Die deutsche Regierung warnt wegen Corona weltweit vor touristischen Reisen – zunächst bis Ende April, also auch in den Osterferien. Millionen Buchungen sind betroffen, die Stornierungsflut sorgt für eine drohende Pleitewelle in der Tourismusbranche. Die Rückzahlungen werden für diesen Zeitraum auf mindestens 3,5 Milliarden Euro geschätzt. 

Und die Chance, dass der Reisebetrieb nach den Osterferien wieder hochgefahren wird, ist gering. Die Rückzahlungssumme dürfte zu groß sein, um sie komplett zu erstatten.

Reise-Gutscheine statt sofortiger Rückzahlung des Geldes?

Die Tourismusbranche hatte daher bereits einen Hilferuf an ihre Kunden gerichtet und um Solidarität gebeten: Sie sollen gebuchten Urlaub nicht stornieren, sondern nur verschieben und einen Gutschein akzeptieren statt einer sofortigen Rückzahlung.

Und offenbar will nun auch die deutsche Bundesregierung eine Gutschein-Lösung für abgesagte Pauschalreisen und Flüge. Das Kabinett soll einer entsprechenden Lösung zugestimmt haben. Das sind die Eckpunkte:

  • Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gültig sein.
  • Die Gutschein-Lösung soll für alle Flugtickets und Reisen gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden.
  • Wenn der Gutschein nicht bis Ende 2021 eingelöst wurde, muss der Veranstalter den Wert erstatten.
  • Für alle Kunden, denen ein Gutschein wegen ihrer finanziellen Situation nicht zumutbar ist, soll es eine Härtefallklausel geben.
  • Die Gutscheine eine Insolvenzabsicherung, gegebenenfalls eine staatliche Rückversicherung, enthalten

Bevor die Lösung umgesetzt werden kann, muss sie erst noch von der EU-Kommission abgesegnet werden. Neben Deutschland wollen viele weitere EU-Mitgliedsstaaten eine solche Lösung.

Einige Länder haben bereits im Alleingang ähnliche Schritte eingeleitet, etwa Frankreich, Belgien und Italien. Dort gibt es zum Teil schon seit Wochen statt zurückgezahlter Kundengelder Gutscheine, die nach Ende der Krise eingelöst werden können. Zurückfordern können Kunden das Geld zum Teil erst nach eineinhalb Jahren.

Reiseverband begrüßt Einigung der Regierung

Der Deutsche Reiseverband (DRV) hatte in den vergangenen Tagen stark für die Gutschein-Lösung geworben. Auf diese Weise könne die Liquidität von Reisebüros und Veranstaltern verbessert werden. „Die Einigung der Bundesregierung kommt gerade noch rechtzeitig für die vielen kleinen und mittelständischen Reisebüros und Reiseveranstalter in Deutschland. Eine sofortige Rückzahlungspflicht an die Kunden hätte sehr viele Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Ich bin erleichtert, dass diese politische Einigung zwischen den Ministerien zustande gekommen ist“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Jetzt komme es darauf an, dass die Bundesregierung in Brüssel durchsetzt, dass die EU-Kommission die Rückerstattungsregelung aus der EU-Pauschalreiserichtlinie entsprechend aussetzt. „Die Zeit drängt, viele andere EU-Länder haben die Gutschein-Lösung bereits umgesetzt“, so Fiebig weiter.

Verbraucherschützer empört über Gutschein-Lösung

Verbraucherschützer hingegen kritisieren die Lösung scharf: „Diese sogenannten Gutscheine sind in Wirklichkeit Zwangskredite der Verbraucher an die Unternehmen, für die sie nicht mal Zinsen erhalten“, sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). In der Corona-Krise seien viele Verbraucher genauso dringend auf liquide Mittel angewiesen wie Unternehmen.

„Sie zu Zwangskrediten an Unternehmen zu zwingen, während sie selbst vielleicht nur über die Runden kommen, indem sie Kredite aufnehmen und Zinsen zahlen, ist völlig unverhältnismäßig.“ Die Maßnahmen gefährden das Vertrauen der Verbraucher. „Die Liquidität der Reisebranche muss durch einen Fonds ermöglicht werden, nicht durch Kundengelder“, fordert Müller.