Es ist eine Message, die sich in Zeiten der Corona-Krise fest in den Köpfen der Menschen manifestiert hat: Wer zu Hause bleibt, steckt keinen an. Doch was, wenn es kein Zuhause gibt? Vor dieser Frage stehen derzeit jeden Tag und jede Nacht Millionen Obdachlose weltweit. Abhilfe schafft eine Branche, die von der Pandemie hart getroffen wurde: die Touristik.

Obdachlose dürfen kostenlos in Hotel in Belgien schlafen

In einem Drei-Sterne-Hotel namens „’t Putje“ im belgischen Brügge erhalten Obdachlose jetzt über Nacht ein Zimmer. Nach dem morgendlichen Frühstück verlassen sie die Unterkunft wieder. „Ich habe in all den Jahren noch nie so viel Dankbarkeit erlebt“, schwärmte Besitzerin Tina Wijns gegenüber der „ARD“. „Ich hatte noch nie so eine respektvolle Klientel.“

Das spiegelt sich auch in den Aussagen der Betroffenen wider. Die 20-jährige Romy sagte: „Hier gibt es einen Fernseher und man kann sogar ein heißes Bad nehmen. Echt überwältigend!“ Aktuell seien 25 der 37 Zimmer des Hotels belegt. Die Rechnung für die Unterbringung zahle die Stadtverwaltung.

Das eigentliche Obdachlosen-Nachtquartier der Vereinigung „’t Sas“ hatte die Anzahl der Schlafplätze zuvor reduziert. Der Grund: mit dem Coronavirus zusammenhängende Hygienemaßnahmen. In der Unterkunft stehen jetzt nur noch zehn Betten zur Verfügung. 

Die Corona-Pandemie schweißt zusammen

Ähnlich sieht die Lage in Deutschland aus: Dank einer Spende der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH in Höhe von 300.000 Euro ermöglichten Hinz & Kunzt, Diakonie, Caritas und Alimaus 250 Obdachlosen eine Unterbringung in Einzelzimmern im Hostel Bedpark im Hamburger Schanzenviertel.

„In den Großunterkünften ist das erforderliche Abstandsgebot nicht gewährleistet“, sagte Johan Graßhoff, Straßensozialarbeiter der Diakonie, laut einem Bericht des Straßenmagazins „Hinz & Kuntz“. „Aus diesem Grund ist die Unterbringung in Hotelzimmern momentan der einzige Weg, um diese Menschen zu schützen.“ 

In Hamburg entwickelte sich dadurch die Initiative unter dem Hashtag #openthehotels. Sie forderte den Senat dazu auf, 300 Zimmer in Hotels anzumieten und sie Wohnungslosen zur Verfügung zu stellen. 

In Berlin wiederum öffnete ein Hostel seine Türen für Obdachlose: In einer Jugendherberge im Stadtteil Tiergarten stehen 200 Plätze zur Verfügung. Zudem beteiligt sich das Fünf-Sterne-Hotel Adlon Kempinski einer Pressemitteilung nach am Bau einer Unterkunft für 100 Betroffene.

Anschließend werde der Betreiber selbst mit seinem aktuell verkleinerten Küchenteam „zumindest einmal wöchentlich“ ein kleines Frühstück anliefern.

Corona-Krise: Weltweite Hilfe für Obdachlose 

„Das Leben von Wohnungslosen ist schwierig genug“, sagte der „BBC“ zufolge Sadiq Khan, der Bürgermeister von London. „Ich bin entschlossen, zu tun, was ich kann, um ihnen Schutz zu gewähren.“

Hierfür arbeitete er mit der Intercontinental Hotels Group (IHG), einer der größten Hotelketten der Welt, zusammen. Das Ergebnis der Kooperation: Ganze 300 Räume wurden Obdachlosen zur Verfügung gestellt. Ähnliche Aktionen gab es in zahlreichen Ländern weltweit, darunter neben England etwa die USA und Frankreich.