Nach einem tödlichen Vulkanausbruch bei einer Ausflugsfahrt in Neuseeland wollen Überlebende und Angehörige der Opfer die Reederei Royal Caribbean International dem australischen Fernsehsender „ABC“ zufolge verklagen. Das Unternehmen hätte nicht vor der Gefahr gewarnt, meint eine Anwältin der Hinterbliebenen.

Zum Ausbruch des Vulkans Whakaari auf White Island kam es am Nachmittag des 9. Dezembers 2019, als 47 Reisende, davon 19 Passagiere des betroffenen Schiffs „Ovation of the Seas“, die Insel besuchten. Dabei kamen 21 Menschen ums Leben. Ein anderer Teil der Gruppe erlitt schwere Verbrennungen.

Video zeigt den verheerenden Vulkanausbruch in Neuseeland

Trägt Royal Caribbean eine Mitschuld am Tod der Passagiere?

Laut dem Bericht wollen Anwältin Rita Yousef und ihre Kanzlei Stacks Goudkamp in Sydney nun gegen den Kreuzfahrtanbieter vorgehen. Sie werfen ihm vor, die Passagiere nicht ausreichend über die Möglichkeit eines Vulkanausbruchs informiert zu haben.

Die Bedrohung hätte der Reederei bekannt sein können, denn die neuseeländischen Behörden hatten das Ausbruchsrisiko des Vulkans bereits Mitte November auf Stufe zwei hochgesetzt. Mehr geht nicht, solange der Vulkan nicht ausgebrochen ist, insgesamt geht die Skala maximal bis fünf.

Royal Caribbean International warb derweil noch mit einer „unvergesslichen Tour zu Neuseelands aktivstem Vulkan“. „Das Mindeste wäre gewesen, die Reiseteilnehmer über das Risiko zu informieren und sie entscheiden zu lassen, ob sie es eingehen wollen“, erklärte Yousef der Nachrichtenagentur AFP.

Hinzu käme die Frage, wieso die Ausflüge trotz der Gefahr angeboten wurden. Juristisch ergeben sich so die Vorwürfe der Fahrlässigkeit, des Vertragsbruchs und eine Verletzung des Verbraucherschutzgesetzes. Weil eine derartige Klage in Neuseeland rechtlich unzulässig ist, soll sie in Australien eingereicht werden.

In Neuseeland kommt bei solchen Unglücken zwar ein staatliches Entschädigungsprogramm zum Tragen. Die Anwältin hält das hinsichtlich der „schweren und unvorstellbaren“ Behinderungen der Überlebenden allerdings nicht für ausreichend.

Vulkanausbruch: So reagiert Royal Caribbean auf die Vorwürfe

Dem Fernsehsender „ABC“ erklärte Royal Caribbean International hingegen, das Unternehmen konzentriere sich auf die Unterstützung der betroffenen Passagiere, Familien und Besatzungsmitglieder. Die Details des besagten Ausflugs seien Gegenstand von zwei unabhängigen Untersuchungen, bei denen man voll kooperieren werde. Weitere Einzelheiten könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen.

Der Vulkan Whakaari war zuvor verstärkt aktiv

Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Welt. Obwohl White Islands Vulkan vor dem Unglück verstärkt aktiv war, hatten mehrere Unternehmen von der Küste aus Tagestouren mit dem Boot angeboten. Eine Untersuchung der Umstände des Ausbruchs wurde von der Regierung in Wellington eingeleitet. Die Ermittlungsergebnisse werden frühestens Ende des Jahres erwartet. Die Insel wird jährlich von etwa 10.000 Touristen besucht.