1. Kann ich Urlaub nehmen, wenn ich in Kurzarbeit bin?

Ja, Arbeitnehmer dürfen grundsätzlich auch während der Kurzarbeit Urlaub nehmen. Hat der Arbeitnehmer bereits Urlaub beantragt und wurde dieser auch vom Arbeitgeber bestätigt, bleibt der Anspruch bestehen und kann nach überwiegender Rechtsauffassung nicht wieder gestrichen werden.

Fest steht auch: Während des Urlaubs erhält der Arbeitnehmer kein Kurzarbeitergeld, sondern den ungekürzten Verdienst. 

2. Ändert sich in der Kurzarbeit mein Urlaubsanspruch?

Strittiger sieht es bei dem Urlaubsanspruch von deutschen Arbeitsnehmern in Kurzarbeit aus. Es gibt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das besagt, dass sich der Urlaubsanspruch während der Kurzarbeit vermindert, so dies in einem Sozialplan geregelt ist.

Es bleibt aber unklar, ob die Verringerung der Urlaubsansprüche nach deutschem Recht während der Kurzarbeit immer automatisch eintritt oder ob es dazu einer ausdrücklichen Regelung im Arbeitsvertrag, einer Änderungsvereinbarung oder einer Betriebsvereinbarung bedarf. 

Arbeitsrechts-Anwältin Sabine Reichert-Hafemeister sagt gegenüber dem Portal „Watson“: „Diese Entscheidung wurde bisher nicht in deutsches Recht umgesetzt. Das bedeutet, dass sie im deutschen Arbeitsrecht noch keine Gültigkeit hat.“ Sie sagt: Hat jemand 28 Urlaubstage pro Jahr, dann kann er diese ungekürzt und auch während der Kurzarbeit nehmen. 

3. Kann ich den Urlaub widerrufen und aufsparen?

Genehmigt ist genehmigt, dieser Grundsatz gilt auch in diesem Fall. Wenn du beim Chef deinen Urlaub beantragt hast und dieser genehmigt wurde, dann bist du als Arbeitnehmer grundsätzlich an die Festlegung deines Urlaubs gebunden, teilt die Arbeitsagentur mit. 

Nur in Notfällen kann dem Arbeitnehmer das Recht zustehen, eine Veränderung des bereits genehmigten Urlaubs zu fordern, aber auch dann muss der Arbeitgeber einverstanden sein. Wichtig: Als Notfall gilt nicht, auch nicht in der Corona-Krise, wenn du deine geplante Reise wegen der aktuellen Ausreise- und Ausgangsbeschränkungen nicht antreten kannst.

Eine Besonderheit gilt, wenn der Arbeitnehmer während des genehmigten und angetretenen Urlaubs erkrankt. Dann werden nach dem Bundesurlaubsgesetzes (Paragraf 9 BUrlG) die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit auf den Jahresurlaub nicht angerechnet.

4. Könnte mein späterer Urlaubwunsch platzen?

Aus dem Sommerurlaub wird wegen Corona nichts, dann lieber im Herbst? Solltest du schon Pläne schmieden, bevor der Urlaub genehmigt wurde, dann können deine Träume schnell wieder platzen.

Es könnte nach Ansicht von Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh, passieren, dass Arbeitnehmer in einer Pandemie-Situation die Hälfte oder zwei Drittel ihres Urlaubsanspruchs erst einmal einsetzen müssen. Dringende betriebliche Gründe stehen dann den Urlaubswünschen der Arbeitnehmer entgegen. Es gebe jedoch zur Frage, in welchem Rahmen Urlaub angeordnet werden kann, keine eindeutigen Regeln.