Wichtiges Update: Dieser Bericht ist auf dem Stand vom 16. März. Für alle aktuellen Informationen schau dir bitte diese Berichte an:

Das Coronavirus zwingt die Reisebranche in die Knie: Zahlreiche Länder schließen ihre Grenzen, Airlines streichen sämtliche Flüge, Reedereien sagen Kreuzfahrten ab und der Tourismuskonzern Tui stellt weitgehend alle Reiseaktivitäten ein. Zurück bleiben verwirrte Touristen, die sich fragen: Kann ich meine Reise kostenlos stornieren? Der reisereporter beantwortet die wichtigsten Fragen zu Pauschalreisen, Individualreisen, Ferienwohnungen und Zug- und Flug-Tickets.

Pauschalreise stornieren – bekomme ich den Reisepreis erstattet?

Urlauber können ihre Pauschalreise kostenlos stornieren, wenn aufgrund von außergewöhnlichen Umständen kein geordneter Urlaub stattfinden kann. Das ist laut Reiserechtsanwalt Paul Degott der Fall, wenn beispielsweise Supermärkte geschlossen und Museen sowie Restaurants dicht sind. „Das öffentliche Leben ist eingeschränkt. Hinzu kommt noch die Ansteckungsgefahr“, so Degott.

Ähnlich ist es bei einer Pauschalreise mit einer Kreuzfahrtgesellschaft: Sobald das Schiff wesentliche Ziele nicht anlaufen kann, können Kunden vor der Abreise von der Reise zurücktreten und bekommen den vollen Reisepreis erstattet. Die reine Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist allerdings kein Stornierungsgrund. 

Regelung bei Verbot der Einreise in Urlaubsländer 

Außergewöhnliche Umstände liegen ebenfalls vor, wenn eine Reise in den Urlaubsort aufgrund eines Einreiseverbots nicht möglich ist. So dürfen Touristen aus Europa derzeit nicht in die Türkei oder USA einreisen. Kunden können deshalb die Reise beim Veranstalter stornieren, ohne Stornogebühren zahlen zu müssen. In der Regel werden Pauschalreisende aber aktiv vom Reiseveranstalter oder Reisebüro kontaktiert, wenn dies der Fall ist. Außerdem haben Reisende ein Recht darauf, die gesamten Reisekosten vom Veranstalter zurückzubekommen.

Auch Veranstalter können den Reisevertrag kündigen

Auch Reiseveranstalter können einen Reisevertrag unter diesen Umständen kündigen. So storniert Tui unter anderem Reiseverträge nach Spanien, die zwischen dem 14. und dem 27. März stattfinden sollten, Kroatien mit Leistungsbeginn bis einschließlich 27. März und Portugal bis 21. März. Weitere von der Stornierunsgwelle betroffene Reisen findest du auf der Website von Tui

Individualreise stornieren – bekomme ich das Geld für das Hotel zurück?

Individualreisende haben es mit Stornierungen und Kostenrückerstattungen schwerer als Pauschalreisende – zumindest, wenn sie ein Hotel im Ausland gebucht haben. Grundsätzlich sei es laut Degott möglich, kostenlos zu stornieren, wenn das Hotel in einer Sperrzone liegt oder wegen einer Einreisebeschränkung nicht erreichbar ist. Allerdings gelte dort das Recht des jeweiligen Landes. Reisende müssten sich an den Hotelbetreiber wenden und dort ihr Recht einfordern. Ohne Kenntnisse von Gesetz und Sprache könnte dies schwierig werden.

Anders sieht es bei Hotels aus, die sich in Deutschland befinden. Weil beispielsweise die Nord- und Ostseeinseln seit dem 16. März wegen des Coronavirus für Touristen gesperrt sind, können Individualreisende aufgrund von außergewöhlichen Umständen ihre Hotelbuchung stornieren und ihren Anspruch auf Rückerstattung geltend machen. Schließlich gilt für diese Buchungen deutsches Recht.

Ferienwohnung stornieren – bekomme ich die Kosten erstattet?

Auch in diesem Fall hängt das Recht des Verbrauchers vom Urlaubsort ab. Bei einer Ferienwohnung auf Sylt kann sich der Mieter auf den Paragrafen 543 „Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund“ des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) beziehen. Degott zufolge seien die Regelungen für alle Mietverhältnisse für Wohnraum gültig, unabhängig davon, ob das Mietverhältnis privat, gewerblich oder die Vermietung für wenige Tage oder mehrere Jahre erfolgt.

Im BGB heißt es: „Jede Vertragspartei kann das Mietverhältnis aus wichtigem Grund außerordentlich fristlos kündigen. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor, wenn dem Mieter der vertragsmäßige Gebrauch ganz (…) entzogen wird.“ Da die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Nord- und Ostseeinseln für Touristen gesperrt haben, liegt genau dieser Fall vor. Mieter können also ihren Mietvertrag mit Bezug darauf kündigen. Oder „das Mietverhältnis auf Eis legen und einen anderen Termin vereinbaren, sobald sich die Lage wieder beruhigt hat“, so Degott.

Flug-Ticket stornieren – bekomme ich die gesamten Kosten zurück?

Bei der Kostenrückerstattung von Flug-Tickets verhält es sich ähnlich wie bei einem Hotel: Liegen außergewöhliche Umstände vor, sodass die von der Airline der Flug nicht durchgeführt werden kann, dann bekommen Kunden den Ticketpreis erstattet. Dies ist bei einem unvorhersehbaren Einreisevorbot der Fall. 

Damit sich Kunden dennoch auf ihren Urlaub freuen können, kommen ihnen viele Airlines entgegen und bieten bei Neubuchungen die Option zur kostenlosen Umbuchung an. Die Lufthansa-Group hat beispielsweise flexible Umbuchungsmöglichkeiten eingeführt. Das heißt, alle bis zum 5. März gebuchten Flüge mit einem Abflugdatum bis zum 30. April 2020 können nun einmal kostenlos umgebucht werden. Aber auch bei Eurowings und Condor und internationalen Airlines wie United Airlines kannst du deine Flüge umbuchen.

Zug-Ticket stornieren – habe ich Anspruch auf eine Kostenerstattung?

Im Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn fallen derzeit etliche Verbindungen aus, vor allem aufgrund behördlicher Anordnungen in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Welche Strecken betroffen sind, erfährst du in unserer Übersicht. „Bei Zugausfällen haben Kunden unabhängig von der Pandemie das Recht, ohne umbuchen zu müssen, nach 20 Minuten in den nächsten passenden Zug zu steigen“, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Nach einer Stunde Verspätung…

  • … kann der Fahrgast die Reise bereits abbrechen und mit einem Fahrgastrechteformular die Kosten zurückfordern…
  • … oder eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreiseses erhalten – bei 120 Minuten sind es 50 Prozent.

Da allerdings immer mehr Menschen ihre Reisen aus Angst vor dem Coronavirus nicht antreten wollen, hat die Deutsche Bahn ihre Kulanzregelungen erweitert. Seit Montag, 16. März, können Bahn-Kunden Tickets kostenfrei in einen Reisegutschein in Höhe des Ticketpreises umwandeln. Das gelte für alle Super-Sparpreise und Sparpreise für Reisen bis einschließlich 30. April, heißt es in einer Mitteilung. Ein Umtausch ist per Mail unter Fahrkartenservice@bahn.de möglich.

Auch Tickets der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) von und nach Italien, Slowakei, Tschechien, Polen, Slowenien, Deutschland und Schweiz mit Gültigkeit bis 13. April 2020 können kostenlos über den ÖBB-Kundenservice unter 05-1717 storniert werden.

Urlaub im Sommer – kann ich die Reise trotzdem stornieren?

Etwas unübersichtlich ist die Situation für Reisende, deren Urlaub noch nicht unmittelbar bevorsteht. „Hat ein Kunde eine Reise gebucht, die im Herbst stattfinden soll, und das Zielgebiet kann dann nicht bereist werden, weil es außergewöhnliche Umstände gibt, kümmert sich der Reiseveranstalter bei Pauschalreisenden um entsprechende Maßnahmen“, sagt Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband. Das heißt, die Gäste werden informiert, Reisen werden storniert, Umbuchungen werden vorgenommen.

Das wird allerdings erst aktuell, sobald die genaue Situation für den Zeitraum der Reise absehbar ist. Jetzt schon vorsorglich zu stornieren ist zwar möglich, aber mit Kosten verbunden. Denn: Es gelten die allgemeinen Stornobedingungen des Reiseveranstalters.

In diesem Zusammenhang kommen viele Reiseveranstalter allerdings ihren Kunden entgegen: FTI, Schauinsland, Alltours, Tui und Co. haben verschiedene Kulanzregelungen eingeführt, um weitere Reisen zu verkaufen. Unter anderem können Kunden bei Neubuchungen in einem gewissen Zeitraum kostenlos stornieren. 

Urlaub storniert – habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Es ist schon sehr ärgerlich, dass aufgrund der vielen Einreisestopps und Einschränkungen auch innerhalb Deutschlands viele Urlaube abgesagt werden mussten. Aber auch wenn du dich deines Urlaubs beraubt fühlst, hast du keinen Anspruch auf Schadensersatz. „Der steht einem Kunden nur zu, wenn der Veranstalter einen Fehler gemacht hat“, sagt Degott. Höhere Gewalt gehöre nicht dazu.