Ist mein Urlaub 2020 möglich? Und wenn ja, wo? Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Menschen stellen sich derzeit diese Fragen. Sie hatten vor dem Coronavirus-Schock gebucht und bangen nun um ihre Reise oder die Erstattung ihrer Zahlungen. Andere würden gern aktuell einen Urlaub buchen, trauen sich aber nicht.

Doch die Ungeduld und die Unsicherheit werden ihnen derzeit nicht genommen, zumindest nicht in Bezug auf Auslandsreisen. Hoffnung gibt es hingegen, zumindest in Teilen, für den Urlaub in Deutschland.

Urlaub in Deutschland: So soll es gehen

In eine Ferienwohnung an der Ostsee, im Harz oder im Schwarzwald zu fahren, das sollte nämlich im Sommer nach Ansicht des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Bareiß, kein Problem darstellen. Denn anders als in Hotels gebe es in Ferienhäusern keine Menschenansammlungen. Paare und Familien könnten dort unter sich bleiben.

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Tatsächlich planen die Länder im Norden ein mehrstufiges Modell für die Wiederaufnahme des Tourismus. Losgehen soll es voraussichtlich Anfang Mai mit Ferienwohnungsbesitzern und Dauercampern, die wieder anreisen dürfen sollen. Die weiteren Schritte umfassen die Öffnung der Gastronomie, dann die Reiseerlaubnis für Menschen aus dem jeweiligen Bundesland selbst und dann für Urlauber aus anderen Orten Deutschlands. Ganz am Ende soll, so der Plan, der am wenigsten steuerbare Tagestourismus wieder erlaubt werden. 

Auch bei der Öffnung für Übernachtungsgäste soll es Staffelungen geben: Hotels könnten schrittweise wieder geöffnet werden – sollten Lösungen für Frühstücksbuffets und Restaurants gefunden werden. An der deutschen Küste wird bereits über Belegungsquoten gesprochen. So könnten in Mecklenburg-Vorpommern die Hotels erst zu 50, dann zu 70 und schließlich wieder zu 100 Prozent ausgelastet werden.

Fakt ist: Bilder, die überfüllte Strände mit Handtuch an Handtuch liegenden Urlaubern und eng beieinander stehenden Strandkörben zeigen, wird es in diesem Jahr weder von der Nord- noch von der Ostsee geben. Wie das gelingen kann, darüber wird derzeit noch diskutiert. Wie können Abstände eingehalten werden? Sollte es Zugangsbeschränkungen geben? Das sind Fragen, auf die Regierungen und Tourismusverbände Antworten finden müssen.

Reinhard Meyer, Präsident des Tourismusverbands Deutschland, sagte im Gespräch mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“, er schließe auch Kontrollen und Sanktionen nicht aus, um übervolle Strände zu verhindern.

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Sommerurlaub in Europa: So stehen die Chancen

Für gewöhnlich verbringen die Deutschen ihren Urlaub zu einem Drittel im Inland, zwei Drittel reisen ins Ausland, etwa nach Spanien, Italien, Griechenland oder in die Türkei. Ob das Verreisen innerhalb Europas in den Sommermonaten wieder möglich sein wird, ist jedoch noch unklar. 

Zuletzt dämpfte Außenminister Heiko Maas die Hoffnung: „Die Reisewarnung, die es gibt, geht bis zum Sonntag dieser Woche“, sagte er am Montagabend im ZDF-Magazin „Wiso“. Und weiter: „Ich gehe davon aus, dass es in den Wochen darauf zunächst einmal keinerlei Hinweise gibt, diese Reisewarnung aufzuheben.“

Denn es gebe weiterhin in vielen Ländern Einreiseverbote und Ausgangssperren, der Flugverkehr liege am Boden – „und zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es leider keinerlei Hinweise darauf, dass sich das in den nächsten Wochen verbessern wird“, so Maas. 

Er pochte auf eine möglichst einheitliche Lösung für Grenzöffnungen in Europa. Aber: „Dafür brauchen wir noch etwas Zeit.“ Zumindest der Videogipfel der europäischen Tourismusverantwortlichen und der EU-Kommission am Montag brachte dahingehend noch kein konkretes Ergebnis.

Sind Tourismus-Korridore zwischen Ländern die Lösung?

Eine mögliche Lösung könnte die Öffnung sogenannter Touristenkorridore sein, wie Österreich und Kroatien sie bereits ins Spiel gebracht haben. Der kroatische Tourismusminister Gari Cappelli sagte, zunächst sollten tschechische Urlauber kommen dürfen. Sein Ministerium entwickle aktuell mit Gesundheitsexperten einen Plan, wie sich das Land schon bald für Touristen öffnen könnte.

Wie der Deal aussehen könnte? Die Reisenden aus Tschechien sollen nach Kroatien einreisen dürfen, wenn sie einen Nachweis erbringen, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Dann könnten sie per Flugzeug oder mit dem Auto nach Kroatien reisen. Auch mit Deutschland, Österreich, Ungarn und Slowenien sei das Land im Gespräch.

Bevor jedoch Tourismus-Korridore geöffnet werden könnten, müssten zunächst Epidemiologen befragt und Kriterien für den Schutz der Urlauber aufgestellt werden.