Wegen der Corona-Pandemie können und konnten Zehntausende gebuchte und bereits bezahlte Pauschalreisen derzeit nicht stattfinden. Eine entsprechende weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt noch bis mindestens 3. Mai. Viele Menschen fragen sich nun, ob und wann sie ihr Geld zurückbekommen oder ob sie einen Gutschein annehmen müssen. Der reisereporter erklärt die aktuelle Rechtslage (Stand: 22. April). 

Vorab: Überleg dir, ob du das Geld direkt zurückhaben oder die Reisebranche unterstützen willst und dich damit bereit erklärst, es beim Veranstalter zu belassen. Das hieße, einen Gutschein zu akzeptieren, der meist noch bis Ende 2021 flexibel für eine neue Urlaubsbuchung genutzt werden kann.

Veranstalter sagt Reise ab: Bekomme ich mein Geld zurück?

Grundsätzlich ist die Rechtslage aber eindeutig: Wenn die Reise vom Veranstalter abgesagt wird, dann muss der Reisepreis unverzüglich nach Absage der Reise, spätestens aber innerhalb von 14 Tagen zurückerstattet werden, so sieht es das EU-Pauschalreiserecht vor. Bei Flugtickets für Reisen mit EU-Bezug beträgt die Frist für Airlines sogar nur sieben Tage. 

Falls der Veranstalter oder die Airline das Geld bis dahin nicht erstattet hat, sollte der Kunde die Zahlung anmahnen und selbst eine Frist setzen, dazu rät die Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Dass es aktuell oftmals länger dauert, bis Geld zurückgezahlt wird, begründen Veranstalter mit der Masse an Reisen, die rückabwickelt werden müssen. Für Mahnbescheide oder Klagen sieht man in der Tui-Zentrale keinen Grund, der Veranstalter äußert sich gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ wie folgt: „Jeder wird sein Geld bekommen, der keinen Reisegutschein möchte.“

Für die Veranstalter bedeutet die aktuelle Situation jedoch eine Katastrophe. Denn Abertausende Pauschalreisen wurden bereits abgesagt und werden es noch. Entsprechend viele Kunden wollen ihr Geld zurück: Allein für den Zeitraum von Mitte März bis Ende April summiert sich der Umsatzausfall für Veranstalter und Reisebüros nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) auf 4,8 Milliarden Euro.

Muss ich einen Gutschein vom Reiseveranstalter annehmen?

Statt das Geld zurückzuzahlen, bieten viele Reiseveranstalter, Reedereien und Airlines daher derzeit Gutscheine als Kompensation an. Oftmals locken sie sogar mit einem Bonus von 100 Euro oder Rabatt für die nächste Buchung.

Die Gutscheine haben jedoch einen Makel: Sie sind für Verbraucher bislang keine sichere Alternative. Denn sie sind nicht gegen eine Insolvenz abgesichert. Das bedeutet im Klartext: Geht der Veranstalter, die Reederei oder die Airline pleite, dann sind die Voucher wertlos.

Die Einschätzung von Nicole Mutschke, Fachanwältin für Verbraucherrecht, ist daher eindeutig: „Stand heute ist die Rechtslage eindeutig: Sagt der Veranstalter die Pauschalreise ab, bekommt der Kunde sein Geld zurück. Ohne Wenn und Aber. Er muss auch keinen Gutschein akzeptieren, auch wenn viele Tourismusunternehmen Berichten zufolge schon so tun, als handele es sich bei dem Versprechen der Bundesregierung bereits um unmittelbar geltendes Recht.“

Denn: Die Bundesregierung hat zwar vor Ostern eine Gutschein-Regelung auf den Weg gebracht – allerdings nur für Veranstaltungen, nicht für Reisen. Hierfür müsste grundsätzlich zunächst das geltende EU-Recht geändert werden. Und die Chancen hierfür stehen eher schlecht.

Sollte ich im Zweifel gegen den Veranstalter klagen?

Was ist, wenn der Kunde den Veranstalter gemahnt hat, das Geld zurückzuzahlen, aber trotzdem nichts passiert? Sollte er dann im Zweifel nachgeben oder vielleicht sogar klagen? Eine klare Aussage ist schwierig. Denn die Gutscheinlösung könnte tatsächlich doch noch Gesetz werden, und zwar auch rückwirkend für Reisen, die vor dem 8. März gebucht wurden.

In diesem Fall würden die Reisenden womöglich auf den Kosten eines Rechtsstreits sitzen bleiben. Viele Reiserechtsexperten raten dazu, in der aktuellen Situation noch abzuwarten, wenn der Kunde nicht extrem auf das Geld angewiesen ist.

Was ist, wenn meine Abschlusszahlung in Kürze fällig wird?

Wenn die Reise noch nicht storniert wurde und in Kürze die Abschlusszahlung fällig wird, dann könnten Reisende auch mit dem Veranstalter in Verhandlungen treten und sich auf die Unsicherheitseinrede (Paragraf 321 Bürgerliches Gesetzbuch) berufen, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott. So kann ein Aufschub der Zahlungsfrist bis unmittelbar vor geplantem Antritt der Reise erreicht werden.