So eine Situation gab es noch nie: Wegen der weltweiten Coronavirus-Krise ist derzeit offen, ob Reisen im Sommer wieder stattfinden können. Die meisten Veranstalter haben zunächst alle Reisen bis Ende April abgesagt und erstatten den Reisenden das Geld von ihrer Seite ohne Gebühren zurück. Sie folgen damit der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Viele Menschen sind aber schon einen Schritt weiter und fragen sich wegen Corona aktuell, wie es eigentlich um ihren Sommerurlaub steht: Was ist mit dem Urlaub auf Mallorca im Mai oder Juni? Wird die Reise an die Adria im Juli planmäßig stattfinden? Das Problem ist: Niemand weiß, wie sich die Lage entwickeln wird. 

Tatsächlich rechnen einige Reiseveranstalter, Airlines und Reedereien nicht damit, das Programm ab Mai wieder hochfahren zu können. So hat Aida den Kreuzfahrtstopp bereits bis Ende Mai verlängert, das gleiche gilt für MSC Cruises und den Reiseveranstalter Wikinger Reisen.

Corona-Pandemie: Reisebranche kann nur abwarten

Insgesamt gilt aber: Auch die Reisebranche kann aufgrund der Pandemie derzeit nur abwarten: „Durch die dynamische Verbreitung des Coronavirus gerät die gesamte Reisewirtschaft in eine nie da gewesene Krisensituation, die sie selbst nicht zu verantworten hat und die sie auch nicht durch eigene unternehmerische Entscheidungen beeinflussen kann“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig.

Einige Experten sehen schwarz für den Sommerurlaub 2020

Eine seriöse Einschätzung der Lage im Juli oder August könne derzeit niemand vornehmen, sagt der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, wie die „Tagesschau“ berichtet. „Wir werden aber sicher erst Schritt für Schritt das Wirtschaftsleben wieder hochfahren. Sollte die Sommerreisezeit in Gefahr sein, so bedeutet das für die Tourismuswirtschaft, die Hotels und Restaurants, eine kaum vorstellbare Katastrophe.“

Ob im Sommer wieder Reisen ins Ausland oder auch innerhalb Deutschlands stattfinden können, hängt auch von den Regelungen ab, die die einzelnen (Bundes-)Länder erlassen. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, wurden Übernachtungs- und Einreiseverbote erlassen. Und für Reisen ins Ausland sind nicht zuletzt auch die Vorgaben des Auswärtigen Amtes in Berlin maßgebend.

Fernreisen erst wieder im Jahr 2021?

Für Fernreisen sieht Christian Laesser, Touristik-Professor an der Universität St. Gallen, schwarz. Und zwar nicht nur für den Sommer, sondern für das gesamte Jahr 2020. „Interkontinental reisen können wir bestenfalls wieder 2021 – und auch das nur begrenzt“, sagte er im Gespräch mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Er gehe ebenfalls nicht davon aus, „dass alle Beschränkungen aufs Mal aufgehoben werden. Wahrscheinlich tritt zuerst im Inland eine Lockerung ein, wodurch es mehr Inlandreisen gäbe.“ In einer weiteren Phase sei eine europäische beziehungsweise eine kontinentale Lockerung denkbar.

Und: „Erst in einer letzten Phase, wenn wirklich alle Restriktionen aufgehoben sind, wird der Tourismus wieder zwischen den Kontinenten stattfinden. (…) Das wird im besten Fall und begrenzt 2021 so weit sein, jedenfalls erst dann, wenn es wirksame Medikamente oder idealerweise eine Impfung gegen das Virus gibt.“

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Kostenlose Stornierungen des Sommerurlaubs meist derzeit nicht möglich

Viele Reisende überlegen wegen der unsicheren Lage nun, ob sie wegen Corona den Urlaub im Sommer stornieren, verschieben oder ob sie abwarten sollen. Du gehörst dazu? Dann helfen bei deiner Entscheidung vielleicht unsere Erklärungen, was die Konsequenzen in beiden Fällen sein könnten.

Stornieren oder abwarten? Das sind die Konsequenzen

Storno-Kosten bei bereits bestehenden Buchungen

Veranstalter wie Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen, ADAC Reisen, Studiosus und Schauinsland Reisen bieten Kunden an, auch für Anfang bis Ende Mai geplante Reisen kostenlos umzubuchen. Noch weiter geht FTI, bei dem Veranstalter können Kunden alle Reisen mit Abflug bis zum 30. Juni auf Wunsch kostenlos umbuchen, neue Reisebuchungen (zwischen 1. März und 30. April) für Urlaube bis 31. Oktober können kostenlos storniert werden.

Grundsätzlich gilt aber: Wer den vor Längerem gebuchten Sommerurlaub stornieren oder umbuchen will, muss wissen, dass der auch in Zeiten von Corona nicht grundsätzlich kostenlos storniert werden kann. Das gilt für FTI ebenso wie für Tui, Alltours, Schauinsland, Gebeco und Co. Daher sollten unbedingt die Stornierungs- und Umbuchungs-Bedingungen des Reiseveranstalters, der Airline oder der Unterkunft geprüft werden. 

Die Storno-Kosten liegen durchschnittlich bei 20 bis 30 Prozent, kurz vor Reisebeginn sogar bei bis zu 90 Prozent oder höher. Kurzum: Wer früher storniert, zahlt in der Regel niedrigere Stornierungskosten. 

Anders sieht es bei Reisen aus, die seit März neu gebucht worden sind oder die noch gebucht werden. Denn hier räumen etliche Reisekonzerne Kunden die Möglichkeit ein, kostenlos zu stornieren. Alle Infos dazu gibt es in unserem großen Stornierungs-Überblick zu Corona.

Abwarten: Das sind die Szenarien

Lieber abwarten und schauen, wie sich die Lage bis zum Sommer entwickelt? Welche Szenarien dann möglich sind, erklärt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ):

  1. Die Reise findet statt und die Lage hat sich so weit beruhigt, dass du die Reise antreten kannst. Konsequenz: In diesem Fall bleibt alles beim Alten.
  2. Die Reise findet statt, du willst sie aber trotzdem nicht antreten. Konsequenz: Dann können hohe Storno-Kosten auf dich zukommen.
  3. Die Reise wird vom Reiseanbieter storniert. Konsequenz: Du bekommst dein Geld zurück.

Reiseveranstalter bitten: Nicht stornieren, lieber umbuchen

Die Reisewirtschaft appelliert an Urlauber, lieber umzubuchen statt zu stornieren, denn die Corona-Krise hat enorme negative Folgen: Der Umsatzausfall bei den deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros summiert sich nach Hochrechnungen des DRV allein von Mitte März bis Ende April 2020 auf mehr als 4,8 Milliarden Euro – und der Finanzbedarf wird weiter steigen, wenn die Krise andauert. 

Denn: Veranstalter müssen Geld an die Kunden zurückzahlen, diese zögern mit Neubuchungen. Damit fehlt Liquidität in den Unternehmen. Deshalb fordert DRV-Präsident Fiebig auch: „Ein Schutzschirm für die Reisewirtschaft ist jetzt dringend notwendig. Die Politik ist gefordert, diese Umsatzausfälle mit einer Beihilfe auszugleichen.“

Alternativ könnten die Kunden erst einmal auf die Barauszahlung der bereits bezahlten Reisekosten verzichten und stattdessen eine Reisegutschrift des Veranstalters erhalten. Diese könne dann zu einem späteren Zeitpunkt – wenn sich die Situation wieder normalisiert hat – eingelöst werden.

Das Problem für Kunden hierbei: Bei der derzeitigen Rechtslage besteht bei Gutscheinen das Risiko eines vollständigen Wertverlustes, zum Beispiel wenn der Veranstalter insolvent wird. Erst wenn der Gutschein für eine neue Reise eingesetzt wurde, entsteht durch die dann gesetzlich vorgeschriebene Insolvenzschutzversicherung des Veranstalters eine Absicherung.

Die Bundesregierung hat sich jedoch für eine Lösung ausgesprochen, bei der der Wert eines Reisegutscheins staatlich abgesichert würde. Die EU-Kommission muss der Lösung noch zustimmen.