Nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO am Mittwoch das Coronavirus als Pandemie – also als ein Erreger, dem potenziell die ganze Weltbevölkerung ausgesetzt ist – eingestuft hat, reagierten die USA mit einem Reiseverbot für Menschen aus den Schengenmitgliedern in Europa. Das betrifft auch Reisende aus Deutschland.

Welche Auswirkungen diese Maßnahmen mit sich bringen, erfährst du hier.

Bis wann komme ich noch in die USA?

Das Verbot tritt am Freitag, 13. März 2020, um 23.59 (Ortszeit Washington, D. C.) in Kraft, in Deutschland also am Samstag um 4.59 Uhr. Ab dann gilt für Reisende aus europäischen Schengenländern für die nächsten 30 Tage ein Einreiseverbot. 

Theoretisch kommst du also noch bis einschließlich Freitag in die USA. Allerdings gibt es erste Berichte von komplett überbuchten Flügen, wer nicht ohnehin für diese beiden Tage seinen Abflug geplant hat, dürfte Schwierigkeiten bekommen, spontan jetzt noch zu fliegen.

Wer darf nicht mehr in die USA reisen?

Laut dem Department of Homeland Security gilt diese Regelung für alle Reisenden, die sich in den letzten 14 Tagen in bestimmten europäischen Ländern aufgehalten haben.

Zu diesen Ländern gehören neben Deutschland: Österreich, Belgien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden und die Schweiz.

Amerikaner sind von dem Einreisestopp nicht betroffen

Das Auswärtige Amt informiert darüber, dass der Einreisestopp nicht für folgende Personen gelte:

  • US-Bürger und Menschen mit einem ständigen legalen Wohnsitz in den USA
  • Ehepartner, Elternteile, Kinder oder Geschwister unter 21 Jahren von US-Staatsbürgern oder Personen mit ständigem legalen Wohnsitz in den USA
  • Personen mit privilegiertem Aufenthaltsstatus als Diplomat oder Mitarbeiter internationaler Organisationen

Amerikaner, die sich in zuvor genannten Ländern aufhalten, sollen nur durch ausgewählte Flughäfen in die USA zurückreisen können, heißt es von US-Sekretär Chad Wolf. Dort solle es verbesserte Überprüfungsverfahren geben. An folgenden Flughäfen müssen die Passagiere ankommen: 

  • Atlanta (ATL)
  • Dallas-Fort Worth (DFW)
  • Detroit (DTW)
  • Newark (EWR)
  • Honolulu (HNL)
  • New York-JFK (JFK)
  • Los Angeles (LAX)
  • Chicago-O'Hare (ORD)
  • Seattle (MEER)
  • San Francisco (SFO)
  • Washington-Dulles (IAD)

Für weitere Hinweise zu den Einreisebestimmungen können Reisende die zuständige US-Vertretung für Deutschland kontaktiert. 

Ich bin schon in den USA – wie komme ich zurück?

Laut dem Auswärtigen Amt sind Ausreisen von Deutschen, die sich bereits in den USA befinden, nach derzeitigem Stand weiterhin möglich. Auf Anfrage heißt es: „Unabhängig davon stehen unsere Auslandsvertretungen in den USA bereit, um Deutschen in einer möglichen Notlage konsularische Hilfe und Unterstützung zu leisten.“

Die Lufthansa-Gruppe kündigte am Donnerstagabend, 12. März, an, trotz des Einreisestopps weiterhin Flüge in die USA anzubieten. Allerdings werden nur ausgewählte Verbindungen aufrechterhalten. So fliegt die Lufthansa ab dem 14. März weiterhin von Frankfurt nach Chicago und New York-Newark, Swiss von Zürich nach Chicago und New York-Newark, Austrian Airlines bedient die Strecke von Wien nach Chicago und Brussels Airlines fliegt von Brüssel nach Washington DC.

Mit dieser Arbeitsteilung der Lufthansa-Gruppe sollen Kunden sämtliche Ziele in den USA mit einem Anschlussflug von United Airlines erreichen und Europäer, die sich noch in den Vereinigten Staaten befinden, zurückfliegen können.

Laut der Verbraucherzentrale haben Pauschalreisende auch ein Recht auf einen gesicherten Rücktransport. Auf Anfrage des reisereporters sagte Sprecherin Tiana Preuschoff: „Für Pauschalreisende hat der Veranstalter eine Beistandspflicht, die auch den Rücktransport umfasst.“

Was ist mit bereits gebuchten Flügen?

Lufthansa teilte am Donnerstagabend mit: „Lufthansa Fluggästen, die in den kommenden Wochen eine Reise geplant haben, wird empfohlen, sich vor Reiseantritt über den aktuellen Status des jeweiligen Fluges auf lufthansa.com, swiss.com, austrian.com oder brusselsairlines.com zu informieren. Gäste, die ihre Kontaktdaten hinterlegt haben, werden proaktiv informiert, falls ihr Flug gestrichen wird.“

Außerdem gilt noch immer: Kunden der Lufthansa Group, die bis zum 5. März einen Flug mit Ablfugdatum bis 30. April 2020 gebucht haben, können ihr Ticket einmalig kostenfrei umbuchen. Allerdings müssen sie die Differenz zahlen, wenn ihre ursprünglich gebuchte Kategorie nicht mehr verfügbar ist.

Ab dem 6. und bis zum 31. März 2020 verzichten Lufthansa und die Airlines Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines und Air Dolomiti generell auf die Umbuchungsgebühren. Das Angebot gilt unabhängig vom Buchungstarif und für alle Flüge weltweit. Passagiere können neue Tickets einmal ohne Gebühr auf ein neues Datum bis 31. Dezember 2020 umbuchen. Start- und Zielflughafen müssen aber identisch sein.

Auch Condor fliegt nonstop von Deutschland in die USA, für Samstag und Sonntag wären unter anderem Verbindungen von Frankfurt/Main nach Seattle sowie von Bremen nach Honolulu, Las Vegas, L. A., Orlando, Portland, Seattle und San Francisco geplant. 

Check 24 informiert Kunden über Handlungsmöglichkeiten

Das Reisevergleichsportal Check 24 hat einige betroffene Kunden bereits kontaktiert. In einer Mail, die dem reisereporter vorliegt, heißt es: „Wir bitten Sie, sich auf der Internetseite der Fluggesellschaft zu informieren, ob Ihr Flug wie geplant stattfindet. Sollte dies nicht der Fall sein, kontaktieren Sie bei kurzfristigen Abflügen bitte direkt die Fluggesellschaft, um sich über Alternativen beraten zu lassen.“

Delta Air Lines setzt Flüge von und nach Europa aus

Die US-amerikanische Fluggesellschaft Delta hat bereits einen Reiseverzicht für Flüge zwischen den USA und Europa herausgegeben: „Wir werden weiterhin bei Bedarf schnelle Anpassungen des Service vornehmen, um auf staatliche Reiserichtlinien zu reagieren.“ Daher verzichte Delta bis zum 31. Mai auf Umbuchungsgebühren für Passagiere, die nach, von oder durch Europa reisen. Der Verzicht gilt für Reisende, die Tickets vor dem 11. März gekauft haben.

Welche Airlines unabhängig vom US-Einreisestopp ihre Regeln für Umbuchungen gelockert haben, erfährst du in unserer Übersicht.

Kann ich meine Reise stornieren?

Da der Einreisestopp als „außergewöhnlicher Umstand“ eingeordnet wird, können Reisende ihre Pauschalreise oder ihren Flug kostenlos stornieren, sagt der Anwalt für Reiserecht Oliver Matzek. Schließlich sei es den Airlines nicht möglich, einen Flug in die USA bereitszustellen. 

Das gilt allerdings nur für Pauschalreisen, also Pakete aus Transport, Unterkunft und möglicherweise weiteren Reiseleistungen, die gebündelt bei einem Anbieter gebucht wurden. Wer Flüge und Unterkunft individuell gebucht hat, kann zumindest bei den Flügen auf eine kostenlose Stornierung setzen. Bei Hotel und Co. gilt vermutlich ähnlich wie in Italien, dass Reisende auf die Kulanz der jeweiligen Unterkunft angewiesen sind.

In Italien legt das Coronavirus seit Tagen das ganze Land lahm. Die italienische Regierung hat das Land zur Sperrzone erklärt und ein Reiseverbot verhängt. Geschäfte und Restaurant müssen geschlossen bleiben. Beliebte Attraktionen bleiben menschenleer. In Südtirol mussten Skigebiete und Hotels dichtmachen. Eine Einreise nach Italien ist zwar möglich, jedoch rät das Auswärtige Amt von Reisen nach Italien ab.

Weil die Angst vor dem Coronavirus große Auswirkungen auf die Reisebranche hat, bieten viele Reiseveranstalter bereits seit einigen Wochen kostenlose Stornierungen an. Darunter: Tui, FTI, Schauinsland, Alltours und DER Touristik

Was bringt mir eine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung greife nur, wenn aufgrund eines schweren Schicksalsschlags die Reise nicht angetreten werden kann, erklärt Reiserechtsanwalt Paul Degott gegenüber dem reisereporter. Beim Einreisestopp der USA greift eine Reiserücktrittsversicherung oder eine Reiseabbruchsversicherung deshalb nicht.

Dies ist auch nicht nötig, da Betroffene aufgrund der „außergewöhnlichen Umstände“ von ihrem Pauschalreisevertrag zurücktreten können. Wann du eine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen kannst und wann nicht, erfährst du in unserer Übersicht