Die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes führt dazu, dass Veranstalter alle Reisen bis 3. Mai oder länger absagen. Die Touristikbranche appelliert jedoch an ihre Kunden, die geplanten Reisen nicht zu stornieren, sondern lediglich zu verschieben. Was spricht dafür und was dagegen? Der reisereporter erklärt, was Urlauber wissen müssen. Klick dich direkt zu deinem Thema:

Urlaub stornieren: Die Möglichkeiten und Konsequenzen

In Bezug auf das Thema Reisestornierung müssen mehrere Aspekte berücksichtigt werden: Wann wurde die Reise gebucht, wann und wo soll sie stattfinden? Wir werfen einen Blick auf alle Möglichkeiten:

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Sommerurlaub kann meist nicht kostenlos storniert werden

Ohne Reisewarnung und Einschränkungen am Urlaubsziel (zum Beispiel durch geschlossene Hotels, Restaurants und Museen) sind kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen vonseiten der Reisenden grundsätzlich nicht möglich. Die Warnung des Auswärtigen Amtes gilt vorerst bis 3. Mai, sprich: Der Sommerurlaub kann nicht einfach so abgesagt werden.

Hier muss immer auch die Situation im jeweiligen Reiseland berücksichtigt werden: Ob Stornokosten anfallen, dürfte darauf ankommen, ob zum Zeitpunkt der Reise die unabwendbaren, außergewöhnlichen Umstände vorliegen und mit welcher Wahrscheinlichkeit davon zum Zeitpunkt der Stornierung ausgegangen werden konnte.

Generell gilt: Behalte die Entwicklung der Lage an deinem Urlaubsziel im Blick und prüfe die Stornierungs- und Umbuchungs-Bedingungen des Reiseveranstalters, der Airline oder der Unterkunft. Die Storno-Kosten liegen durchschnittlich bei 20 bis 30 Prozent, kurz vor Reisebeginn sogar bei bis zu 90 Prozent oder höher. Kurzum: Wer früher storniert, zahlt in der Regel niedrigere Stornierungskosten.

Neu gebuchte Pauschalreisen können oft kostenlos storniert werden

Bei Reisen, die ab Ende Februar beziehungsweise Anfang März gebucht wurden, sieht es wie folgt aus: Für diese Neubuchungen haben die meisten großen Reiseveranstalter den Kunden die Option eingeräumt, kostenlos wieder stornieren zu können. Dann bekommen die Kunden den bereits gezahlen Reisepreis vollständig erstattet. Alle wichtigen Infos dazu gibt es in unserem großen Storno-Überblick.

Reisen bis 3. Mai werden vom Veranstalter abgesagt

Die Reisewarnung der Regierung führt dazu, dass alle Pauschalreisen bis zum 3. Mai vom Veranstalter abgesagt werden. Das bedeutet für Kunden: Sie haben ein Recht darauf, ihr Geld zurück zu erhalten. Ein Gutschein muss in Deutschland nach geltendem Recht bisher nicht akzeptiert werden, allerdings diskutiert die Bundesregierung diese Option derzeit. Denn Veranstalter und Reisebüros haben die Rückzahlunge enorme finanzielle Konsequenzen.

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Das bedeutet eine Stornierung für Reiseveranstalter und Reisebüros

Allein für den Zeitraum Mitte März bis Ende April summiert sich der Umsatzausfall für Veranstalter und Reisebüros nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) auf 4,8 Milliarden Euro. 

Die Veranstalter rufen ihre Kunden daher in emotionalen Appellen zur Solidarität auf. Sie versuchen, Reisende dazu zu bewegen, Reisegutscheine anzunehmen und den Urlaub auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Welches hier die Möglichkeiten und Konsequenzen sind, erklären wir im Folgenden.

Pauschalreise umbuchen: Möglichkeiten und Konsequenzen

Wenn Kunden von Reiseveranstaltern ihren Urlaub nicht stornieren, sondern auf einen späteren Zeitpunkt (fixes Datum) umbuchen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst einmal gilt ebenso wie fürs Stornieren: Ohne Reisewarnung  und Einschränkungen im Urlaubsland ist das vonseiten der Reisenden grundsätzlich nicht möglich. Sprich: Reisen im Mai oder der Sommerurlaub können nicht einfach so umgebucht werden. Einige Veranstalter zeigen sich jedoch kulant.

Reise verschieben statt absagen: Es gibt oft einen Bonus

Für Pauschalreisende, die ihren Urlaub verschieben statt abzusagen, gibt es oftmals einen Bonus. Tui etwa bietet 100 Euro pro Person und Umbuchung; das gilt für den Reisezeitraum 1. Mai 2020 bis 30. April 2021. Anex Tour, Bucher Reisen oder Öger Tours bieten beim Verschieben der Reise auf einen Zeitraum bis spätestens 30. Juni 2021 einen „Solidaritätsbonus“ von zehn Prozent des Reisepreises an. 

Andere Veranstalter wie Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen, ADAC Reisen, Studiosus und Schauinsland Reisen bieten ihren Kunden an, auch für Anfang bis Mitte Mai geplante Reisen kostenlos umzubuchen. Bei FTI können Kunden sogar viele Reisen mit Abflug bis zum 30. Juni auf Wunsch kostenlos umbuchen.

Reisegutschein annehmen: Das sind die Konsequenzen

Nicht jeder Urlauber, der sich gegen eine Stornierung entscheidet, ist in der Lage, sich bereits auf einen neuen Reisetermin festzulegen. Um flexibel zu bleiben, bieten die meisten Veranstalter daher auch die Möglichkeit an, die schon geleisteten Zahlungen als Gutschrift für eine zukünftige Buchung einzubehalten, also quasi einen Gutschein auszustellen.

Wie auch bei den Umbuchungen gewähren viele Reiseveranstalter dabei einen Bonus, um die Kunden zu motivieren, einen solchen Gutschein anzunehmen.

Was passiert bei Insolvenz des Reiseveranstalters?

Das Problem: Anders als fest gebuchte (oder umgebuchte) Pauschalreisen sind Gutscheine nach aktueller Rechtslage bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters nicht abgesichert, für Gutscheine gibt es keinen Sicherungsschein. Das Geld wäre damit also weg. Die Bundesregierung diskutiert daher derzeit eine insolvenzsichere Gutschein-Lösung, um Verbraucher abzusichern und es Reiseveranstaltern leichter zu machen, ihre Kunden von einer Gutschein-Lösung zu überzeugen.

Kann ich die Restzahlung herauszögern?

Wenn die Pauschalreise noch nicht storniert wurde und in Kürze die Abschlusszahlung fällig wird, dann könnten Reisende auch mit dem Veranstalter in Verhandlungen treten. Es gäbe eine Möglichkeit, Zeit zu gewinnen. Reiserechtsanwalt Paul Degott sagt dem reisereporter, dass sie im Paragraf 321 des Bürgerlichen Gesetzbuchs steht: die Unsicherheitseinrede.

Danach können Urlauber die Restzahlung vorläufig verweigern, wenn erst nach Vertragsabschluss erkennbar geworden ist, dass die Urlaubsreise in Gefahr ist. „Man erklärt damit: Ich halte am Vertrag fest, bin weiter zahlungswillig – aber, Reiseveranstalter, gib mir zunächst eine Sicherheit, dass ich am Ende mein Geld zurück bekomme, sollte der Urlaub doch nicht stattfinden“, so Degott. 

Nur Hotel oder Flug gebucht: Bekomme ich das Geld zurück?

Und was gilt im Zusammenhang mit der Corona-Krise und Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für individuell gebuchte Flüge und Unterkünfte?

Grundsätzlich haben Fluggäste, die aktuell von Annullierungen betroffen sind, Anspruch auf die volle Rückzahlung des Ticketpreises – die Voraussetzung ist jedoch, dass die Fluggesellschaft zahlungsfähig ist. Die Lufthansa hat beispielsweise bereits die Online-Stornofunktion deaktiviert.

Der Welt-Airlineverband IATA hat bereits davor gewarnt, dass Entschädigungszahlungen derzeit problematisch für die Branche seien. Reisende, die von sich aus einen Flug stornieren, bekommen nur Steuern und Gebühren zurückerstattet. 

Und was gilt für Unterkünfte, die individuell gemietet wurden? Privat vermietete Ferienwohnungen unterliegen dem Mietrecht. Das bedeutet: Wer als Mieter einer Ferienwohnung vergeblich die Anzahlung zurückfordert, muss den privatrechtlichen Klageweg beschreiten.

Einige Plattformen bieten derzeit aber kulante Stornierungsregeln: Airbnb etwa teilt mit, dass kostenlose Stornierungen für Aufenthalte mit Anreisedatum bis zum 14. April möglich sind.

Einfach abwarten: Das sind mögliche Konsequenzen

Mit Blick auf Reisen in der Zukunft: Was ist, wenn Verbraucher, die einen Sommerurlaub gebucht haben, jetzt einfach abwarten, wie sich die Lage bezüglich Corona entwickelt? Dann sind dies die möglichen Konsequenzen, wie das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EZV) erläutert: 

  1. Die Reise findet statt und die Lage hat sich so weit beruhigt, dass du die Reise antreten kannst. Konsequenz: In diesem Fall bleibt alles beim Alten.
  2. Die Reise findet statt, du willst sie aber trotzdem nicht antreten. Konsequenz: Dann können hohe Storno-Kosten auf dich zukommen.
  3. Die Reise wird vom Reiseanbieter storniert. Konsequenz: Du bekommst dein Geld zurück oder akzeptierst einen Gutschein.