Das Coronavirus wirbelt das Leben auf der Welt ganz schön durcheinander, auch die Reisebranche hat es voll erwischt: abgesagte Flüge, geschlossene Grenzen, verlassene Hotels. In Italien und Spanien herrscht bereits seit einigen Tagen wegen Covid-19 eine strikte Ausgangssperre. Wie sieht die Lage vor Ort aus, wenn man direkt betroffen ist und in einer der Touristen-Hochburgen der Welt wohnt?

Christoph Streicher lebt seit vielen Jahren in Barcelona, zusammen mit seinem Kumpel Adrian Klie aus Hamburg betreibt er den Reisepodcast „Welttournee“ und berichtet für den reisereporter aus der katalanischen Metropole über das (Reise-)Leben mit Ausgangssperre.

In der Traumstadt Barcelona trotz Ausgangssperre

Die erste Frühlingssonne lockt an einem Wochenende Ende März normalerweise Tausende Besucher und Einheimische an die Promenade des Stadtstrands in Barcelona zum Flanieren. Doch wo sich sonst um den besten Platz in der Strandbar gestritten wird, streiten zurzeit nur ein paar Möwen.

Vereinzelt schicken einige Polizisten diejenigen, die unbedingt noch das perfekte Instagram-Foto am menschenleeren Strand haben wollen, mit scharfem Ton nach Hause. Wenn das Heiko Maas wüsste, würde er diese Spezialfälle (viele kamen aus Deutschland) dann noch zurückholen?

Der beliebte Strand von Barcelona ist wie leer gefegt.

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Hotels in Barcelona müssen schließen

Eine Szene wie aus einem Endzeitfilm. Im Moment ist sie durch die Ausgangssperre wegen des Coronavirus jedoch real. Das Leben in der Stadt steht fast vollständig still. Die Kräne an der Sehenswürdigkeit Sagrada Família sind seit zwei Wochen nicht mehr in Bewegung. Auf die paar Jahre mehr an Bauzeit kommt es jetzt auch nicht mehr an, sagen manche. Auf den weltberühmten Las Ramblas gibt es statt Taschendieben und Gauklern ebenfalls nur noch gähnende Leere.

Die letzten Touristen haben die Stadt verlassen – es war höchste Zeit, denn die spanische Regierung hat angeordnet, dass alle Hotels und Unterkünfte schließen müssen. Viele von ihnen werden im Eiltempo zu Krankenstationen umgebaut.

Die besten Tipps für Sehenswürdigkeiten trotz Corona-Krise

Beim reisereporter gibt es bereits die besten Tipps, wie du an bekannte Sehenswürdigkeiten herankommst, ohne hinfahren zu müssen. Auch für eine Barcelona-Reise kann sich zum Beispiel eine Tour mit Google Street View durch die Gassen der Altstadt lohnen.

Leere Straßen in Barcelona wegen der Ausgangssperre.

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Nachbars Lumpi wird zum Miet-Hund in der Corona-Krise

Ausgangssperre in Barcelona heißt für die übrig gebliebenen Bewohner: Man darf nur raus, wenn man wirklich muss – oder wenn der Hund mal muss. In den verschiedenen Whatsapp-Gruppen kursieren schon die ersten Miet-Modelle für Hunde. Man schnappt sich also im wahrsten Sinne des Wortes Nachbars Lumpi, um wenigstens mal ein paar Schritte an der frischen Luft zu machen.

Einkaufen in Barcelona wird zur Geduldsprobe

Neben dem Gassigehen sind die überlebenswichtigen Dinge des täglichen Lebens ebenfalls erlaubt. Einkaufen wird so für viele zum Highlight des Tages – aber auch zu einer Geduldsprobe. Denn viele Supermärkte lassen nur noch eine bestimmte Anzahl an Kunden in das Reich von Nudeln und Klopapier. Gehamstert wird hier übrigens nicht so stark wie in Deutschland. Ab und zu wird an manchen Orten mal das Gemüse knapp – am nächsten Tag gibt es dann aber meist wieder volle Regale.

Abstand halten! Begrenzungen zeigen, wo Menschen beim Einkaufen stehen müssen.

Lange Schlangen kannte man in Barcelona sonst nur vom Anstehen an der Sagrada Família. Jetzt erwischt es auch die Supermärkte. Im Abstand von rund zwei Metern warten die Kunden geduldig auf Einlass. Allerdings wird dabei oft lautstark ein kleiner Plausch mit den Nachbarn vom Balkon geführt – wohl dem, der über einem Supermarkt wohnt.

Rudel-Klatschen auf den Balkonen der Stadt

Aber es gibt in Zeiten von Ausgangssperre und Co(rona) auch die schönen Dinge, die die Stadt wunderbar beschreiben und das mediterrane Leben wieder aufblitzen lassen. Jeden Tag um 20 Uhr treffen wir uns auf den Balkonen, am Fenster oder auf der Dachterrasse, um etwa fünf Minuten so zu jubeln, als hätte der FC Barcelona gerade im Stadion Camp Nou den Rivalen aus der Hauptstadt Madrid besiegt.

Da aber auf lange Zeit im Stadion kein Match mehr stattfindet, gilt der Applaus, völlig zu Recht, dem medizinischen Fachpersonal, das auch hier zurzeit Übermenschliches leistet. In den Applaus der Bewohner und die lauten Rufen – „Zusammen schaffen wir das“ – stimmt sich inzwischen das laute Hupen der Schiffe ein, die im Hafen von Barcelona liegen.

Auch viele Polizeistreifen treffen sich ebenfalls um Punkt 20 Uhr vor den Krankenhäusern der Stadt und erhellen die Nacht mit ihrem Blaulicht als Dank an das Personal. Durch Corona tragen die Helden der Stadt plötzlich kein Fußballtrikot mit der Nummer 10 mehr, sondern Kittel und Uniform – fünf Minuten Gänsehaut jeden Tag.

Wermut trinkt man jetzt in der E-Kneipe

Auch sonst arrangiert man sich in der Stadt, so gut es geht, mit der Situation, die noch mindestens bis Mitte April so weitergehen wird. Statt Bier und Wermut zum Feierabend in der Eck-Kneipe zu trinken, gibt es jetzt die E-Kneipe – die elektronische Kneipe. Per Skype oder Facetime wird dabei zu Hause auf dem Sofa getrunken und diskutiert, wie ruhig der Sommer wohl werden wird und welche wilden Tiere wohl als Nächstes auf den Prachtstraßen der Metropole gesichtet werden.

Am Wochenende kamen die ersten Wildschweine aus den umliegenden Wäldern in die Stadt. Ob sie einen Discobesuch planten oder einfach auf der Suche nach Futter waren?

Die Balkon-Konzerte von Barcelona

Da das Nachtleben stark eingeschränkt ist, haben Musiker und DJs keine Bleibe mehr. So bringt die Corona-Krise andere kreative Ideen ans Tageslicht – besser gesagt in die Nacht. Musiker wie die Band The Beats of Burden geben am Wochenende Konzerte auf den Balkonen der Stadt.

Das Stadtzentrum Eixample ist eine der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt, und so freuen sich die jungen Musiker über viele Zuschauer auf den umliegenden Balkonen – „Wonderwall“ klang noch nie so schön wie in diesen Zeiten.

Die Dachterrassen als neuer Hotspot von Barcelona

Nachdem der Social-Distancing-Kater am Morgen verflogen ist, geht es für viele raus an die frische Luft. Natürlich nicht vor die Tür – es hat ja schließlich nicht jeder einen Hund, und die Supermärkte brauchen auch mal einen Tag Pause am Sonntag. 

Viele Bewohner der Stadt funktionieren die sonst kaum genutzten Plätze an der Sonne zum neuen Lebensmittelpunkt um. Wer viel Platz hat, nutzt sie als Laufstrecke, Hamsterlaufen nennt man das dann wohl. Wer wenig Platz hat, genießt zumindest auf dem Stuhl die Frühlingssonne in Barcelona oder baut sich sein eigenes Fitness- oder Yoga-Studio zusammen. Wer keine Terrasse hat, macht es sich am Fenster oder auf dem Sofa gemütlich.

Quarantainment mit dem Reisepodcast „Welttournee“

Beim reisereporter gibt es die sieben besten Tipps für Urlaub von zu Hause aus, darunter auch: Podcast-Player anschmeißen. Adrian und ich, wir machen natürlich weiter mit unserem Reisepodcast „Welttournee“! „Wir merken, dass sich die Leute jetzt vermehrt Inspiration für ihre Urlaubsziele bei uns holen. So gibt es wenigstens ein bisschen Urlaub fürs Gehirn, auch wenn der nächste Urlaub erst mal abgesagt wurde – aufgeschoben ist zum Glück nicht aufgehoben“, so sagt es Adrian. 

Also heißt es: #StayAtHome, bis es hoffentlich wieder nach Barcelona oder an andere schöne Orte dieser Welt geht. Bis dahin: Alles gute aus dem Süden und bleibt zuHause – es ist weniger schlimm, als es klingt.