Es erinnert an die Odyssee der „Diamond Princess“ Ende Februar: Auf den Kreuzfahrtschiffen „MS Zaandam“ und „MS Rotterdam“ hat das Coronavirus erste Opfer gefordert. Vier Passagiere sind an Bord gestorben. Nach tagelanger Irrfahrt vor der Küste Südamerikas konnten die Schwesterschiffe der Reederei Holland America Line am Donnerstag schließlich in Florida anlegen. 

Trump schickt Ärzteteams an Bord 

Zuvor hatte sich die Lage an Bord nach Angaben der Reederei zugespitzt. Demnach befanden sich auf beiden Schiffen mindestens 97 Gäste und 136 Besatzungsmitglieder, die grippeähnliche Symptome aufweisen, davon seien einige sogar in Lebensgefahr gewesen. Sie werden nun medizinisch versorgt und anschließend ausgeflogen. In einer Absprache hatte US-Präsident Donald Trump bereits Hilfe zugesagt und Ärzteteams auf die Schiffe gesendet. 

„MS Rotterdam“ bietet Schwesterschiff medizinische Hilfe

Von dem Kapitän der „MS Rotterdam“ hieß es zuvor zu den Entwicklungen: „Ich bin auch traurig darüber, dass vier ältere ‚Zaandam‘-Gäste verstorben sind.“ Bereits am 26. März hätte die „MS Rotterdam“ an das Schwesterschiff „MS Zaandam“ angedockt und es mit medizinischer Hilfe versorgt, berichtete der „Business Insider“. Am Freitag danach bestätigte dann auch die niederländische Reederei Holland America Line die Zahlen. 

Deutsches Paar auf „MS Zaandam“ ruft auf Instagram um Hilfe

Unter den 1.800 Gästen, die auf der „MS Zaandam“ unter Quarantäne standen, befand sich ein Paar aus Deutschland. Ihre Enkelkinder hatten für sie einen Instagram-Account unter dem Namen help.our.grandparents angelegt. Dort baten die beiden in einem Video um Hilfe.

„Ich habe unerträgliche Angst, um das Leben meines Mannes und um meines“, sagt die Kreuzfahrtpassagierin. „Mein Mann ist 82 Jahre, ich bin 72 Jahre. Auf uns warten zu Hause fünf Kinder und 14 Enkel.“ Am Ende der Nachricht bricht die Stimmer der 72-Jährigen, sie ist den Tränen nahe und sagt dann: „Ich bitte um Hilfe“.

Mit dem Account wollten die Enkelkinder Aufmerksamkeit erregen. In einem weiteren Post hieß es: „Bitte helft uns, diese Nachricht zu teilen, damit wir mithilfe der Politiker unsere Omi und unseren Opi retten können.“ Denn: Neben den zwei infizierten Passagieren würden mehr als 130 Personen grippeähnliche Symptome zeigen, berichtete die Tageszeitung „New York Times“. 580 Besatzungsmitglieder müssten die Reisenden mit Mahlzeiten versorgen und Müll einsammeln, da niemand die Kabine verlassen dürfe.

„MS Zaandam“ trieb tagelang vor Panama umher

Aus Angst vor der Verbreitung des Coronavirus durfte das Schiff tagelang nirgends anlegen. Mehrere südamerikanische Staaten hatten die Einfahrt in ihre Häfen verwehrt – deshalb trieb die „Zaandam“ zunächst vor der Küste Panamas umher. Start der Kreuzfahrt war am 7. März in Buenos Aires mit der Stadt San Antonio in Chile als Ziel. Doch aufgrund der Umstände musste die Besatzung die Route kurzfristig ändern.