Wochenlang mussten wir unser Fernweh zu Hause mit virtuellen Reisen und Mikro-Abenteuern stillen. Nun machen die Corona-Lockerungen so langsam wieder Hoffnung auf einen nahenden Urlaub. Die Vorfreude steigt.

Und die Buchungen für Ferienunterkünfte und Hotels an beliebten Reisezielen Deutschlands steigen gleich mit. Aber auch, wenn du dich im Sommer ins Auto setzt und ans Meer oder in die Berge fährst, die Pandemie reist mit. Dieser Urlaub wird anders sein.

Ob Reisen auch teurer werden, wo du Geld sparen kannst, wo es überhaupt noch freie Unterkünfte gibt und wann du am besten buchen solltest, verraten wir dir im Überblick.

Wird der Sommerurlaub in Deutschland teurer?

Der wochenlange Stillstand in der Tourismusbranche hat nicht nur Reisefans, sondern auch Anbietern der Branche viel abverlangt. Reiseveranstalter, Hoteliers und Gastgeber von Ferienunterkünften haben herbe Verluste eingefahren. Wird der Urlaub also teurer? Bisher müssen sie offenbar nicht grundsätzlich mehr Geld in die Hand nehmen, wie ein Blick auf den Markt zeigt. 

Experte: Ferienunterkünfte werden nicht generell teurer

„Eine aktive Preiserhöhung durch die Gastgeber der Ferienunterkünfte können wir nicht beobachten“, sagt Jonas Upmann, Sprecher der Ferienhaussuchmaschine Hometogo.

Durch die gestiegene Nachfrage nach Ferienunterkünften in Deutschland seien aber die günstigeren Objekte, Deals beziehungsweise Angebote schlichtweg schneller ausgebucht. Dadurch finden Nutzer oftmals nur noch teurere Angebote in den Suchergebnissen vor. „Dadurch kann schon einmal der Eindruck entstehen, dass die Preise in diesem Jahr gestiegen sind.“

Fakt sei aber: Die Preise der Ferienunterkünfte in Deutschland bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Jahr. Laut Upmann liegt das auch daran, dass den Gastgebern eine langfristige Bindung ihrer Gäste wichtiger sei als ein kurzzeitiger dynamischer Preisanstieg.

Unterkünfte teurer? Keine Privatzimmer mehr auf Airbnb

Einen ähnlichen Eindruck bekommt man bei einem Blick auf die Suchergebnisse des Buchungsportals Airbnb. Dort werden derzeit nur noch gesamte Unterkünfte und Wohnungen mit separatem Zugang angeboten. Die Folge: Günstige Bleiben wie Privatzimmer und Mehrbettzimmer fallen aus dem Angebot, und damit steigt das Preisniveau. Das kann beim Nutzer zu dem Gefühl führen, dass die Unterkünfte und damit der Urlaub wegen Corona teurer werden.

Trotzdem finden Reisende auf der Website auch weiterhin „authentische Unterkünfte in allen Regionen Deutschlands, die diese veränderten Bedürfnisse erfüllen“, sagt Kirstin MacLeod, Sprecherin des Buchungsportals. Sie ist sich sicher, dass „sich die Reisebranche von dieser Krise erholen wird, aber das Reisen nach der Pandemie zunächst anders sein wird“.

Steigende Preise erst in den nächsten Jahren?

Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes, zeichnet ein ähnliches Bild im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Für steigende Preise sehen wir noch keine belastbaren Hinweise. Wir gehen davon aus, dass es noch nicht zu steigenden Preisen kommt. Das kann aber von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein.“ Dass allerdings durch die Corona-Krise viele Gastgeber Kredite aufnehmen mussten, könne in den kommenden Jahren dazu führen, dass Preise steigen und Urlaub teurer wird.

„Grundsätzlich haben wir in Deutschland ein im internationalen Vergleich äußerst attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Das ändere sich zunächst auch durch die Corona-Krise nicht.

Letztendlich hänge die Preisgestaltung aber von vielen Faktoren ab, auch von Angebot und Nachfrage. Deshalb seien Prognosen schwierig. Denn: „Wie sich die Preise entwickeln, lässt sich nicht vorhersagen.“

Tui-Chef erwartet billigeren Urlaub im Sommer

Tui-Chef Marek Andryszak hingegen wagt im Interview mit dem deutschen Tv-Sender „RTL“ eine recht eindeutige Prognose: „Urlaub wird billiger!“ Das liege unter anderem daran, dass viele Teile der Infrastruktur in den Urlaubsregionen derzeit leer stehen. „Ich glaube nicht, dass wir Poolparties oder Aerobic in geschlossenen Räumen sehen werden“, sagt der Tui-Chef. 

Wo gibt es noch freie Unterkünfte für den Sommer?

Steigende Nachfrage und stagnierende Preise: Der Ansturm auf Ferienunterkünfte in Deutschland dürfte im Corona-Sommer noch einmal deutlich in die Höhe schnellen. Hinzu kommt, dass bereits vor der Pandemie zahlreiche Ferienunterkünfte an der deutschen Küste vergeben waren.

Denn laut Upmann buchen viele Menschen bereits im Dezember oder Januar ihren Jahresurlaub. Wer nicht wegen des Coronavirus storniert hat, der hat sein Ferienhaus am Meer also bereits sicher. 

Nordsee statt Spanien und Ostsee statt Italien

Alle anderen schwimmen nun auf der zweiten Buchungswelle mit. „Die findet unabhängig von Corona kurz vor den Sommerferien statt. Dann buchen die Kurzentschlossenen ihren Sommer-Urlaub etwa zwei bis drei Monate im Vorlauf. Mit der jetzigen Welle liegen wir immerhin noch sechs bis acht Wochen vor den Sommerferien.“ Das Einzige, was nun anders ist: der immense Anstieg der Nachfrage. 

Normalerweise sind in diesem Zeitraum Ferienunterkünfte in Spanien, Italien und Südfrankreich besonders gefragt. Dieses Jahr konzentriere sich das Suchvolumen laut Upmann wegen des Coronavirus mit bis zu 80 Prozent vor allem auf Ziele innerhalb Deutschlands. 

Dabei sind besonders Unterkünfte am Wasser beliebt – also zum Beispiel Nordsee, Ostsee, Mecklenburgische Seenplatte und Bodensee. „Wer da in diesem Jahr kein Glück mehr hat, aber trotzdem ans Meer möchte, der kann sich nach Objekten umsehen, die einige Kilometer von der Küste entfernt sind. Besonders in kleineren Orten wird man da oft fündig“, rät der Experte. 

Regionen abseits der Ferien-Hochburgen entdecken

Auch Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges sieht den Trend klar in Richtung der Küstenregionen: „Traditionell sind die Urlaubsdestinationen an der Küste gefragt, aber auch in den Mittelgebirgen und im Süden Deutschlands.“ Für viele Urlauber bestehe nun aber auch die Chance, noch unbekannte Regionen abseits der klassischen Ferienhochburgen zu entdecken. „Das Reiseland Deutschland heißt Vielfalt erleben.“

Auch mal abseits der bekannten Touristenpfade suchen, das ist in diesem Jahr wohl der Rat der Stunde. Denn Deutschland hat weitaus mehr zu bieten als all die schönen und bekannten Badeorte. Kunz sieht darin auch einen weiteren Vorteil: „Das kann jetzt auch eine Chance für Regionen sein, die in der Vergangenheit eine niedrigere Auslastung hatten.“

Was sollte ich bei der Buchung unbedingt beachten?

Ausbleibende Preiserhöhung und gestiegene Nachfrage nach Reisezielen innerhalb Deutschlands. Klar, wer in diesem Sommer noch ein Plätzchen an seinem Lieblingsort am Meer oder in den Bergen ergattern möchte, der muss schnell sein und am besten schon jetzt buchen. 

„Das gilt im Übrigen auch für geplante Reisen im Spätsommer. Denn viele Urlauber, die sonst ans Meer im Ausland gereist sind, zieht es im Sommer 2020 an die deutsche Küste. Ziele an der Nordsee und der Ostsee, der Mecklenburgischen Seenplatte oder am Bodensee werden also schnell ausgebucht sein“, sagt Upmann.

Spätsommer-Reise nach Kroatien oder Schweden?

Wer erst im Spätsommer oder gar im Herbst und Winter verreisen möchte, der hat womöglich auch eine weitaus größere Auswahl. Denn es könnte sein, dass dann auch Reisen in einige europäische Länder wieder möglich sein werden.

Dass Interesse besteht, sieht Upmann bei den Suchanfragen: „Je weiter der Reisezeitraum in der Zukunft liegt, desto öfter tauchen auch wieder Auslandsreisen in den Suchanfragen auf. Darunter sind derzeit vor allem Anfragen für Schweden, Kroatien und Dänemark zu finden.“

Kostenlose Stornierung für Ferienunterkünfte und Hotels

Trotz Fernweh und Vorfreude zögern allerdings auch viele Reisefans derzeit noch mit der Urlaubsbuchung. Das ist auch kein Wunder, denn nach wie vor kann niemand genau vorhersagen, wie die Situation in ein oder zwei Monaten aussieht. Darauf reagieren auch viele Anbieter und bieten gelockerte Stornierungsbedingungen an. Diese findest du etwa bei den Ferienunterkünften von Hometogo und bei vielen Hotels auf Booking.com

Die Buchungsplattform Airbnb ermutigt ihre Gastgeber, flexible Stornierungen anzubieten, stellt es ihnen aber in der Umsetzung frei. Dort werden aktuell nur noch gesamte Unterkünfte vermietet und zusätzlich einige virtuelle Abenteuer angeboten. 

Wie sicher sind Hotel, Ferienwohnung und Airbnb?

Urlaub im Sommer 2020 wird anders, so viel steht fest. Damit der Aufenthalt in der Ferienunterkunft oder im Hotel aber so sicher wie möglich ist, hat der Deutsche Reiseverband einige Richtlinien ausgearbeitet, die Urlauber vor Corona schützen sollen. Im Wesentlichen geht es dabei um die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. 

Gilt die Auslastungsbegrenzung auch für Ferienunterkünfte?

Über eine weitere Maßnahme allerdings herrscht in der Branche noch Unklarheit: „Für Hotels und Ferienhäuser sind für die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Auslastungs-Obergrenzen geplant oder bereits festgelegt. Es ist allerdings noch nicht ganz klar, was das für Ferienhäuser und -wohnungen bedeutet“, sagt Upmann. 

Denn eine Ferienwohnung wird zwar in der Regel nur von einer Familie bewohnt, aber auch da gibt es undefinierte Grauzonen. Denn: „Wenn zum Beispiel zwei nebeneinander liegende Unterkünfte im Januar gebucht worden sind und jetzt eine Auslastung von 50 Prozent beschlossen wird: Was bedeutet das dann für die Reisenden?“ 

Abgesehen davon sind Ferienunterkünfte allerdings gut für Social Distancing geeignet. Denn jeder hat seine eigene Küche und macht den Haushalt in der Regel während des Aufenthaltes selbst. Dadurch kommen Gäste oftmals höchstens mit den Vermietern der Ferienwohnung in Kontakt. 

Airbnb führt neue Reinigungsrichtlinien ein

Airbnb hat aufgrund der Pandemie neue Reinigungsrichtlinien für Ferienunterkünfte eingeführt. Demnach sollen die Unterkünfte nach gültigen Hygienestandards in der Corona-Krise gereinigt werden. Gastgeber, die dementsprechend handeln, werden zertifziert und können dann wieder Gäste empfangen.

Dafür bietet das Portal extra ein Lernprogramm für Gastgeber an. Sollte es Gastgebern nicht möglich sein, die Richtlinien zu erfüllen, dann können sie dennoch vermieten, allerdings mit einem Zeitfenster von 72 Stunden zwischen zwei Buchungen. Abgesehen davon werden derzeit nur noch ganze Unterkünfte und Privatzimmer mit eigenem Zugang vermietet, um den Kontakt zwischen Vermieter und Mieter einzuschränken. 

Hohe Hygienestandards im Hotel

In Hotels sieht das etwas anders aus: Dort bekommen Gäste im Zweifel mehr von der aktuellen Pandemie mit. Der Grund: Es herrschen strenge Hygieneregeln. „Die konkreten Vorgaben sind hier sehr unterschiedlich. So sind in einigen Bundesländern Frühstücksbuffets ausdrücklich verboten, in anderen nicht“, sagt Hartges vom Dehoga. So seien auch Höchstbelegungsquoten nicht in allen Bundesländern vorgegeben worden sein. 

„In jedem Fall gilt es, die behördlich verordneten Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen einzuhalten. Dazu gehört es beispielsweise, die Tische so zu platzieren, dass ein Mindestabstand der Tische von mindestens 1,50 Meter gewahrt wird.“ 

Das Positive am Urlaub im eigenen Land

Letztendlich hängt die Wahl der Unterkunft auch im Corona-Sommer von den Urlaubsinteressen jedes Einzelnen ab. Wer ohnehin den ganzen Tag unterwegs ist und abends gern ins gemachte Bett gehen möchte, der ist im Hotel gut aufgehoben. Wer sein Essen lieber selbst zubereitet und sein Bett selbst machen möchte, der fühlt sich wahrscheinlich in einer Ferienunterkunft wohler. 

Unabhängig davon, auf welche Art von Unterkunft die Wahl am Ende fällt, Upmann ist sich sicher, dass der diesjährige Verzicht auf Auslandsreisen auch etwas Positives für die Urlauber mit sich bringt: „Ich glaube, viele Menschen werden in diesem Jahr die Schönheit Deutschlands noch einmal neu entdecken. Denn viele Urlauber reisen Jahr für Jahr ins Ausland, obwohl es auch im Inland viele schöne Orte gibt.“