Die wirtschaftliche Lage sieht für die Reisebranche in der Corona-Krise nicht sehr gut aus. Zahlreiche Airlines melden Insolvenz an, Veranstalter, Reisebüros und Hoteliers bangen um ihre Existenz. Deutsche Touristen wollen wiederum wieder dem Alltag entfliehen können und außerhalb der eigenen vier Wände entspannen. Deshalb fordert der Deutsche Reiseverband klare Aussagen von der Politik zum Thema Sommerurlaub.

„Wir brauchen ein positives Zeichen, dass Reisen wieder möglich sein werden – natürlich unter Beachtung entsprechender Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen“, so Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), in einer Mitteilung. 

Deutscher Reiseverband will differenzierte Reisehinweise

Politikern, die den Sommerurlaub aber schon gänzlich abschreiben oder ausschließlich innerhalb Deutschlands für möglich halten, erteilte er eine klare Absage: „Wir brauchen niemanden, der den Sommerurlaub ins Aus katapultiert. Diese Aussagen sind zum aktuellen Zeitpunkt in keiner Weise zielführend. Sommerurlaub darf nicht abgeschrieben werden.“

Jüngst hatte beispielsweise Bayerns Ministerpräsident Söder gesagt, er halte Auslandsreisen im Sommer für „eher unwahrscheinlich“, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, sie würde derzeit noch keinen Urlaub für Juli oder August buchen.

Fiebig will ein Minimum an Planungssicherheit für die Unternehmen der Reisewirtschaft und fordert deshalb möglichst differenzierte Reisehinweise und vorsichtige Äußerungen, wann eine Öffnung zu erwarten sei. Schon heute würden die Reiseunternehmen gemeinsam mit Fluggesellschaften und Hotels hygienische und organisatorische Maßnahmen entwickeln, um Reisen in diesen Zeiten sicherer zu machen. „Die Reisewirtschaft wartet nur darauf, so schnell es geht wieder hochzufahren“, so Fiebig.

Dies würde nicht nur der Wirtschaft Erholung bringen, sondern auch für Familien in Deutschland nach diesen schwierigen Wochen einen positiven Beitrag leisten.

Tourismusforscher sieht für interkontinentale Reisen schwarz

Durch eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen könnte im Sommer zumindest das Reisen innerhalb Deutschlands wieder stattfinden, so Tourismusforscher Jürgen Schmude. Allerdings hänge dies von den Regelungen der einzelnen Bundesländer ab. Derzeit gibt es überall Übernachtungs- und Einreiseverbote.

Erst danach wäre das Reisen innerhalb und dann außerhalb der EU laut Schude schrittweise möglich. „Den genauen Zeitpunkt kann man nur erahnen. Ich persönlich rechne frühestens ab September mit der Möglichkeit, wieder relativ frei in Europa zu reisen“, sagt er dem reisereporter. Interkontinentale Reisen seien wahrscheinlich erst wieder zum Jahresende oder 2021 möglich.

Regierungen in Spanien und Italien wollen erst nationalen Tourismus ankurbeln

Diese Tendenz zeigt sich in vielen beliebten Urlaubsländern der EU. Der Plan der spanischen Regierung sieht vor, zunächst den nationalen Tourismus anzukurbeln und erst wieder 2021 auf den internationalen zu setzen.

Auch in Italien geben Experten Touristen wenig Hoffnung: „Die Planung eines Strandurlaubs in diesem Sommer ist eine Möglichkeit, die vergessen werden kann“, sagt Mario Schiavina, ehemaliger Direktor an der Poliklinik in Bologna. Für die einheimischen Touristen hat ein Unternehmen aber an Plastik-Boxen getüftelt, die den Strandurlaub in diesem Jahr retten könnten.

Ist ein Sommerurlaub in Österreich oder Griechenland möglich? 

Während der griechische Tourismusverband 2020 bereits als beinahe „verlorenes Jahr im Tourismus“ bezeichnet, hofft der Hotelierverband in Griechenland, dass die Touristensaison ab 1. Juli beginnt. Das hänge aber davon ab, wie sich die Virus-Situation entwickeln wird. 

Ein leiser Hoffnungsschimmer für einen Sommerurlaub im Ausland kommt auch aus Österreich: Die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagte in einem Interview mit der Zeitung „Die Presse“, dass sich Österreich mit einigen Ländern, die auf einem guten Weg seien, auf einen gegenseitigen Tourismus einigen könnte. Dabei nannte sie Deutschland als Beispiel.