Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren und Grenzschließungen: Die Coronavirus-Pandemie hat einem Großteil der potenziellen Urlauber in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für viele ist unklar, ob und wann sie ihre Reise antreten können.

Das bekommen auch die Veranstalter zu spüren – und zwar in Form von ausbleibenden Buchungen und Stornierungen. Wie sehr die Branche durch Covid-19 in Mitleidenschaft gezogen wird, zeigt die Initiative „Wir zeigen Gesicht! Rettet die Reisebüros – rettet die Touristik“.

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Die Tourismus-Branche ruft um Hilfe: „Rettet die Reisebüros“

An mehreren Orten in Deutschland gehen Vertreter der Touristik an diesem Mittwoch auf die Straße. In Dresden machten zum Beispiel hupende Reisebusse auf sich aufmerksam: 

Insgesamt sind Demos in 40 Städten angemeldet, Betroffene aus Dresden, Frankfurt, München, Berlin und vielen weiteren Städten verbinden Existenzängste. „Wenn wir keine Hilfe kriegen, sind wir tot“, sagt Anke Mingerzahn, Inhaberin eines Reisebüros in Suhl und Mitinitiatorin des Aktionsbündnisses. „Da helfen uns auch keine Urlaubsgutscheine.“

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen der Branche hätten Probleme, sich über Wasser zu halten. „Wir waren die ersten Opfer dieser Wirtschaftskrise“, erklärt Mingerzahn. „Und wir werden die Letzten sein, die aus diesem Loch wieder rauskommen.“ Aus diesem Grund sei es wichtig, das Problem bei der Wurzel zu packen und gemeinsam mit Vertretern der Touristik, zu denen zum Beispiel auch Paketveranstalter, Busunternehmen und Airlines zählen, zu agieren.

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Corona-Krise: Das fordern Vertreter der Touristik

Mehr Zusammenarbeit, finanzielle Soforthilfen, KfW-Kredite und sowohl eine nationale als auch eine europäische Corona-Exit-Strategie: Die Forderungen der Branche sind vielfältig. Der offene Brief des Mitinitiators Matthias Fries richtet sich daher an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und den sächsischen Wirtschafts-Staatsminister Martin Dulig. Darin fordert er: „Bitte erkennen Sie, dass im Tourismus mehr Existenzen auf dem Spiel stehen, als man es sich vorstellen kann.“

Zwar hatten die Länder die Betriebe angesichts der Corona-Krise zuvor finanziell unterstützt. Ausgereicht habe das Geld allerdings nicht. Jetzt brauche es eine zielgenaue Hilfe auf Grundlage einer betriebswirtschaftlichen Auswertung, heißt es in Fries’ Brief.

Existenzängste: Betroffene gründen Gruppen in sozialen Netzwerken

Um Menschen mit ähnlichen Sorgen zusammenzuführen, gründete Anke Mingerzahn mit Freundin Marion Tibursky, die ebenfalls Inhaberin eines Reisebüros ist, außerdem eine Facebook-Gruppe. In den sozialen Netzwerken ist der Zusammenhalt spürbar. So schreibt eine Nutzerin: „Wir sind Reisebüro, wir sind Touristik, wir sind eine Familie!“ Auch die ersten Fotos der Demonstrationen werden fleißig geteilt. 

Mingerzahn selbst besucht am Mittwoch eine Demonstration in Erfurt: „Wir sind der Stadt und den Ämtern dankbar für die schnelle Genehmigung.“ Dabei gehe es nicht darum, die Maßnahmen der Regierung grundsätzlich infrage zu stellen. „Wir wollen von der Regierung gehört und gefragt werden.“