Wann und wie wird Sommerurlaub möglich sein? Können die Deutschen ins Ausland oder wird es nur Reisen innerhalb des eigenen Landes geben? Und wie wird der Tourismus in Deutschland wieder hochgefahren? Auf all diese Fragen gibt es derzeit noch keine konkrete Antwort.

Nicht nur für die verunsicherten Kunden, sondern vor allem auch für die Reisebranche ist das ein herber Rückschlag. Deutschlandweit gab es am Mittwoch Demos: Mit leeren Koffern und Liegestühlen sowie Hupkonzerten von Reisebussen haben Reisebüros in 40 deutschen Städten auf ihre Notlage aufmerksam gemacht und Hilfen gefordert. 

Doch die Abstimmung zum Neustart des Tourismus in Deutschland zwischen Bund und Ländern wurde am vergangenen Donnerstag erneut verschoben. Auf den übernächsten Termin, das Datum dafür ist noch unklar. Bis dahin sollen weiterhin Vorschläge für Rahmenbedingungen einer schrittweisen Öffnung von Gastronomie- und Tourismusangeboten vorbereitet werden.

Scharfe Kritik kommt aus der Branche: „Eine Abstimmung zwischen Bund und Ländern hätte schon längst erfolgen müssen. Für die gesamte Tourismusbranche mit ihren drei Millionen Beschäftigten besteht damit weiter enorme Unsicherheit“, sagte Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV).

Der DTV fordert, dass für die Branche dringend ein Fahrplan für den Neustart des Deutschland-Tourismus erarbeitet wird und ein „Rettungsschirm Deutschland-Tourismus“ des Bundes gespannt wird. „Andernfalls stehen zahlreiche Akteure des Deutschland-Tourismus bis zu den Sommerferien vor dem Aus. Die Folgen wären nicht nur für die Betriebe und ihre Mitarbeiter dramatisch, sondern auch für die Gäste, die Urlaub machen wollen“, so der Verband.

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) schlägt Alarm: Zwei von drei Unternehmen hätten in einer Umfrage ihre Situation als so dramatisch eingeschätzt, dass sie sich unmittelbar von einer Insolvenz bedroht sehen. DRV-Präsident Norbert Fiebig sagte, mit der Verlängerung der Reisewarnung werde Reisebüros und Reiseveranstaltern für weitere sechs Wochen die Geschäftsgrundlage entzogen. 

Der Deutsche Reiseverband gebe allerdings die Hoffnung auf Sommerurlaub, auch im Ausland, nach wie vor nicht auf. Aktuell jedoch läuft erst einmal die nächste Stornierungswelle, denn mit der Verlängerung der Reisewarnung stornieren die Reiseveranstalter wie Tui, DER Touristik, FTI und Schauinsland alle Auslandsurlaube bis 14. Juni. Nach EU-Recht müssen Flugtickets und auch Pauschalreisen eigentlich erstattet werden, und zwar innerhalb von 14 Tagen, bei Airlines sogar inerhalb von sieben Tagen.

Deutschland will Verbraucher jedoch verpflichten, bei Reiseabsagen in der Corona-Krise vorerst einen Gutschein statt einer Erstattung zu akzeptieren – um die Liquidität von Firmen zu sichern. Doch die EU-Kommission erteilte den Plänen eine Absage.

Der Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß sprach sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur noch einmal für eine abgesicherte Gutscheinlösung aus, brachte aber auch umfangreiche finanzielle Hilfen ins Spiel: „Sollte es dafür aber in Europa und der Bundesregierung keine Mehrheit geben, braucht es schnell einen umfangreichen Rettungsfonds, der Verbrauchern und Beschäftigten durch diese schwere Durststrecke hilft.“