Reisende sind verunsichert: Die Ausbreitung des Coronavirus führt zu zahlreichen Flugstreichungen, das Auswärtige Amt spricht Reisehinweise und -warnungen aus, und wer aus bestimmten Reiseländern zurückkehrt, muss in Quarantäne. Kannst du jetzt deine bereits gebuchte Reise stornieren, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren?

Und übernimmt die Reiserücktrittsversicherung in diesem Fall die Kosten? Der reisereporter hat bei Reiseexperten nachgefragt. 

Wann greift eine Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung greife, wenn aufgrund eines schweren Schicksalsschlags die Reise nicht angetreten werden kann, erklärt Reiserechtsanwalt Paul Degott gegenüber dem reisereporter. Das sei beispielsweise der Fall bei einer Erkrankung, einem Unfall, bei dem man selbst oder der Reisepartner betroffen ist, beim Tod eines nahen Angehörigen oder etwa bei der Überschwemmung des eigenen Hauses. 

Greift die Reiserücktrittsversicherung bei einer Infektion mit dem Coronavirus?

Die Reiserücktrittsversicherung würde also bei einer Infektion mit dem Coronavirus greifen. Wer keine abgeschlossen hat, die Reise aber deshalb nicht antreten kann, muss sich mit den bei Abschluss vereinbarten Stornogebühren des Reiseveranstalters arrangieren. 

Bei diesen Gründen greift die Reiserücktrittsversicherung nicht 

Eine Reiserücktrittsversicherung greift allerdings nicht, wenn Urlauber aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus von der Reise zurücktreten wollen. Denn: Eine theoretische Gefahr ist kein versichertes Ereignis. Dies können Reisende unter anderem auf der Website des Touristikkonzerns Tui und des Verschicherungskonzerns Allianz lesen. Auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes stelle kein versichertes Ereignis dar.

Eine Stornierung wegen Einschränkungen durch Sicherheitsmaßnahmen am Urlaubsort sei ebenso nicht versichert, so die Allianz auf Anfrage des reisereporters. Außerdem können Reisende ihre Rücktrittsversicherung nicht in Anspruch nehmen, wenn sie aufgrund des Coronavirus unter Quarantäne stehen. Dabei handele es sich um eine „Maßnahme der Staatsgewalt“ oder einen „Eingriff von hoher Hand“, heißt es. Es bestehe ebenfalls kein Versicherungsschutz, wenn Behörden die Einreise ins Urlaubsland verweigern, wie es gerade in den USA der Fall ist.

Grundsätzlich sei ein Ausschluss für Schäden durch Epidemien in den Versicherungsbedingungen nicht vorgesehen und im Moment gebe es keine konkreten Überlegungen eine solche Regelung einzuführen. Auf die Frage, ob viele Versicherungsnehmer aufgrund dieser Thematik die Allianz kontaktieren heißt es: „Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Corona-Krise ist der Informationsbedarf bei Reisenden natürlich enorm. Unser Anruf-/Anfragevolumen im Kunden Service Center ist deshalb stark angestiegen. In einer FAQ-Liste auf unserer Webseite beantworten wir zusätzlich die wichtigsten Fragen.“ 

Experte empfiehlt Reiseabbruchversicherung statt Reiserücktrittsversicherung

Aufgrund der zahlreichen Ausnahmeregelungen rät Degott von einer Reiserücktrittsversicherung ab: „Sie gilt sowieso nur vor Antritt der Reise. Sobald Flughafenmitarbeiter am Schalter die Reisedokumente prüfen, greift die Reiserücktrittsversicherung nicht mehr.“ 

Er empfiehlt eher eine Reiseabbruchversicherung und eine Auslandskrankenversicherung. „Bei einem vorzeitigen Abbruch der Reise zahlt die Versicherung den nicht verbrauchten Anteil der Reisekosten zurück“, so der Reiserechtsanwalt. „Eine Auslandskrankenversicherung übernimmt zudem Arztkosten und den Rücktransport, wenn sich jemand beispielsweise mit dem Coronavirus angesteckt hat.“

„Außergewöhnliche Umstände“: Pauschalreisende durch Veranstalter abgesichert

Liegen am Urlaubsort „außergewöhnliche Umstände“ vor, so wie die Schließung zahlreicher Sehenswürdigkeiten aufgrund des Coronavirus, dann kümmert sich der Reiseveranstalter bei Pauschalreisenden um entsprechende Maßnahmen. Das heißt, die Gäste werden informiert, Reisen werden storniert, Umbuchungen werden vorgenommen.

„Sollte es sogar zu einer Quarantänesituation kommen, dann ist ebenfalls der Reiseveranstalter für die Reisenden zuständig“, sagt Kerstin Heinen vom Deutschen Reiseverband (DRV). Der Veranstalter stehe als Ansprechpartner zur Verfügung und organisiere beispielsweise die Umbuchungen für die Rückreise. Über den DRV würden die Veranstalter bei einem solchen Fall in engem Austausch mit dem Auswärtigen Amt stehen. 

Coronavirus: Wie sieht es mit dem Sommerurlaub in Italien aus?

Und was ist mit Reisenden, die eine Reise nach Italien im Laufe des Jahres gebucht haben? „Hat ein Kunde beispielsweise eine Reise gebucht, die im Herbst stattfinden soll, und das Zielgebiet kann dann nicht bereist werden, weil es außergewöhnliche Umstände gibt, greifen die genannten Mechanismen und der Veranstalter kümmert sich“, so die DRV-Sprecherin.

Das wird allerdings erst aktuell, sobald die genaue Situtation für den Zeitraum deiner Reise absehbar ist. Jetzt schon vorsorglich stornieren kannst du nicht so einfach – zumindest nicht, ohne die Kosten selbst zu tragen.