Für viele, die Urlaub auf Sylt, Norderney, Fehmarn oder anderen Nord- und Ostseeinseln in Deutschland gebucht haben, hat das Bibbern ein Ende: Die Ministerpräsidentin und Ministerpräsidenten der Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben an mögliche Urlauber appelliert, Reisen in den Norden zu unterlassen. 

Die Landesregierungen entschieden am Sonntagnachmittag, die deutschen Inseln an Nord- und Ostsee ab Montag, 16. März, um 6 Uhr für Touristen abzuriegeln. In Mecklenburg-Vorpommern werden die Maßnahmen aufgrund der Größe der Inseln und der zahlreichen Festlandverbindungen schrittweise eingeführt. 

Video: Virtuelle Reise an die Ostsee  

Davon ausgenommen sind nur Personen mit erstem Wohnsitz auf einer der Inseln oder solche, die dort arbeiten müssen. Erstere sollten schnellstmöglich auf die Inseln zurückkehren. Die Versorgung der Inseln für den täglichen Bedarf sei weiterhin sichergestellt, so die Landesregierungen. 

Urlauber, die bereits auf der Insel in ihren Unterkünften sind, sollen nach Hause reisen. Die Polizei soll die Anordnung durch „verkehrsleitende Maßnahmen sicherstellen“. Auch für den Tourismus auf dem Festland sollen Regelungen folgen.

Insulaner hatten zuvor an die Solidarität appelliert

„Bitte, ich flehe euch an: Dies ist nicht die Zeit für Urlaub!“ Mit diesen Worten appelliert eine Einheimische von Sylt an ihre Landsleute. Denn trotz der Corona-Krise, die ganz Europa derzeit in einen Ausnahmezustand versetzt, kämen immer noch Tausende Menschen auf die Insel, die Autozüge seien voll. 

„Die Schulen werden geschlossen, das öffentliche Leben wird heruntergefahren, wir sollen so viel es geht zu Hause bleiben und trotzdem kommen Tausende Menschen aus dem ganzen Land“, schreibt sie unter dem Namen „Sylterin“ auf Twitter.

Ihre Bedenken: Sylt habe nur wenige Kapazitäten, beispielweise was die Intensivversorgung angehe. Deshalb könne die Insel im Notfall zusätzlich zu den rund 20.000 Bewohner nicht auch noch all die Gäste versorgen.

Das nannte auch Gesundheitsminister Heiner Garg als Grund für die Abriegelung der Inseln: Man müsse die medizinische Versorgung auch in der aktuell kritischen Lage für die Inselbewohner sichern. Für eine große Zahl Touristen seien die Kapazitäten der Intensivmedizin auf den Inseln nicht ausgelegt.

Zahlreiche Twitter-User fordern: „Bitte bleibt zuhause“

Die Mehrheit der Nutzer in den Kommentaren unter ihren Posts stimmt der „Sylterin“ zu. „Bleibt bitte zuhause“, schreibt ein User. Eine andere schreibt: „Ich bin Sylterin, meine 93 jährige Oma, meine Eltern, Onkel, Tanten leben auf Sylt. Meine Mutter hat Asthma und gehört zur Risikogruppe. Ich könnte heulen vor Verzweiflung und wenn ich diese Ignoranz sehe. Es sind KEINE Ferien!!! Wann verstehen die Menschen um was es hier geht???“

Ein Twitter-Nutzer von Föhr fügt an, dass das auch für andere Inseln gelte. Und auch Abseits der Küsten lassen sich viele scheinbar nicht von ihrem Heimaturlaub abbringen. So kommentiert ein Nutzer: „Ich lebe in ner Weinbau Region mit vielen kleinen Orten... Mit vielen kleinen Gaststätten. Die waren voll, gestern, bis zum Anschlag. Mit Leuten aus ganz Deutschland (laut Nummernschild), Wanderer ohne Ende. Alte und junge Leute. Eng beieinander.“ 

Innerhalb Europas und weltweit ist es derzeit kaum noch möglich, Reisen wie geplant anzutreten. Die Twitter-Posts werfen die Frage auf, ob man auch auf Deutschland-Urlaub aus Solidarität den Einheimischen gegenüber verzichten sollte – auch wenn es von der Politik in einigen Bundesländern (noch) keine Einschränkungen zu Urlaub im eigenen Land gibt.

Schleswig-Holstein schließt Clubs, Kinos und Schwimmbäder

Bereits vor der Sperrung der Inseln gab das Land Schleswig-Holstein weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus bekannt. Bars, Clubs, Diskotheken, Theater, Kinos und Museen werden geschlossen. Dasselbe gilt für Schwimmbäder, Fitnessstudios und Saunen. Ähnliche Schließungen gibt es auch in anderen Bundesländern wie etwa Mecklenburg-Vorpommern.

Der Zugang zu Restaurants und Hotels in Schleswig-Holstein muss beschränkt werden und ist nur unter Auflagen erlaubt, zum Beispiel wenn ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Tischen eingehalten wird.

In anderen beliebten Urlaubsregionen wie Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gibt es (noch) keine Maßnahmen wie Hotelschließungen. Allerdings rief Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml am Sonntag dazu auf, auf Reisen jeglicher Art zu verzichten.