Viele von uns können sich schon gar nicht mehr vorstellen: Die Zeit, als man bei Reisen ins EU-Ausland noch Grenzkontrollen passieren musste. Auch wenn in den vergangenen Jahren einige Länder, darunter Dänemark, Schweden, Österreich und Deutschland, angesichts der Flüchtlingsströme zum Teil wieder Grenzübergänge kontrollierten. Könnten die EU-Staaten ihre Grenzen jetzt aus Angst vor dem Coronavirus abriegeln?

Feste Kontrollen an den Grenzen laut Bundesregierung denkbar

Bislang überlege man nicht, die Grenzen zu schließen, teilt die Bundesregierung mit. Aber: Grundsätzlich könnte man die sogenannten Binnengrenzkontrollen wieder einführen. Das ist im Schengener Grenzkodex geregelt. Dieser sieht allerdings vor, dass dafür eine ernsthafte Bedrohung für die allgemeine Ordnung oder Sicherheit gegeben sein muss. Dann können zunächst für 30 Tage oder die vorhersehbare Dauer der Bedrohung, wenn diese 30 Tage übersteigt, wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden. 

Der Umfang der Grenzkontrollen muss aber im Verhältnis zur Bedrohung stehen, darf also nicht über das Maß hinausgehen, das nötig ist, um diese zu bewältigen.

Bundespolizei verstärkt Kontrollen an den Grenzen

Immerhin steht nach einem Beschluss des Krisenstabs der Bundesregierung nun fest: Die Bundespolizei verstärkt ab sofort die Kontrollen in einem Korridor von 30 Kilometern an den Grenzen. Die erforderlichen Maßnahmen werden mit den örtlichen Gesundheitsbehörden abgestimmt, heißt es. 

Außerdem hat die Bundespolizei angewiesen, dass Reisende in Zügen Aussteigekarten ausfüllen, wenn das Bahnunternehmen einen Verdachtsfall festgestellt hat. Das soll eine schnelle Kontaktaufnahme möglich machen, sollte der Test auf das Coronavirus positiv ausfallen.

Airlines müssen ab sofort Krankheitsfälle vor Ankunft melden

Für Ankommende aus China, Südkorea, Japan, Italien und dem Iran hat der Krisenstab diese Maßnahe bereits beschlossen – egal, ob sie mit dem Schiff oder dem Flugzeug in Deutschland ankommen. Die Fluggesellschaften und Schiffsführer sind zudem verpflichtet, Krankheitsfälle vor der Ankunft zu melden.

Auswärtiges Amt: Gesundheitskontrollen in Italien möglich

In Italien müssen Reisende dem Auswärtigen Amt zufolge sogar mit Gesundheitskontrollen rechnen. „An Flughäfen und Häfen, aber auch im Überlandverkehr in Regionen mit festgestellten Infektionsfällen werden Gesundheitskontrollen mit Temperaturmessungen durchgeführt. Flughäfen, Häfen und Bahnhöfe sind regulär in Betrieb.“ Was das Coronavirus für Italien-Reisen bedeutet, erfährst du in unserer großen Übersicht.

Experten halten Grenzkontrollen oder -schließungen ohnehin nur bedingt für hilfreich: „Reisebeschränkungen funktionieren nicht: Die Menschen finden Wege, diese zu umgehen. Sie könnten das Virus nur verlangsamen“, sagte Medizinerin Dr. Clare Wenham gegenüber der „New York Times“.

Coronavirus: So gehen Airlines und Reiseveranstalter mit der Situation um

Derzeit reagieren auch Airlines und Reiseveranstalter noch abwartend, Reisen nach Italien finden weiter statt. Die Airline Eurowings ermöglicht es allerdings Kunden mit bereits gebuchten Flügen nach Bologna, Mailand, Venedig oder Verona, diese kostenlos umzubuchen.

Lufthansa, Easyjet und British Airways streichen Flüge in Europa

Lufthansa plant hingegen etliche Flüge in Europa zu streichen. Bis zu 25 der Kurz- und Mittelstreckenflüge könten betroffen sein. British Airways und Easyjet gaben bekannt, einige Verbindungen von und nach Mailand-Linate aufgrund sinkender Passagierzahlen zu streichen. Die griechische Aegean Airlines ermöglicht es Passagieren ebenfalls, bereits gebuchte Flüge nach Italien, die bis einschließlich 20. März geplant sind, kostenfrei umzubuchen.

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) beobachte die Situation „sehr genau“, so dessen Präsident Norbert Fiebig in einer Pressekonferenz im Vorfeld der Internationalen Tourismusbörse (ITB), die eigentlich am 4. März in Berlin beginnen sollte, dann aber kurzfristig abgesagt wurde.