Österreich reisen dürfen. Auch Tui-Chef Friedrich Joussen hatte sich in der Vergangenheit für eine Öffnung der Grenzen ausgesprochen

Urlaub trotz Corona: Welche Regeln und Maßnahmen sind in Hotels nötig?

Klar ist: Die Covid-19-Pandemie verändert das Reisen in diesem Jahr. „Wenn wir in den Urlaub fahren oder fliegen, wollen wir sicher sein, dass das gebuchte Hotel Maßnahmen zum Schutz vor einer Coronavirus-Infektion getroffen hat“, sagte Ertrug gegenüber dem „Handelsblatt“. „Solche gemeinsamen Schutzstandards sollten durch ein europäisches Tourismus-Zertifikat sichtbar sein.“ 

Konkret sollen laut dem Positionspapier zum Beispiel umfassende Kriterien für die Umwelthygiene festgelegt werden – von einer Desinfektionsstruktur über Lüftungssysteme bis hin zu Reinigungsintervallen von Hotels. Auch die persönliche Hygiene, also das Tragen von Schutzmasken und Handschuhen, sowie die Lebensmittelhygiene, etwa beim Essen, thematisierte Ertug.

Buffets könne es zwar geben, doch die Ausgabe der Speisen dürfe nur durch das Personal erfolgen. Hinzu kommen Social-Distancing-Vorgaben, also Abstandsregelungen, und Gesundheitsmaßnahmen wie eine Fiebermessung für neue Gäste. 

Um Personal für die zusätzlichen Aufgaben zu gewinnen, sollen andere Tätigkeiten, etwa das Abwaschen und die Müllentsorgung, weiter automatisiert werden.

EU-Hygienestandards: Wer entscheidet, wer ein Zertifikat bekommt? 

Und wer bewertet, ob Gaststätten und Hotels den vorgegebenen Standards gerecht werden? Auch diese Frage ist Bestandteil des vorgelegten Positionspapiers. Demnach sollen sogenannte Bewertungsformulare von neutralen Dritten, in Deutschland beispielsweise die Prüforganisationen TÜV und Dekra, ausgefüllt werden.

Zustimmung erhielt Ertug seitens des Deutschen Reiseverbands (DRV). „Ziel aller Überlegungen – europäisch wie national – muss es sein, zeitnah einen sicheren Weg zur Urlaubsreise zu ebnen – in Deutschland, Europa und der Welt“, betonte DRV-Präsident Norbert Fiebig im Gespräch mit dem „Handelsblatt“.

Corona-Krise: Sozialdemokraten fordern europäischen Reisegarantiefonds

Außerdem ist den Sozialdemokraten im EU-Parlament zufolge ein europäischer Reisegarantiefonds nötig. Er soll Gutscheine, die aufgrund von Ausfällen während der Corona-Krise ausgestellt wurden, gegen die Insolvenz von Unternehmen absichern. Dadurch könnte die noch umstrittene Gutscheinlösung für Verbraucher an Attraktivität gewinnen.

Wie schnell es mit der Corona-Pleite gehen kann, zeigte erst kürzlich ein trauriges Beispiel: Eine der ältesten Fluggesellschaften der Welt, die kolumbianische Airline Avianca, meldete wegen des extremen Umsatzrückgangs während der Krise Insolvenz an.

Auf die Idee eines europäischen Fonds ging EU-Verkehrskommissarin Adina Valean am Montag bei einer Befragung im Umweltausschuss des EU-Parlaments nicht ein. Stattdessen bekräftigte sie den vorherigen Vorschlag: Wer keinen Gutschein möchte, soll bei stornierten Reisen das Recht auf Rückerstattung haben.