Eigentlich klingt es im ersten Moment gar nicht schlecht: Deine Kreuzfahrt wird um mehr als zwei Wochen verlängert. Doch die Umstände dieser ungewollten Reiseplanänderung waren alles andere als angenehm. Das Coronavirus breitete sich aus. Die Passagiere der „Diamond Princess“ durften aufgrund der Quarantäne ihre Kabinen kaum verlassen, das Schiff lag wochenlang im Hafen bei Tokio.

Nur alle paar Tage durften die Passagiere für eine Stunde an Deck. Kein Wunder, dass einige von ihnen die Umstände „wie ein Gefängnis“ empfanden. Um immerhin ein Mindestmaß an Service anzubieten, musste die Besatzung an Bord weiterarbeiten – für die japanische Regierung sei das eine „schwere Entscheidung“ gewesen, erklärt Dr. Norio Ohmagari in einem Interview mit „CNN“.

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Der Mediziner leitet das Zentrum zur Krankheitskontrolle und -prävention des japanischen Zentrums für globale Gesundheit und Medizin. Außerdem ist er Teil des Regierungsausschusses mit Experten, die Tokio im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Ausbruch beraten. 

Verbreiteten die Mitarbeiter das Coronavirus an Bord?

„Wir nehmen an, dass einige Besatzungsmitglieder bereits infiziert waren, aber sie mussten das Schiff am Laufen halten, sie mussten nach den Passagieren sehen und die Mahlzeiten austeilen“, so Ohmagari. Dies habe zu teilweise engem Kontakt mit anderen Mitarbeitern und auch Passagieren geführt. Dadurch könnten bereits infizierte Mitarbeiter zahlreiche „sekundäre und tertiäre Infektionen“ ausgelöst haben. Eine Sekundärinfektion bedeutet, das bereits mit einem Virus infizierte Menschen mit einem zweiten Virus infiziert werden.

Trotzdem hätten die Mitarbeiter an Bord nicht komplett isoliert werden können, erklärte ein Mitarbeiter des Gesundheitsministerium bei einer Pressekonferenz am Montag. „Um den Alltag der mehr als 3.700 Passagiere aufrechtzuerhalten, brauchten wir leider Hilfe und Unterstützung der Besatzung.“

Man sei den Mitarbeitern „sehr dankbar“, versicherte ein anderer Regierungsberater. „Natürlich haben wir Mitgefühl, aber wissen Sie, solange die Passagiere an Bord sind, müssen sie den Service liefern.“ Mittlerweile wurden alle Passagiere ausgeschifft und größtenteils in ihre Heimatländer zurückgeholt. 

„Diamond Princess“: Passagiere ausgeschifft, Hunderte Crew-Mitglieder noch an Bord

Hunderte „Diamond Princess“-Mitarbeiter von den Philippinen wurden am Mittwoch zurück in ihre Heimat geflogen. Doch Hunderte weitere Besatzungsmitglieder, viele von ihnen aus Indien und Indonesien, warten noch darauf, das Schiff verlassen zu können. Alle Mitarbeiter an Bord hätten während der Quarantäne gern weitergearbeitet, erklärte ein Mitarbeiter der „Diamond Princess“.

Mittlerweile ist die Zahl der Personen, die sich an Bord des Kreuzfahrtschiffs mit dem Coronavirus infiziert haben, auf mehr als 700 angestiegen. Vier von ihnen seien verstorben, berichtet „USA Today“. Bereits im Vorfeld hatte es Kritik an Tokios Umgang mit der Schiffsquarantäne gegeben. Diese dürfte durch die Angaben des Regierungsberaters Dr. Ohmagari weiter befeuert werden.