1. Über die Brücke nach Słubice flanieren

Für die Frankfurter ist es Alltag, aber beim ersten Mal fühlst du dieses Kribbeln, wenn du über die Oderbrücke nach Słubice flanierst. An kaum einem anderen Ort der Welt ist der Grenzübergang so positiv aufregend wie in der Doppelstadt. Und wenn die deutsch-polnischen Bewohner von beiden Seiten der Oder mit dir spazieren, dann verfließen die Grenzen und du spürst dieses Gefühl von Freiheit, von Grenzenlosigkeit, von Europa im Kleinen.

Das war übrigens nicht immer so, bis 2007 war die Grenze geöffnet, vorher musste man teilweise sehr lange anstehen. Hinter der Grenze erwarten dich Pizza und Pirogi und unzählige Restaurants, viele Kellner sprechen Deutsch, die Słubicer sind sehr gastfreundlich und zuvorkommend. Falls du es vergessen hast, Euro in Złoty umzutauschen, kannst du auch in Euro zahlen. Der Unterschied stört nur Pfennigfuchser.

2. Auf dem Ziegenwerder spazieren gehen

Früher führten die Oder-Fischer ihre Ziegen auf die grünen Wiesen der Insel, heute ist der Ziegenwerder Lieblingsort vieler Frankfurter. Im Sommer triffst du Studenten, die sich ihre Zeit zwischen den Vorlesungen vertreiben.

Die grünen Pfade auf der alten Weideinsel der Oder-Fischer rücken die Natur bis auf wenige Millimeter an die Innenstadt heran. Ein Weg führt direkt am Oderufer entlang, folg einfach den Spaziergängern, um dich plötzlich mitten in der Natur wiederzufinden.

Ziegenwerder | Eingang hinter dem Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Europaplatz 1 

3. Nackt in die „Helene“ hüpfen

Falls du das Freiheitsgefühl von damals nachempfinden willst, kannst du es den Nacktbadern gleichtun und in das kühle Nass hüpfen. Keine Sorge, es ist einer der saubersten Badeseen Brandenburgs, die Wasserqualität wird regelmäßig geprüft. Eine Badestelle befindet sich im Osten des Sees, kleine Pfade führen durch das kurze Waldstück an das Flussufer.

Falls FKK nichts für dich ist, fährst du am besten mit dem Fahrrad oder dem Auto an den Sandstrand

Helenesee | Öffnungszeiten des Strandbads: Mitte April bis Mitte Oktober für Tagesgäste von 9 bis 20 Uhr, im Winter Donnerstag und Freitag von 10 bis 15 Uhr | Eintritt: 2 Euro, ermäßigt und nach 17 Uhr 1 Euro

4. Mit einer DDR-Straßenbahn durch Frankfurt tuckern

Wolltest du schon immer mal mal eine Straßenbahn mieten? Dann ist das jetzt deine Gelegenheit. In der ehemaligen DDR-Bezirkshauptstadt kannst du in Straßenbahnen aus den 1950ern oder den 1960ern durch die Oderstadt tuckern, besonders praktisch wenn du zum ersten Mal in der Stadt bist und dir einen Überblick verschaffen willst.

Die nostalgischen DDR-Straßenbahnen verschwinden bald aus dem Stadtbild, sie werden durch barrierefreie Nachfolger ersetzt. Ein Verein kümmert sich um der Erhalt der historischen Straßenbahnen. Die älteste Straßenbahn im Depot stammt aus der Zwischenkriegszeit (Baujahr 1936). Auf Anfrage kannst du auch das Depot des Vereins besichtigen.

Historische Straßenbahnen e.V. | Bachgasse 4 | Anfrage über das Kundenzentrum der Stadtverkehrsgesellschaft, Heilbronner Str. 26, Telefon: 0335535206

5. Foto-Tour durch die Doppelstadt

„No Past“ steht auf dem Lost Place in Słubice, das alte Kino Piast zerfällt langsam. Vom verschlossenen Eingang grüßt Jurek Owsiak, der Pole und Organisator des Pol'and'Rock-Festivals Küstrin (hieß früher „Haltestelle Woodstock“) wird vom liberalen Teil Polens und jungen Bürgern verehrt.

Ein bisschen Gotik, Plattenbauten, verlassene Gebäude und irgendwo dazwischen Moderne, auch mal alte Möbel oder ein bisschen Graffiti – genau das richtige für eine Foto-Tour durch die Doppelstadt Frankfurt (Oder)–Słubice. Mit den verschiedenen Baustilen und der Oder lassen sich ein paar schöne Perspektiven in der Stadt finden.

Überall im Stadtbild verteilt finden sich DDR-Plastiken, Wandmosaike und versteckte Details. Vor allem am Lichtspieltheater der Jugend, in der Großen Scharrnstraße und am Oderufer wirst du fündig. Lade deine Akkus auf – mit einem Stativ kannst du ein paar schöne Nachtaufnahmen auf der Oderbrücke machen. 

6. An der Oder chillen

Eine entspannte Liegemöglichkeit an der Oder findest du auf der Słubicer Seite gleich hinter der Stadtbrücke. Nimm dir am besten ein Handtuch und ein bisschen Proviant und etwas zum Lesen mit, um den Tag an der Oder zu verbringen und Grenzluft einzuatmen.

7. Selbst zum Künstler an der Grenze werden

Zur Belebung der tristen Scharrnstraße hat sich eine Frankfurter Studentin etwas einfallen lassen: Art an der Grenze. So heißt das charmante Festival für deutsch-polnische Newcomer-Kunst, bei dem sich Künstler, Studenten und Frankfurter treffen. Ja sogar aus Berlin kommen sie in die Oderstadt, wenn Art an der Grenze stattfindet. Die Stadt erinnert dann ein bisschen an die Dresdener Neustadt.

Das Event ist mehr als ein Festival, es ist eine Vision vom neuen Osten, pures Lebensgefühl und eine Art „Yes, we can“. Bei diversen Workshops kannst du dich auch selbst an der Leinwand ausprobieren oder deinen eigenen Beutel besprühen.

Das Festival wurde 2013 ins Leben gerufen und seitdem mit viel Liebe von den Bewohnern der Stadt jedes Jahr im April und Mai organisiert. Einen besseren Zeitpunkt für deinen Frankfurt-Trip gibt es gar nicht. 

8. Klassik an der Oder lauschen

Dass eine Stadt mit der Größe wie Frankfurt (Oder) ein eigenes Orchester hat, kommt nicht so häufig vor. Dafür kannst du sehr günstig Mozart, Tschaikowski oder Bach hören, du sitzt den Spitzenmusikern in der Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach sehr nahe. Die Konzerthalle befindet sich in der ehemaligen Franziskanerkirche direkt an der Oder.

Wenn gerade kein Konzert stattfindet, kannst du die Halle zwischen 10 und 18 Uhr besichtigen.

Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach |  Lebuser Mauerstr. 4

9. Deutsch-Polnische Kneipentour

Du startest am besten im Frankfurter Wohnzimmer, der WG-Bar. Barkeeper Ray ist Dauerbrenner am Tresen, keiner kann dir mehr Geschichten über die Stadt erzählen. Es geht weiter Richtung Polen. Hinter der Brücke im Kantor kaufst du dir ein Wegbier, das Trinken auf offener Straße in Polen ist eigentlich nicht erlaubt, sei also vorsichtig.

Durch die Słubicer Fußgängerzone Zeromskiego geht es ins Pod Mostem („Unter der Brücke“), wo du polnisches IPA und verträgliche Cocktails für etwa 5 Euro bekommst. Die Englischkenntnisse der Barkeeper sind unterdurchschnittlich, aber einige sprechen Deutsch und mit Händen und Füßen versteht man sich notfalls auch. Im Sommer kannst du auch draußen sitzen.

Nach einem Drink geht es weiter zum Plac Przyjazni. Im London Pub auf der anderen Straßenseite kannst du am Tresen mit Polen, Ukrainern und Deutschen ins Gespräch kommen, außer Bier gibt es einige Whiskeysorten. Zurück über die menschenleere Oderbrücke geht es in die Havanna-Bar, einem Stück Kuba in Frankfurt. Dort trinkst du am besten einen Moquito und lässt die Erlebnisse des Abends erst einmal sacken. Ab und zu wird hier getanzt, dann wirst du auch mal zum Salsa aufgefordert. Im Sommer stehen Tische vor der Bar im Sandstrand, ideal für ein Bier an der Oder. 

10. Mit den Frankfurtern feiern

Dass die Frankfurter feiern können, zeigt sich jedes Jahr beim deutsch-polnischen Hansestadtfest Bunter Hering, das nach dem Goldenen Hering auf dem Rathaus benannt ist. Zum Auftakt wird vom Bürgermeister ein Bierfass angestochen, es gibt 1.000 Heringsbrötchen mit Gurken und Schmalzstullen.

Drei Tage lang finden Konzerte und diverse Veranstaltungen am Rathaus und an der Oder statt, Höhepunkte sind das Feuerwerk und das Konzert, bei dem ein Chor auf dem Riesenrad singt.

11. Das Weltmusikfestival Transvocale besuchen

Weltmusik an der Oder – einmal im Jahr zeigen Musiker aus Deutschland, Brandenburg, Polen, Südamerika und der ganzen Welt ihr Können. Und wenn du zwischen den Bühnen im Kleist Forum in Frankfurt (Oder) und im Smok in Słubice pendelst, dann wachsen die beiden Städte noch ein bisschen mehr zusammen.

Mit dabei sind neben etablierten Künstlern immer mal wieder ein paar interessante Newcomer und die Tickets sind sehr günstig für so ein Format. Hinter dem Ganzen steckt ein Verein um den Frankfurter Musiker Thomas Strauch, den du bei der Aftershow-Party in der Darstellbar kennenlernen kannst. Manchmal klampft der Mann mit der Schiebermütze und dem verschmitzten Blick über die Brille auch ein bisschen rum.

Transvocale | Jährlich im November