So eine Situation gab es noch nie: Wegen der weltweiten Coronavirus-Krise ist derzeit offen, ob Reisen im Sommer wieder stattfinden können. Die meisten Veranstalter haben alle Reisen bis zum 3. Mai, Grund ist die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Viele Menschen sind aber schon einen Schritt weiter und fragen sich wegen Corona aktuell, wie es eigentlich um ihren Sommerurlaub steht: Was ist mit dem Urlaub auf Mallorca im Juni? Wird die Reise an die Adria im Juli planmäßig stattfinden? Dass Auslandsreisen in diesem Sommer wie geplant stattfinden, gilt inzwischen als eher unwahrscheinlich.

Corona-Pandemie: Reisebranche kann nur abwarten

Insgesamt gilt aber: Auch die Reisebranche kann aufgrund der Pandemie derzeit nur abwarten: „Durch die dynamische Verbreitung des Coronavirus gerät die gesamte Reisewirtschaft in eine nie da gewesene Krisensituation, die sie selbst nicht zu verantworten hat und die sie auch nicht durch eigene unternehmerische Entscheidungen beeinflussen kann“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig.

Reiseforscher: Wohl kein Sommerurlaub im Ausland

„Derzeit scheint das Szenario einer sukzessiven Lockerung der Beschränkungen das Wahrscheinlichste“, sagt Tourismusforscher Jürgen Schmude dem reisereporter. Der Deutschland-Tourismus werde sicherlich als erster Bereich des Tourismus wieder anlaufen.

Aber: Wann genau das sein wird, ist aktuell unklar. Eine seriöse Einschätzung der Lage im Juli oder August könne derzeit niemand vornehmen, sagte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß. Ob im Sommer wieder Reisen innerhalb Deutschlands stattfinden können, hängt auch von den Regelungen ab, die die einzelnen Bundesländer erlassen. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, wurden Übernachtungs- und Einreiseverbote erlassen. 

Mehr anzeigen

Fernreisen erst wieder im Jahr 2021?

Für Reisen ins Ausland sind neben den Einreisebeschränkungen der Länder nicht zuletzt auch die Vorgaben des Auswärtigen Amtes in Berlin maßgebend. Es sei damit zu rechnen, dass im zweiten Schritt zunächst das Reisen innerhalb der EU wieder möglich und nachgefragt werden wird und das Reisen mit Übertritt der EU-Außengrenzen wird erst in einem dritten Schritt folgen. „Den genauen Zeitpunkt kann man nur erahnen. Ich persönlich rechne frühestens ab September mit der Möglichkeit, wieder relativ frei in Europa zu reisen“, sagt Tourismusforscher Schmude.

Für Fernreisen sehen Experten schwarz. Und zwar nicht nur für den Sommer: „Interkontinentale Reisen werden erst zum Jahresende oder 2021 wieder möglich sein“, so Schmude.

Kostenlose Stornierungen des Sommerurlaubs meist derzeit nicht möglich

Viele Reisende überlegen wegen der unsicheren Lage nun, ob sie wegen Corona den Urlaub im Sommer stornieren, verschieben oder ob sie abwarten sollen. Du gehörst dazu? Dann helfen bei deiner Entscheidung vielleicht unsere Erklärungen, was die Konsequenzen in beiden Fällen sein könnten.

Stornieren oder abwarten? Das sind die Konsequenzen

Storno-Kosten bei bereits bestehenden Buchungen

Veranstalter wie Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen, ADAC Reisen, Studiosus und Schauinsland Reisen bieten Kunden an, auch für den Mai oder später geplante Reisen kostenlos umzubuchen. Grundsätzlich gilt aber: Wer den vor Längerem gebuchten Sommerurlaub stornieren oder umbuchen will, muss wissen, dass der auch in Zeiten von Corona nicht grundsätzlich kostenlos storniert werden kann.

Das gilt für FTI ebenso wie für Tui, Alltours, Schauinsland, Gebeco und Co. Daher sollten unbedingt die Stornierungs- und Umbuchungs-Bedingungen des Reiseveranstalters, der Airline oder der Unterkunft geprüft werden. Die Storno-Kosten liegen durchschnittlich bei 20 bis 30 Prozent, kurz vor Reisebeginn sogar bei bis zu 90 Prozent oder höher. Kurzum: Wer früher storniert, zahlt in der Regel niedrigere Stornierungskosten. 

Anders sieht es bei Reisen aus, die seit März neu gebucht worden sind oder die noch gebucht werden. Denn hier räumen etliche Reisekonzerne Kunden die Möglichkeit ein, kostenlos zu stornieren. Alle Infos dazu gibt es in unserem großen Stornierungs-Überblick zu Corona.

Abwarten: Das sind die Szenarien

Lieber abwarten und schauen, wie sich die Lage bis zum Sommer entwickelt? Welche Szenarien dann möglich sind, erklärt das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ):

  1. Die Reise findet statt und die Lage hat sich so weit beruhigt, dass du die Reise antreten kannst. Konsequenz: In diesem Fall bleibt alles beim Alten.
  2. Die Reise findet statt, du willst sie aber trotzdem nicht antreten. Konsequenz: Dann können hohe Storno-Kosten auf dich zukommen.
  3. Die Reise wird vom Reiseanbieter storniert. Konsequenz: Du bekommst dein Geld zurück.

Reiseveranstalter bitten: Nicht stornieren, lieber umbuchen

Die Reisewirtschaft appelliert an Urlauber, lieber umzubuchen statt zu stornieren, denn die Corona-Krise hat enorme negative Folgen: Der Umsatzausfall bei den deutschen Reiseveranstaltern und Reisebüros summiert sich nach Hochrechnungen des DRV allein von Mitte März bis Ende April 2020 auf mehr als 4,8 Milliarden Euro – und der Finanzbedarf wird weiter steigen, wenn die Krise andauert. 

Denn: Veranstalter müssen Geld an die Kunden zurückzahlen, diese zögern mit Neubuchungen. Damit fehlt Liquidität in den Unternehmen. Deshalb fordert DRV-Präsident Fiebig auch: „Ein Schutzschirm für die Reisewirtschaft ist jetzt dringend notwendig. Die Politik ist gefordert, diese Umsatzausfälle mit einer Beihilfe auszugleichen.“

Alternativ könnten die Kunden erst einmal auf die Barauszahlung der bereits bezahlten Reisekosten verzichten und stattdessen eine Reisegutschrift des Veranstalters erhalten. Diese könne dann zu einem späteren Zeitpunkt – wenn sich die Situation wieder normalisiert hat – eingelöst werden.

Kommt die Gutschein-Lösung für Reisen?

Das Problem für Kunden hierbei: Bei der derzeitigen Rechtslage besteht bei Gutscheinen das Risiko eines vollständigen Wertverlustes, zum Beispiel wenn der Veranstalter insolvent wird. Erst wenn der Gutschein für eine neue Reise eingesetzt wurde, entsteht durch die dann gesetzlich vorgeschriebene Insolvenzschutzversicherung des Veranstalters eine Absicherung.

Die Bundesregierung hat sich jedoch für eine Lösung ausgesprochen, bei der der Wert eines Reisegutscheins staatlich abgesichert würde. Die EU-Kommission muss der Lösung noch zustimmen und sendet bislang kein grünes Licht.