Gute Laune, laute Musik und eine feiernde Menschenmasse: Was auf Mallorca während der Hochsaison normalerweise selbstverständlich ist, scheint in Zeiten der Corona-Pandemie schier unmöglich. Das könnte sich laut Thomas Bareiß, dem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, aber noch ändern. „Ich würde Mallorca noch nicht abschreiben“, sagte der CDU-Politiker im Interview mit dem „Tagesspiegel“.

Bei einer guten Entwicklung der Infektionszahlen könnten sowohl der Sommerurlaub in Deutschland als auch eine Reise in europäische Länder wie Spanien stattfinden. Entsprechende Gespräche mit den jeweiligen Regierungen und der Weltorganisation für Tourismus, der UNWTO, seien bereits im Gange.

Erst Ende April hatte sich Bareiß in die entgegengesetzte Richtung geäußert, indem er erklärte, die Deutschen könnten sich wohl von ihrem Urlaub am Mittelmeer verabschieden.

Aktuelle Deals

Gute Aussichten für Urlaub in Deutschlands Nachbarländern?

Die Einschätzung gelte ebenso für Nachbarländer, die potenzielle Urlauber mit dem Auto erreichen können. Dazu zählten etwa Österreich, Frankreich, Belgien, Polen oder die Niederlande. Die große Fernreise hingegen fällt Bareiß zufolge höchstwahrscheinlich aus.

Reisen nach Mallorca: Ministerpräsidentin der Balearen ist dafür

Mit seinem Sinneswandel ist der CDU-Politiker nicht allein. Auch die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, sprach sich im Parlament für ein Wiederaufleben des Tourismus aus. Sie wolle mit den wichtigsten Quellmärkten darüber sprechen, wie die Flugverbindungen schnellstmöglich wieder aufgenommen werden können. Im Vordergrund stehe jedoch weiterhin die Sicherheit aller Beteiligten.

Daher sei eine Richtlinie, die für alle europäischen Länder gelte, unabdingbar. Die Balearen seien jedenfalls darauf vorbereitet, Urlauber nach einer Lockerung der Beschränkungen wieder zu empfangen. Auch Armengol hatte sich in der Vergangenheit bereits in eine andere Richtung geäußert. So setzte sich die Politikerin beispielsweise dafür ein, dass der internationale Flugverkehr am Flughafen Son Sant Joan möglichst lange ausbleibt. Der Grund: Die niedrigen Coronavirus-Infektionszahlen auf den Inseln.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

„Wir geben den Sommerurlaub nach wie vor nicht verloren“

Den Ausführungen stimmte mit einer Pressemitteilung auch Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), zu: „Wir geben den Sommerurlaub nicht verloren.“ Reisen innerhalb und außerhalb Deutschlands seien möglich, sobald die Corona-Pandemie es zulässt. „Warum sollte es nicht möglich sein, in Länder zu reisen, die mit Deutschland vergleichbare oder bessere Bedingungen haben?“, so Fiebig. Sein Vorschlag: differenzierte Reisehinweise statt einer allgemeinen Reisewarnung. 

Etliche Hotels auf Mallorca bleiben 2020 geschlossen

Die Regierung in Madrid jedoch dämpfte verfrühte Euphorie und Erwartungen: Der Auslands-Tourismus werde in Spanien nicht vor Jahresende in Gang kommen. Tourismusministerin María Reyes Maroto hatte gesagt, erst 2021 werde wieder voll auf ausländische Touristen gesetzt.

Zunächst will sich Spanien auf Reisende aus dem eigenen Land konzentrieren und Mallorca mit speziellen Paketen wie Golf-, Rad-, Wander- oder Kultururlaub bewerben. Derzeit sind Reisen selbst zwischen den Provinzen verboten, das soll bis zum Ende des mehrstufigen Lockerungsplans auch so bleiben.

Der Hotelverband der Balearen hatte laut einem Bericht der „Olive Press“ bekannt gegeben, dass mehr als die Hälfte aller Hotels auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera bis zum nächsten Jahr geschlossen bleiben.