Ob im Reisebüro, direkt bei Veranstaltern, Kreuzfahrtunternehmen, Airlines, Hotels oder anderen touristischen Dienstleistern: Aufgrund des Coronavirus stornieren etliche Kunden ihre Reisen, gleichzeitig werden kaum neue Reisen gebucht. Für die komplette Tourismusindustrie sind die Auswirkungen des Virus katastrophal. 

Die Einreisestopps zahlreicher Länder für Reisende aus Deutschland führen dazu, dass Reedereien vorübergehend alle Kreuzfahrten stornieren, Airlines wie Lufthansa stutzen ihren Flugplan drastisch zusammen.

„Die deutsche Tourismusbranche hat unmittelbar mit den Auswirkungen des Coronavirus zu kämpfen: Drastische Rückgänge im Veranstaltungs- und Messegeschäft, Stornierungswellen, Besucherrückgänge und eine hohe Buchungszurückhaltung treffen Gastgewerbe, Tourismus-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Mobilitätsanbieter hart.“ Das schreibt der Deutsche Tourismusverband (DTV) in einer Pressemeldung. 

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Erste Prognosen: Umsatzeinbußen von 10 Prozent für deutsche Reisebranche

Laut einer Hochrechnung von „Statista“ müsse sich die deutsche Reisebranche im Jahr 2020 auf Umsatzeinbußen von zehn Prozent einstellen. „Für Italien wird aktuell ein Umsatzminus von 24 Prozent erwartet.“

Der Deutsche Reiseverband hat in einer Blitzumfrage mehr als 800 Unternehmen aus der Tourismusindustrie befragt. Rund 90 Prozent gaben an, derzeit Umsatzbußen von mindestens zehn Prozent zu haben. Etwa 53 Prozent der Unternehmen erleben demnach derzeit sogar Umsatzeinbußen von mindestens 50 Prozent. 

Reiseunternehmen bewerten finanzielle Bedrohung durch Coronavirus als stark

Die meisten Befragten schätzen, dass der Coronavirus-bedingte Buchungseinbruch erst in der zweiten Jahreshälfte überwunden sein wird. 74 Prozent der befragten Unternehmen geben an, die wirtschaftliche Bedrohung durch das Coronavirus und seine Folgen sei „stark“ bis „sehr stark“. 

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Um die finanziellen Einbußen abzufedern, erachten rund drei Viertel der Unternehmen steuerliche Erleichterungen als sinnvolle mögliche Unterstützung vonseiten der Bundesregierung. 

Auch der Deutsche Tourismusverband (DTV) fordert die Bundesregierung dazu auf, mit geeigneten Maßnahmen dafür zu sorgen, dass deutsche Tourismusunternehmen keinen bleibenden Schaden nehmen: „Jetzt muss es darum gehen, finanzielle Engpässe zu überbrücken und zu verhindern, dass Unternehmen unverschuldet in Schieflage geraten und Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren“, so Norbert Kunz, Geschätsführer des DTV.

Airline KLM streicht 2.000 Jobs

Denn welche katastrophalen Folgen das Coronavirus für Unternehmen und die Angestellten haben kann, beweisen Nachrichten wie die der niederländischen Airline KLM. Dort verlieren 2.000 von rund 33.000 Mitarbeitern ihre Jobs. Grund dafür seien die Auswirkungen der Corona-Krise, wie etwa der Einreisestopp der USA

Im März müsse KLM mindestens 25 Prozent der Flüge streichen, von April bis Juni bis zu 40 Prozent, so das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Zwar reduziere die Airline auch die Arbeitszeit der Angestellten um bis zu 30 Prozent, Investitionszahlungen liegen auf Eis und Bonuszahlungen sind vorerst gestrichen. Trotzdem führe am Personalabbau kein Weg vorbei. 

So reagiert die Reisebranche auf das Coronavirus

Zahlreiche Reiseveranstalter haben die Stornierungs- und Umbuchungsregeln für neue Buchungen gelockert, um Reisenden eine zusätzliche Sicherheit zu geben. Denn wie sich die Lage weiterentwickeln wird, bleibt weiter ungewiss. Auch einige Airlines und Reedereien bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen an. Die Deutsche Bahn sicherte ebenfalls eine Sonderkulanzregelung zu.

Reisende, die eine Pauschalreise gebucht hätten, seien im Vorteil, so der DTV. Um sie kümmere sich der Reiseveranstalter. „Bei selbst organisierten Reisen müssen sich die Gäste selber kümmern – zum Beispiel um Flugumbuchung und die Absage des Hotels – und sie müssen auch die Kosten hierfür selber tragen.“