Viele Reisehungrige dürfen in dieser Woche aufatmen: Lang ersehnte Lockerungen der Maßnahmen für die Hotellerie und Gastronomie stehen bevor. So soll etwa der Strandurlaub in Deutschland schon ab Pfingsten wieder möglich werden. In Niedersachsen sollen Hotels, Pensionen und Jugendherbergen ab dem 25. Mai wieder öffnen dürfen, ebenfalls ab diesem Datum soll in Mecklenburg-Vorpommern das Einreiseverbot für Menschen aus anderen Bundesländern aufgehoben werden.

In Schleswig-Holstein dürfen Hotels sogar schon ab dem 18. Mai wieder öffnen, auch das Reiseverbote für die Inseln und Halligen werden dann aufgehoben.

Ab diesem Zeitpunkt wäre dann Urlaub auf den Ostfriesischen Inseln wie Norderney, Wangerooge und Borkum, an der Ostsee-Küste, auf Rügen und Usedom sowie an der Mecklenburgischen Seenplatte wieder möglich. Zumindest in der Theorie – in der Praxis sorgt die Coronavirus-Krise weiterhin für einige Einschränkungen. Die wichtigsten Fragen dazu beantwortet der reisereporter.

Kann zu Pfingsten jetzt jeder an Nordsee und Ostsee reisen?

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wird schrittweise wieder hochgefahren. Pro Bundesland gibt es eigene Regeln, fest steht aber: Püntklich zu Pfingsten soll der Urlaub dort auch für Menschen aus anderen deutschen Bundesländern wieder möglich sein. Aber: Darf dann wirklich jeder ab Ende Mai und im Juni an die Ostsee und die Nordsee reisen? Die Antwort: Nein.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zunächst benötigt jeder, der Urlaub machen will, eine bestätigte Buchung. Und selbst dann ist nicht garantiert, dass die Anreise erlaubt ist.

Das Problem: Viele Häuser sind nach wie vor über Pfingsten ausgebucht. Allerdings gilt für die erste Phase der Hotel-, Ferienwohnung- und Campingplatz-Öffnungen eine Auslastungsgrenze – die liegt bei 60 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und bei 50 Prozent in Niedersachsen. 

Müssen Hotels nun Buchungen stornieren?

Ausgebuchte Unterkünfte und eine Maximalauslastung von 50 oder 60 Prozent – diese Rechnung geht nicht auf. Daher wird es wohl eine Stornierungswelle vonseiten der Hotels geben. Bis zu 50 Prozent der Gäste werden trotz bestätigter Buchung nicht anreisen können.

Das wird für viel Unmut sorgen, doch die betroffenen Gäste werden die Stornierung wohl akzeptieren müssen. Noch hat die Tourismuswirtschaft zwar keinen rechtssicheren Weg, um Stornierungen ausreichend zu begründen. Allerdings wird gerade eine entsprechende Verordnung der Landesregierungen erarbeitet, welche die Grundlage für Entscheidungen bieten soll.

Wie kann möglichst fair storniert werden?

Der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf, brachte gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ das Windhund-Prinzip nach dem Motto „first come, first served“ ins Spiel. Das würde konkret bedeuten: Wer früh gebucht hat, hat gute Chancen, anreisen zu dürfen.

Es könnte auch nach Wirtschaftlichkeit gehen – in Niedersachsen mit der Wiederbelegungsfrist von sieben Tagen würde das bedeuten: Buchungen von Gästen, die kürzer kommen wollen, werden storniert.

Wann dürfen die Hotels wieder normal öffnen?

Die maximale Auslastung von 50 beziehungsweise 60 Prozent ist erst einmal für den Start geplant – alle zwei Wochen soll die Lage neu bewertet und bei positiver Entwicklung nachgebessert werden. Allerdings rechnen Touristiker damit, dass die Belegungsgrenze wohl mindestens vier Wochen lang Bestand haben wird. Ob die Hotels dann in den Sommerferien wieder normal öffnen dürfen, steht noch in den Sternen.

Gibt es in den Hotels Einschränkungen?

In der ersten Zeit wird es in den Hotels, abgesehen von der Belegungsobergrenze, zu einigen weiteren Einschränkungen kommen. Gäste sollen beispielsweise, analog zum Einkaufen und zum öffentlichen Nahverkehr, beim Check-in an der Rezeption einen Mundschutz tragen müssen. 

In den Hotel-Restaurants gelten ebenfalls die gleichen Regeln wie in anderen Gastronomiebetrieben: Die Tische müssen einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander haben – und solange die Kontaktbeschränkungen gelten, dürfen maximal sechs Personen an einem Tisch sitzen.

Buffets werden erst einmal der Vergangenheit angehören, die Hotels wollen in ihren Restaurants auf À-la-carte-Angebote umstellen. Und: Je nach Größe der Hotels könnte für die Frühstücks- und Abendendessens-Zeiten auch ein Schichtsystem eingeführt werden, um die Anzahl der Gäste im Raum zu verringern.

Bei der Wiedereröffnung der Hotels werden zudem strenge Hygienekonzepte umgesetzt. Die Wellnessbereiche samt Sauna und Schwimmbad werden Ende Mai aller Voraussicht nach noch nicht wieder genutzt werden können. 

Können die Strände ganz normal genutzt werden?

Überfüllte Strände, Handtuch an Handtuch und eng beieinander stehende Strandkörbe: Dieses Bild wird es in diesem Sommer nicht geben. Welche Einschränkungen es konkret geben wird an den Stränden der Nordsee- und der Ostsee-Küste, das steht noch nicht fest. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Landesregierung gemeinsam mit der Tourismusbranche eine „Arbeitsgemeinschaft Strände“ gegründet, berichtet die „Ostsee-Zeitung“.

Allerdings wird die Vermietung von Booten, Fahrrädern und Strandkörben in dem Land an der Ostsee wohl ab dem 11. Mai wieder möglich sein.