Die Tourismusbranche hatte in der Corona-Krise einen Hilferuf an ihre Kunden gerichtet: Sie sollen bei einem abgesagten Urlaub nur verschieben und einen Gutschein akzeptieren, statt eine sofortige Rückzahlung zu verlangen.

Und auch die deutsche Bundesregierung will nun eine Gutscheinlösung für abgesagte Pauschalreisen und Flüge. Das Kabinett soll einer entsprechenden Lösung zugestimmt haben. Was heißt das nun für Kunden von Reiseveranstaltern und Airlines? Der reisereporter bewantwortet die wichtigsten Fragen:

Was ist ein Reisegutschein überhaupt?

Das steckt hinter dem Begriff Reisegutschein oder Voucher: Nach der Absage einer Reise wird die schon geleistete Zahlung als Gutschrift für eine zukünftige Buchung von Airlines oder Reiseveranstaltern einbehalten, sie stellen also quasi einen Gutschein aus.

Dieser kann dann bei einer Neubuchung eingelöst werden. In der aktuellen Situation gewähren Reiseveranstalter oft einen zusätzlichen Bonus, um die Kunden zu motivieren, einen solchen Gutschein anzunehmen.

Aktueller Stand: So sind Erstattungen eigentlich geregelt

Eigentlich sind Reiseveranstalter und Airlines dazu verpflichtet, Geld schnell zurückzuerstatten, wenn ein Urlaub oder ein Flug wegen der Pandemie abgesagt wird. Bei Reisen gilt eine Frist von 14 Tagen, die Kosten für stornierte Flüge müssen sogar innerhalb einer Woche zurückgezahlt werden.

Doch viele Unternehmen haben das in der Corona-Krise zuletzt nicht mehr gemacht – weil sie finanziell in enormen Schwierigkeiten stecken. Veranstalter etwa kämpfen nicht nur mit fehlenden Neubuchungen und dem entgehenden Geschäft. Sie müssen bei einer Stornierung auch die angezahlten Kundengelder zurückzahlen, zudem bleiben sie auf bereits gezahlten Leistungen in den Zielgebieten sitzen.

Welche Kunden sollen Reisegutscheine erhalten?

Wichtig für die Info, welche Kunden von Reiseveranstaltern und Airlines nun solche Gutscheine erhalten sollen, ist folgender Stichtag: der 8. März. Wer vorher ein Flugticket oder eine Pauschalreise gebucht hat, das beziehungsweise die nun wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, soll einen Gutschein erhalten statt der Rückerstattung. Allerdings muss die EU-Kommission hier noch zustimmen.

Wie können Kunden einen Reisegutschein einlösen?

Die Reise wurde abgesagt, der Kunde erhält bereits gezahltes Geld in Form eines Gutscheins zurück. Doch wann und wie kann der dann eingelöst werden? Die Antwort lautet: sobald das öffentliche Leben wieder läuft und Urlaubsreisen wieder möglich sind. Wann genau das ist, kann aktuell niemand sagen.

Fest steht aber: Die Reise muss nicht in diesem Jahr stattfinden, die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gültig sein. Vermutlich können sie auch für andere Ziele eingelöst werden. Wer also Mallorca gebucht hatte und dafür nun einen Gutschein erhält, wird diesen vermutlich auch für eine Reise nach Ibiza einlösen können, wenn er will.

Was nicht geht, ist ein Anbieterwechsel. Zwei Beispiele: Wer bei Tui einen Reisegutschein bekommt, muss ihn auch bei Tui einlösen, Ausweichen zu Alltours oder Schauinsland ist nicht möglich. Und wer bei Lufthansa einen Reisegutschein akzeptiert, muss auch wieder mit der deutschen Airline fliegen.

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Ich will den Gutschein nicht einlösen – bekomme ich dann Geld?

Wer den Gutschein nicht einlösen will, wird ihn wohl nicht von vorneherein ablehnen können. Aber: Wer nach der Corona-Krise nicht mehr reisen möchte, etwa, weil sich der Grund für den geplanten Trip erledigt hat, kann abwarten. Anfang 2022 sollen die Veranstalter die Erstattungen für alle nicht genutzten Gutscheine auszahlen müssen.

Und was ist, wenn Menschen dringend Geld brauchen? Für diese sieht die Bundesregierung eine Härtefallregelung vor. Diese Kunden müssen glaubhaft versichern, dass sie ansonsten dringende Einkäufe nicht bezahlen oder die Miete nicht begleichen können. Dann sollen sie eine Rückerstattung statt eines Gutscheins erhalten.

Was ist, wenn der Reiseveranstalter oder die Airline pleitegeht?

Bei der von der Bundesregierung angestrebten verpflichtenden Gutschein-Lösung soll als Bedingung für Gutscheine bei Pauschalreisen eine Insolvenzabsicherung implementiert werden. Das heißt, der Kunde würde bei einer Pleite nicht das volle Risiko tragen. Bei den Infos der Bundesregierung zu Flugtickets-Gutscheinen ist die Insolvenzabsicherung jedoch nicht als Bedingung aufgeführt.

Aktuell ist es noch so, dass Reisegutscheine bei einer Reiseveranstalter- beziehungsweise Airlinepleite wertlos sind (siehe zum Beispiel die Air-Berlin-Pleite). Denn anders als fest gebuchte (oder umgebuchte) Pauschalreisen sind Gutscheine bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters nicht abgesichert, für Gutscheine gibt es keinen Sicherungsschein.

Gibt es Kritik an der Gutschein-Lösung?

Die Bundesregierung will die Gutschein-Lösung, weil die Unternehmen der Reisebranche aktuell schlecht dastehen, die massenhafte Erstattung könnte zu einer Insolvenzwelle führen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) sowie die Luftverkehrswirtschaft zeigten sich erleichtert.

„Die Einigung der Bundesregierung kommt gerade noch rechtzeitig für die vielen kleinen und mittelständischen Reisebüros und Reiseveranstalter in Deutschland. Eine sofortige Rückzahlungspflicht an die Kunden hätte sehr viele Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Ich bin erleichtert, dass diese politische Einigung zwischen den Ministerien zustande gekommen ist“, sagte etwa DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Verbraucherschützer hingegen haben große Bedenken. „Diese sogenannten Gutscheine sind in Wirklichkeit Zwangskredite der Verbraucher an die Unternehmen, für die sie nicht mal Zinsen erhalten“, sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Sein alternativer Vorschlag: die Frist für Rückzahlungen bis Ende April zu verlängern und den Unternehmen mit einem Fonds unter die Arme zu greifen.