Auch wenn die Einsicht schmerzt: An Reisen ist in den kommenden Wochen erst nicht zu denken. Das dürfte spätestens klar sein, seitdem die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen hat, um das Coronavirus einzudämmen. Außenminister Heiko Maas teilte am Freitag, 20. März, mit: Diese Reisewarnung gilt bis Ende April, damit sind auch die Osterferien betroffen.

Aber sind Reisen dadurch nun wirklich grundsätzlich tabu? Und müssen eigentlich wirklich alle Deutschen kompromisslos nach Hause kommen? Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen zur Reisewarnung im Überblick. 

Was bedeutet die Reisewarnung für meinen Urlaub?

Die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes warnt Deutsche davor, eine Reise ins Ausland anzutreten, wenn sie nicht zwingend notwendig ist. Normalerweise wird diese nur ausgesprochen, wenn eine Gefahr für Leib und Leben besteht. Deshalb sollte diese Warnung auch ernst genommen werden. Pauschalreisen werden dadurch automatisch storniert, die Kunden bekommen den gesamten Reisepreis erstattet.

Aber auch wenn du einen Trip mit dem Auto geplant hast, solltest du diesen nicht antreten. Denn: Wer entgegen der Reisewarnung handelt, tut dies auf eigene Gefahr. Es kann aktuell in jedem Land über Nacht zu neuen Maßnahmen kommen, die dann auch die Urlauber vor Ort massiv einschränken.

Sind Reisen innerhalb Deutschlands noch möglich?

Möglich sind Reisen innerhalb Deutschlands, ratsam aber nicht. Denn auch innerhalb der Bundesgrenzen schließen immer mehr Orte Touristen aus. Die Nord- und Ostseeinseln haben Touristen etwa verboten anzureisen, ebenso das gesamte Bundesland Schleswig-Holstein.

Fast im gesamten Bundesgebiet dürfen außerdem Hotels keine touristischen Gäste mehr beherbergen. Die Bundesregierung bittet die Bürger außerdem darum, zu Hause zu bleiben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. An Reisen ist deshalb auch innerhalb Deutschlands vorerst nicht zu denken. Aber auch in den eigenen vier Wänden kann Urlaubsfeeling entstehen, wie die Twitter-Nutzer in unserem Überblick zeigen.

Werden ausnahmslos alle Pauschalreisen kostenlos storniert?

Es ist derzeit nicht klar, wie lange die Einschränkungen aufrechterhalten werden. Deshalb werden alle Pauschalreisen für die kommenden Wochen und den Osterurlaub automatisch und kostenlos storniert. Der Sommerurlaub kann, Stand jetzt, aber nicht kostenfrei storniert werden.

Es ist deshalb ratsam, erst mal abzuwarten, bevor du für eine Reise zahlst, die du am Ende nicht antreten kannst. Reiserechtsexperte Mathias Hufländer sagt der „Welt“ hierzu: „Allein die Angst vor einer Reise begründet noch keinen Erstattungsanspruch.“

Bekomme ich jetzt auch das Geld für Individualreisen zurück?

Nicht zwangsläufig, denn die Reisewarnung allein reicht als Grund dafür nicht aus. Und auch wenn fast alle Flüge gestrichen sind, werden einige wenige durchgeführt. Wenn du einen dieser Flüge gebucht hast und an deinem Reiseziel normale Umstände herrschen, kannst du nicht kostenfrei stornieren. Aber: Die meisten Airlines bieten inzwischen kostenfreie Stornierungen aufgrund der außergewöhnlichen Lage an. 

Anders sieht es aus, wenn eine Einreisewarnung gilt oder der Flug ohnehin entfällt. Dann haben Passagiere ein Recht auf Rückerstattung. Auch die Deutsche Bahn hat die Kulanzregelungen ausgeweitet, Fernbusunternehmen stellen für entfallene Verbindungen Gutscheine im Wert des vollen Reisepreises aus.

Und auch Hotels erstatten die Preise, wenn sie aufgrund der Pandemie schließen oder eine touristische Übernachtung untersagt ist, wie es derzeit in Deutschland der Fall ist. Solange die Unterkunft aber geöffnet und erreichbar ist, besteht kein grundsätzliches Recht auf kostenfreie Stornierung.

Was passiert, wenn mein Reiseveranstalter Insolvenz anmeldet?

Darüber musst du dir als Kunde erst mal keine Sorgen machen. Das deutsche Reiserecht schreibt nämlich vor, dass sich Reiseveranstalter gegen Insolvenzen versichern müssen. Sollte der Fall bei deinem Anbieter also eintreffen, bekommst du dein Geld in der Regel vom Versicherer zurück. Allerdings hat das Beispiel von Thomas Cook im vergangenen Jahr gezeigt, dass es auch dafür Grenzen gibt. Sollte die Insolvenz am Ende teurer werden als über die Versicherung gedeckt, dann springt die Bundesregierung ein und zahlt den Kunden die Differenz. 

Allerdings gilt diese Regelung nur für Reiseveranstalter, nicht etwa für Fluggesellschaften. Wenn hier eine Insolvenz eintritt, dann musst du deine Ansprüche beim entsprechenden Insolvenzverwalter anmelden und bleibst im schlimmsten Fall am Ende auf den Kosten sitzen.