Die Reedereien haben ihre Reisen angesichts der weltweiten Warnung des Auswärtigen Amts vorerst eingestellt – teilweise bis zum Ende des Sommers. Einen Plan für den Neustart, der flächendeckend für alle Anbieter gilt, gibt es nicht. Wie geht es jetzt weiter?

Wie wahrscheinlich sind Kreuzfahrten im Sommer?

„Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie können wir noch keine Aussage zu Reisen im Sommer treffen“, erklärt Svenja Rüde, Sprecherin von Tui Cruises. „Wir beobachten die Situation und bewerten sie laufend neu.“ Eine Ansicht, die Reedereien wie Aida und MSC Cruises teilen. Denn solange in nahezu allen Ländern strenge Einreisebeschränkungen gelten, ist eine Kreuzfahrt unmöglich.

Norwegian Cruise Line ist optimistisch, dass die Reisebeschränkungen aufgehoben werden: „Wir planen zum jetzigen Zeitpunkt, ausgewählte Abfahrten ab dem 1. August 2020 wieder aufzunehmen“, sagt eine Sprecherin.

Kann ich meinen Urlaub kostenfrei stornieren?

Verbraucherschützern zufolge ist die rechtliche Situation klar: Wenn es einen triftigen Grund wie eine Reisewarnung oder einen Einreisestopp gibt, ist die Stornierung von Kreuzfahrten kostenlos. Dennoch verunsichern schlechte Erfahrungen und Erzählungen Urlauber.

Die meisten Reedereien haben ihre Konditionen angepasst. „Bei uns können Gäste ihre Kreuzfahrt bis zum 30. November 2020 bis zu 48 Stunden vor dem Abreisetag kostenfrei stornieren oder umbuchen“, erklärt eine NCL-Sprecherin. Potenzielle Urlauber erhalten dann einen Gutschein, insofern sie keinen Antrag auf Rückerstattung stellen.

Ein ähnliches Konzept bietet Tui Cruises – allerdings gilt es nur für Gäste, deren Abreisetermin vor dem 1. September 2020 liegt.

Kreuzfahrt trotz Corona-Krise: Welche Regeln braucht es?

Dass sich Erreger und Viren auf Kreuzfahrtschiffen rasant verbreiten, ist längst bekannt. Entsprechend groß sind die Herausforderungen, denen sich Kreuzfahrtanbieter angesichts der Covid-19-Pandemie stellen müssen.

Bei NCL heißt es: „Die Reederei steht in engem Austausch mit internationalen Gesundheitsorganisationen, um alle Maßnahmen zu ergreifen, die zum Schutz aller Beteiligten notwendig sind.“

Aida Cruises ist eigenen Angaben nach im Austausch mit den amerikanischen Zentren für Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Robert-Koch-Institut (RKI). „Eine der wichtigsten Aufgaben wird es dann sein, den Gästen die ergriffenen Maßnahmen detailliert zu erklären“, ergänzt der Konzern.

Tui Cruises wiederum hat einen Expertenrat aus Politikern und Medizinern ins Leben gerufen, der sich mit dem Thema beschäftigt. Schon geplante konkrete Maßnahmen konnte oder wollte aber keine Reederei gegenüber dem reisereporter nennen.

Kreuzfahrt trotz Corona: Diese Schutzmaßnahmen sind denkbar

Eine Schutzmaßnahmen-Verordnung, die für alle Reedereien gilt, gibt es nicht. Allerdings können sie eigene Regeln im Umgang mit dem Coronavirus festlegen – zum Beispiel das Tragen von Schutzmasken. An Bord der „Mein Schiff 3“ , auf der Coronavirus-Fälle aufgetreten sind, wurden bislang folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Gäste und Besatzung wurden informiert und gebeten, die Handhygiene einzuhalten – samt bereitgestellten Desinfektionsspendern.
  • Gäste und Besatzung wurden aufgefordert, den Bordarzt bei ersten Grippeanzeichen zu kontaktieren.
  • Alle Schiffe der Flotte wurden mit einer Vielzahl an Corona-Test-Kits ausgestattet.
  • Darüber hinaus wurden Laborgeräte beschafft, die einen Corona-Schnelltest innerhalb von 60 Minuten ermöglichen.
  • Die Schiffe wurden intensiv gereinigt. Dabei lag der Fokus auf Oberflächen, die regelmäßig von verschiedenen Menschen berührt werden.

Diese Regeln könnten künftig auf Kreuzfahrten gelten

Bei anderen Reedereien wurden bereits konkrete Maßnahmen vorgestellt. Genting Cruise Lines wird für seine Reedereien Crystal Cruises, Dream Cruises und Star Cruises etliche Hygiene-Maßnahmen umsetzen.

Unter anderem soll es keine Selbstbedienung im Buffet-Restaurant geben, die Crew-Mitglieder müssen in Passagierbereichen Mundschutz tragen. Das Bar- und das Housekeeping-Personal müssen Einmalhandschuhe nutzen. Zudem müssen sich alle Passagiere bei der Ein- und bei der Ausschiffung einer Temperaturmessung unterziehen.

Die Kabinen sollen zweimal täglich gereinigt werden, es gibt Desinfektionsmaßnahmen im Badezimmer. Die Kabinengänge werden ebenfalls zweimal täglich desinfiziert.