Reisewarnungen, geschlossene Grenzen, abgesagte Flüge: Wegen der Ausbreitung des Coronavirus sind in den vergangenen Tagen und Wochen etliche Reisen storniert worden – für Reiseunternehmen ist das eine Katastrophe. Denn es fallen nicht nur Einnahmen weg, Veranstalter bleiben auch auf massiven Kosten sitzen.

Die Branche wendet sich verzweifelt an die Kunden, die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Reiseunternehmen (AER) bitten beispielsweise in einem Video: „Wir bitten alle Kundinnen und Kunden, Reisegutscheine zu akzeptieren und auf Stornierungen zu verzichten.“ 

Auch die deutsche Bundesregierung will nun eine Gutschein-Lösung für abgesagte Pauschalreisen und Flüge. Das Kabinett hat einer entsprechenden Lösung zugestimmt. Viele Urlauber fragen sich nun: Was steckt hinter einem solchen Reisegutschein? Welche Vorteile bringt es, und gibt es auch Risiken für mich? Der reisereporter klärt auf:

Das steckt hinter dem Reisegutschein

Einige Urlauber stornieren ihre Reise, andere verschieben sie auf ein anderes Datum. Aber nicht jeder, der sich gegen eine Absage entscheidet, ist in der Lage, sich bereits auf einen neuen Reisetermin festzulegen.

Um flexibel zu bleiben, bieten die meisten Veranstalter und Airlines daher schon jetzt, vor der von der Bundesregierung angestrebten Lösung, die Möglichkeit an, die schon geleisteten Zahlungen als Gutschrift für eine zukünftige Buchung einzubehalten. Sie stellen also quasi einen Gutschein aus.

Dieser kann dann bei einer Neubuchung eingelöst werden. In der aktuellen Situation gewähren Reiseveranstalter oft einen zusätzlichen Bonus, um die Kunden zu motivieren, einen solchen Gutschein anzunehmen.

Gibt es Risiken in Bezug auf den Gutschein?

Wer einen Reisegutschein akzeptiert, der sollte sich über mehrere Punkte im Klaren sein.

Das passiert bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters

Erstens: Aktuell tragen Kunden noch das volle Insolvenzrisiko. Das bedeutet ganz konkret: Sollte ein Reseveranstalter oder eine Airline insolvent werden, dann ist der Reisegutschein wertlos. Denn anders als fest gebuchte (oder umgebuchte) Pauschalreisen sind Gutscheine bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters nicht abgesichert, für Gutscheine gibt es keinen Sicherungsschein. Das Geld wäre damit also weg.

Bei der von der Bundesregierung angestrebten Lösung soll aber eine Insolvenzabsicherung, gegebenenfalls eine staatliche Rückversicherung, enthalten sein. 

Gutscheine sind an Veranstalter und Airline gebunden

Zweitens: Der Kunde ist an den Aussteller des Gutscheins gebunden. Sprich: Wer bei Tui einen Reisegutschein akzeptiert, muss ihn auch bei Tui einlösen, Ausweichen zu Alltours oder Schauinsland ist nicht möglich. Wer bei Lufthansa einen Reisegutschein akzeptiert, muss auch wieder mit der deutschen Airline fliegen. 

Wenn Reise oder Flug teurer wird, zahlt Gutschein-Inhaber drauf

Drittens: Der Kunde erhält einen Gutschein, dessen realer Wert sich verändern kann. Das heißt: Wenn das Reisen in der Zukunft teurer wird, dann kann es sein, dass Kunden draufzahlen müssen.

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Ein Beispiel: Du hast einen Lufthansa-Flug für 800 Euro nach New York gebucht und erhältst diesen Wert als Gutschein. Diesen willst du im Jahr 2021 einlösen, doch der Flug kostet 300 Euro mehr als der ursprüngliche, diese müsstest du zusätzlich zahlen. Das gilt aber natürlich auch, wenn du eine Reise jetzt stornierst und dann neu buchst.