Normalerweise sehen wir sie an den schönsten Orten dieser Welt: Reiseblogger und Influencer. Doch in der aktuellen Zeit müssen sie genauso wie alle anderen zu Hause bleiben. Wir haben bei unseren liebsten Reise-Experten einmal nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen und sich die Zeit vertreiben.

Ohne reisen aufs Wesentliche besinnen

Reisebloggerin Mella nimmt ihre Fans auf ihrer Instagram-Seite „whereismella“ normalerweise mit auf Lifestyle-Reisen um die Welt, von der Wüste Omans bis zur Abgeschiedenheit Irlands hat sie alles im Programm. Nur klassischen Strandurlaub wirst du auf ihrem Profil vergeblich suchen.

Uns hat sie verraten, wie sie die reisefreie Zeit nutzen will und was wir von unseren Eltern und Großeltern noch übers Reisen lernen können.

An einem aufgeräumten Schreibtisch lassen sich künftige Reiseprojekte am besten planen.

 „Jetzt ist die perfekte Zeit, um endlich meine eigene Homepage zu erstellen, die Gedanken der letzten Reise aufs Papier zu bringen und vielleicht Blickwinkel zu beleuchten, für die man sonst zwischen all den Reisen keine Zeit hatte. Ich möchte mich aufs Wesentliche besinnen, ein klein wenig Urlaub nach Hause holen. Wir haben uns zum Beispiel Schweden in Form einer Hytta als Gartenhäuschen nach Hause geholt.

Schweden-Feeling im Garten. „Hytta“, das Gartenhäuschen.


Wir sollten uns mehr mit den eigenen Eltern und Großeltern über deren Reiseerlebnisse austauschen, dazulernen und vielleicht sogar nach der Pandemie einen Trip mit ihnen gemeinsam starten. Man kann von Mama, Papa, Oma und Opa nämlich auch auf Reisen das ein oder andere lernen und erfahren!

Wie wär’s, sich an internationalen Gerichten zu probieren wie diesem einen leckeren indischen Gericht, das du schon immer mal nachkochen wolltest? Der reisereporter gibt dir einen Überblick über die besten Gerichte Europas.

Dieses coole Wegweiser-Schild selbst basteln, das immer an jeder Ecke an karibischen Stränden aufzufinden ist oder endlich mal Ordnung ins digitale Fotoalbum-Chaos bringen. Gibt’s hier noch jemanden, der mehr als 10.000 Aufnahmen in seinem Handy hortet?

In Zeiten wie diesen kannst du dein Zimmer endlich mit schönen Wegweisern bekannter Orte schmücken.


Ich habe mir aktuell verschiedene Wecker gestellt, die mir alle ein bis zwei Stunden neue Aufgaben ankündigen: Lern ewas Neues (eine Sprache, ein verrücktes Musikinstrument etc.). Sei kreativ! Finde das richtige Verhältnis zum Auspowern bei Home-Work-out und anschließendem Entspannen.

Meistens klappt das ganz gut, seit einigen Tagen habe ich einen kleinen Durchhänger und schaffe nur die Hälfte, doch das ist völlig okay so! Achtet auf euch, nutzt oder verplempert die Zeit, so wie ihr es braucht! Nur so kommen wir heil und gestärkt aus der Sache heraus.“

Skandinavien-Feeling in die eigenen vier Wände holen

Fjorde, Hygge und ganz viel Natur: Es gibt viele Gründe, Skandinavien zu lieben. Stefan Peters, auch bekannt als „nordicwannabe“, hat aus seiner Leidenschaft für nordische Länder heraus eine Plattform erschaffen, die Lust auf Skandinavien macht. Normalerweise berichtet er von seinen Reisen. Doch was macht er aktuell? 

„Ich habe mich in der letzten Folge meines Podcasts selbst gefragt, ob es jetzt noch Sinn macht, über Reisen nach Skandinavien zu berichten. Auf der einen Seite steigt natürlich die Sehnsucht nach Reisen in den hohen Norden, aber wir wissen ja alle noch nicht, wann wir wieder reisen dürfen, und die wirtschaftliche Lage wird auch zeigen, inwiefern wir uns noch Reisen erlauben können in naher Zukunft.

Deshalb möchte ich ab sofort meiner Community lieber zeigen, wie man sich das skandinavische Lebensgefühl gemäß #wirbleibenzuhause nach Hause holen kann, was schon seit Beginn meines Nordeuropa-Blogs immer ein wichtiger Teil war.

Stefan denkt: Jetzt ist die beste Zeit norwegische Waffeln zu essen!

Mit leckeren Skandi-Rezepten, Einrichtungsideen und Deko im Nordic Design, Empfehlungen für Nordic-noir-Serien, Musik und Büchern aus Skandinavien werde ich auch via Live-Stream für Unterhaltung sorgen in dieser Zeit und da sein für meine Community.

Wir werden uns mit norwegischen Waffeln, dänischem Smørrebrød und schwedischen Köttbullar trösten, einfach das Beste daraus machen und wie man in Dänemark sagt: uns eine hyggelige (gemütliche) Zeit machen. Sollte die Sehnsucht aber doch zu groß werden, habe ich noch einige Videos aus Island, Norwegen, Schweden und Co. auf meiner Festplatte, die darauf warten, veröffentlicht zu werden.“

Lost in Dubai in Zeiten von Corona

Bei der Arbeit im Kölner Hotel kennengelernt, verschlug es Anika und Tayler nach Dubai und von da in die große weite Welt. Mit ihrem Instagram-Account „lovelifepassport“ haben die beiden ihr Hobby zum Beruf gemacht und leben von den Einnahmen als Reiseblogger. Was bedeutet die Corona-Pandemie für sie? Tayler erzählt es uns.

Anika und Tayler leben in Dubai. Sie vertreiben sich die Zeit unter anderem mit Monopoly.

„Dubai zählt wohl zu den pulsierendsten Städten weltweit. Von heute auf morgen gleichen Dubai und das gesamte Land einer Geisterstadt – eine Stadt, die wir so nicht kennen. Wir leben seit mehr als sechs Jahren hier und fühlen uns hier wohl, sicher und können mit Stolz sagen, dass Dubai unser Zuhause ist. 

Anika und ich reisen beruflich durch die Welt. Wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren, dank des Internets, mehr als 85 Länder bereist, Hunderte Städte kennen- und schätzen gelernt und dabei unglaublich viel gelernt. Wir sind digitale Nomaden von Beruf und haben das Internet zu unserem Vorteil genutzt, indem wir anderen Menschen zeigen, wie sie ausbrechen und mit einem Interneteinkommen das machen können, was sie lieben!

Seit einigen Wochen steht die Welt still. Flughäfen sind geschloßen, das öffentliche Leben kommt weltweit zum Erliegen. Egal, ob am Burj Khalifa in Dubai, am Times Square in New York, am Piccadilly Circus in London oder am Alexanderplatz in Berlin – die Welt hält den Atem an.

Aber: Wir für unseren Teil sehen diese Krise nicht als solche, sondern als größte Chance, die uns je gegeben worden ist. Denn nach dieser Pandemie werden Reiseunternehmen, Magazine, Veranstalter, Touristenverbände, Hotels und Reiseagenturen gemeinsam mit Reisebloggern in einem Boot sitzen. Es gilt, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Anika und Tayler wollten ausbrechen aus ihrem Alltag und Neues erleben – jetzt bereisen sie zusammen die Welt.

Genau da kommen wir und viele andere ins Spiel. Wir dokumentieren, wir halten fest und wir zeigen das worauf es ankommt, und genau das, was der Kunde sehen möchte – echte und authentische Erlebnisse der jeweiligen Destination oder Hotels.

Wir sehen es unglaublich oft auf Storys, Posts und auf anderen Medien, dass jetzt die Zeit ist, Netflix oder andere Streamingportale bis zum bitteren Ende auszunutzen. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: In einer Zeit, in der das gesamte öffentliche Leben herunterfährt, und in einer Zeit, in der wir alle gezwungen werden, zu Hause zu bleiben, haben wir alle Chancen, um aus dieser Situation das Beste zu machen und nicht in den Urlaubsmodus zu verfallen.

Die Situation ist nicht einfach und wir machen uns alle Sorgen. Aber die Welt dreht sich weiter, es wird ein Leben nach Corona geben. Wir arbeiten intensiv an unseren neuen Produkten, unserer Masterclass, um noch mehr Menschen zeigen zu können, wie sie dank des Internets zum Beispiel die Welt bereisen können, implementieren Morgenroutinen, um besser und strukturierter in den Tag zu starten, lesen die Bücher, die wir schon immer lesen wollten, kochen sehr viel frisch und haben letztlich endlich auch mal Zeit für ein bisschen Zweisamkeit. :)

Wir fühlen uns sicher, werden sicherlich die ein oder andere Runde ‚Monopoly‘ spielen und freuen uns, bald wieder in den Flieger zu steigen und euch auf @lovelifepassport die Welt etwas näherzubringen.“

In Thailand das Beste aus der Situation machen

So viel steht fest: Travelbloggerin Nathalie vom Kanal „mom and a half man“ wird auf ihren Reisen nie langweilig. Grund dafür ist vor allem ihre Reisebegleitung, ihr vierjähriger Sohn Marvel (Name geändert). Zusammen erkunden die beiden die Welt. Dabei zeigt Nathalie auch nicht nur die schönen Seiten des Reisens, sondern lässt ihre Community auch an den Problemen teilhaben. 

Aktuell befinden sich die beiden auf Koh Phangan in Thailand und können beziehunsgweise wollen dort auch erst einmal nicht weg. Wie genau die Situation vor Ort aussieht und was das für ihren Beruf bedeutet, hat sie uns erzählt.

Nathalie und ihr vierjähriger Sohn unterwegs im Timanfaya-Nationalpark auf Lanzarote.

„Bis gestern (23. März, Anm. d. Red.) hätte ich gesagt, dass wir von Covid-19 nicht viel mitbekommen. Aktuell sind wir auf Koh Phangan in Thailand, und hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Ein bestätigter Fall auf der Insel. Dennoch wurde nun Marvels Dschungelkita geschlossen, die Geschäfte schließen, Restaurants haben auf Takeaway umgestellt.

Generell tragen Asiaten ja sehr oft Mundschutz, das ist nicht ungewöhnlich – und auch sehr vernünftig. Nun tragen ihn aber alle. In den letzten Tagen gab es immer wieder Verschwörungstheorien und Gerüchte über Inselschließung, Ausgangssperren. In Wahrheit können wir nur abwarten, uns mit den nötigsten Lebensmitteln und Spielzeug eindecken und versuchen, gesund zu bleiben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gestärkt aus dieser schlimmen Situation herausgehen werden.

In diesem urigen Haus wohnen Nathalie und ihr Sohn für die nächste Zeit.

Mit einem liebevolleren Blick auf unsere Nächsten, dem Wissen, was wirklich zählt, und dem Schätzen des Augenblicks. Wir sind nun in ein größeres Haus umgezogen, um uns auch mal aus dem Weg gehen zu können.

Es ist sicher herausfordernd, mit Kind daheim online zu arbeiten. Ich mache mich gerade als Texterin und Social-Media-Managerin selbstständig, aber dieses Leid teile ich mit Tausenden anderen Eltern rund um den Globus. Gemeinsam schaffen wir das.

Wir sind one way nach Südostasien gereist mit dem Wunsch, so lange zu bleiben, wie es sich gut anfühlt. Wie lange das so ist, werden wir sehen. In Anbetracht der hohen Zahl Infizierter in Deutschland und der Tatsache, wie viele Menschenkontakte wir auf der Rückreise hätten, werden wir erst einmal bleiben und uns über das Auswärtige Amt auf dem Laufenden halten.“