Nacherholung direkt um die Ecke

Wer Staus, Büro und Beton für einen Tag hinter sich lassen will, hat nur 30 Kilometer südwestlich Hannovers die Möglichkeit: Im Deister scheint der Stadtstress Lichtjahre entfernt, wenn Hannovers Hausgebirge zur Erholung einlädt.

Ob aktiv oder gemütlich, mit der ganzen Familie oder auf eigene Faust: Der Deister, ein maximal 405 Meter hoher Höhenzug im Calenberger Land an der Nordgrenze des Niedersächsischen Berglandes zwischen Hannover, Schaumburg und Hameln, hat ein vielseitiges Freizeitangebot. Und mit der S-Bahn sind die Attraktionen in gerade mal einer halben Stunde erreichbar – perfekt für eine spontane Tagestour mit Vogelgezwitscher, Waldluft und meilenweiten Aussichten.

Im Deister gibt es unzählige Orte sich zu entspannen.

Den Rhythmus der Wälder finden – Wandern im Deister

Mit der S1, S2 (Richtung Haste) und S5 (Richtung Hameln), zum Beispiel vom Hauptbahnhof Hannover, geht es im Nu auf die abwechslungsreichen Wegstrecken des Höhenzugs, etwa von Egestorf, Bad Münder, Springe oder Wennigsen aus.

Verständlich ausgeschildert sind die Rundwege und Querfeldein-Strecken gut geeignet für Wanderanfänger und Bergprofis gleichermaßen. Ob das Wandern unter sonnendurchfluteten Blattdächern oder die ambitionierte Deisterkamm-Tour den besten Ausgleich zum Alltag bietet – im Deister geht beides.

Und wer sich unter Alpinismus eher eine Hüttengaudi vorstellt, sollte seine Tour um Barsinghausen planen: In der dortigen Deister Alm wartet nach der Wanderung eine zünftige Brettljause (aufgrund der aktuellen Situation ist die Deister Alm leider geschlossen. Informieren dich am besten kurz vorher).

Anspruchsvoller Zweiradspaß: Rennrad und Mountainbike

Als Mountainbiking-Adresse ist der Deister von höchster Stelle abgesegnet. Ü50-Weltmeister Stephan Mangelsdorff trainierte hier für seinen Titel 2010. Der gebürtige Hannoveraner begann in der Jugend mit dem Radrennfahren, sattelte später aufs MTB um. Wer es dem Weltmeister nachmachen will: Der asphaltierte Nienstädter Pass ist für eine Rennrad-Überquerung ideal, und auf zwei legalen Downhill-Strecken können geübte Mountainbiker an den Hang.

Umarmung nach einer gelungenen Tour mit ü50 Weltmeister Stephan Mangelsdorff

360-Grad Deister Tour

Ein Paradies für Hobbyradler

Wer keine Downhill-Rekorde aufstellen, sondern einfach nur entspannt Fahrrad fahren möchte, ist im Deister sogar noch besser bedient. Hunderte Kilometer gepflegter Radwege gehen kreuz und quer durch den Höhenzug. Besonders lohnenswert: Der Deisterkreisel, der auf rund 80 Kilometern einmal um den großen Deister führt und auf fast jeder Etappe einen S-Bahnhof bedient.

Mit einem Autokreisel, wie man in vielfach noch in Südeuropäischen Ländern sieht hat er allerdings wenig gemein – keine Autos und Lkws, sondern Ruhe auf gut ausgeschilderten Radwegen, mit vielen Gründen für eine kleine Pause.

Am fürstlichen Jagdschloss in Springe zum Beispiel machte im 19. Jahrhundert selbst Kaiser Wilhelm II. Station. Und wenn es eine bergige Strecke sein soll: Der Deisterkamm mit seinen Aussichtspunkten ist von allen S-Bahnhöfen um den Deister gut zu erreichen – gute Gangschaltung vorausgesetzt.

Fachwerk-Flair rund um den Deister

Wer ganz ohne Anzeichen von Zivilisation nicht zur Ruhe kommt: Auch die Gemeinden rund um den Deister bieten viele Freizeitangebote. Allein die Fachwerk-Architektur der alten Dorfkerne in Springe, Wennigsen und Rodenberg ist einen Besuch wert.

In Barsinghausen lockt zusätzlich noch das Besucherbergwerk mit seiner Grubenfahrt in einen 1.470 Meter tiefen Kohlestollen, dessen Kumpel Hannover noch bis zum Jahr 1957 mit Brennbarem versorgten.

Harz- und Meerblick in einem: Der Annaturm

405 Meter über dem Meeresspiegel, höher geht es nicht im Deister? Geht es doch, denn der Annaturm setzt an der höchsten Stelle des Kamms noch 28 Meter drauf. Ganz oben wird man an klaren Tagen mit einer Aussicht belohnt, die bis zum Brocken, über das Steinhuder Meer und das Weserbergland reicht.

Müde Wanderer können sich anschließend in der Waldgaststätte erfrischen. Übrigens: Der Bau des ersten Annaturms im Jahr 1833/34 wurde vom weltberühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauß veranlasst, um von dort aus das umgebene Land besser vermessen zu können.

In der Waldgaststätte beim Nordmannsturm gibt es eine Stärkung

Umweltbildung und tierisches Vergnügen im Wisentgehege

Das Wisentgehege in Springe ist mehr als nur eine Zoo-Alternative. Auf 90 Hektar Mischwald finden mehr als 100 Wildarten ein artgerechtes Zuhause und lassen sich hier in ihrer natürlichen Umgebung beobachten und fotografieren: Braunbären, Wolfsrudel, Fischotter und Faultiere, die Sorraia-Pferde und die europäischen Bisons (oder auch Wisente), die das 1928 gegründete Gehege vor dem Aussterben bewahren konnte.

Wildschwein Frischlinge entdecken das Wisentgehege in Springe

Weniger bissige Arten teilen sich das Gelände sogar mit Besuchern – keine Sorge also, wenn Uhu, Hirsch oder Ren vor dir aus dem Dickicht schlüpfen.