Fast jeden Tag kommt ein neues Land hinzu, in dem das Coronavirus nun auch aufgetreten ist. Es sind schwierige Zeiten, auch für Reisende. Denn die Frage für viele ist: Reisen oder nicht reisen? Und wenn reisen, wohin eigentlich noch? Und die Antwort ist – wie so oft – nicht ganz so einfach. Denn Urlaubsziel ist nicht gleich Urlaubsziel.

Das sagt auch Reiseforscher Jürgen Schmude: „Es kommt immer darauf an, wohin die Reise geht. Von einer Geschäftsreise nach China etwa würde ich derzeit absehen.“ Aber das Land in Ostasien ist nicht die einzige Destination, die mehr als Tausend Coronafälle aufweist. Laut einer interaktiven Weltkarte sind auch Südkorea und der Iran schwer vom Virus betroffen.

Reiseforscher: „Es gibt nicht für ganz Italien einen Reisehinweis“

Und Italien. Eigentlich ein beliebtes Reiseziel, das nun zunehmend gemieden wird. Völlig grundlos, dieser Meinung ist Schmude: „Lassen Sie mich hier betonen: Es gibt nicht für ganz Italien einen Reisehinweis, lediglich für Mailand und Venedig. Einer Reise nach Apulien etwa steht also faktisch nichts im Wege.“

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Reisebranche leidet unter Ausbreitung des Coronavirus

Und doch: Die Reisebranche leidet unter dem Coronavirus. Und zwar so sehr, dass viele Reiseveranstalter reagiert und an ihren Stornierungsbedingungen gefeilt haben.

Denn viele Urlauber sind verunsichert, haben gar Angst. Das weiß auch Professor Schmude, hält es aber für unberechtigt: „Ich glaube, wir sollten uns diese Woche schlicht ein wenig zurückhalten, keineswegs aber den Sommerurlaub aus Angst absagen.“

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Zurückhaltung macht sich insbesondere in der Kreuzfahrt-Branche bemerkbar. Denn viele Touristen lassen sich offenbar durch die Quarantäne-Fälle der vergangenen Wochen abschrecken.

Dabei seien die Bedingungen auf einem Schiff laut Schmude genau so wie die in einem Hotel: Bei beiden Reiseformen leben, essen und agieren Menschen aus unterschiedlichen Ländern nah beieinander. 

Und dass es nicht gerade vielversprechend klingt, sich im Urlaub mit einem Virus zu infizieren, das dürfte ja eigentlich jedem einleuchten. Auch Schmude sieht die Ausbreitung des Virus grundsätzlich als Gefahr für Reisende an: „Im Vergleich zu Terror und Naturkatastrophen ist das Coronavirus natürlich die größere Gefahr.“

Das liege vor allem daran, dass das Virus flächendeckend sei – und nicht wie die anderen Gefahren nur punktuell an einem Ort auftrete.

Reise in Länder, die noch coronafrei sind?

Offizielle Zahlen widersprechen dem Reiseforscher dabei allerdings in einem Punkt: Sie zeigen, dass es noch Orte auf der Welt gibt, an denen das Coronavirus noch nicht aufgetaucht ist. Darunter sind große Teile Osteuropas, fast ganz Afrika und Südamerika.

Also lieber eine Reise in coronafreien Länder? „Ich würde mich ehrlich gesagt nicht unbedingt auf die öffentlichen Zahlen verlassen“, sagt Schmude. Er vermute, dass es auch in diesen Ländern bereits Fälle des Virus gebe, „aber entweder wurden sie nicht entdeckt, oder sie werden aus politischen Gründen verschwiegen“.

Reisen gehört zu den Grundbedürfnissen der heutigen Zeit

Konkret sagt Schmude also, das Virus sei bereits überall auf der Welt. Düstere Sichtweise? Was die Zukunft angeht, ist der Experte durchaus optimistisch. Er gehe davon aus, dass das Coronavirus in zwei Jahren für uns alle alltäglich sein wird – und diese Ansicht teilt er mit vielen Experten aus dem Gesundheitswesen. „Ich nehme an, dass es dann auch keine Auswirkungen mehr auf das Reiseverhalten haben wird“, sagt Schmude. 

Denn Reisen haben insbesondere in den vergangenen Jahren einen sehr hohen Stellenwert im Leben vieler Menschen eingenommen. „Es gehört quasi zu den Grundbedürfnissen, die Welt zu entdecken. Bevor das also eingestellt wird, verzichten viele lieber auf anderes“, sagt der Reiseforscher und meint damit etwa, dass eher das Auto stehen bleibt, bevor der Sommerurlaub flachfällt.

Und daraus können wir laut Schmude auch etwas für heute lernen, denn: „Nüchtern betrachtet gibt es keinen Grund, auf das Reisen zu verzichten.“