Der goldene Hering auf dem Rathaus

Der goldene Hering fällt nicht gleich auf, aber wenn du ganz genau hinschaust, erkennst du ihn. Früher gehörte die Stadt zur Hanse, die Oderstadt hatte ein Monopol auf den Handel mit Salzhering. Einmal im Jahr wird er beim Stadtfest gefeiert, dann wird vor dem Rathaus getanzt, es gibt ein Riesenrad und zahlreiche Live-Acts.

Das Rathaus (13. Jahrhundert) in schöner Backsteingotik ist das älteste Gebäude der Stadt, der größte Teil der einst florierenden Handelsstadt wurde im Krieg zerstört. Einen schönen Blick auf den Backsteinbau hast du von der dritten Etage der Stadtbibliothek.

Lichtspielhaus der Jugend

Die Türen sind vernagelt und mit Graffiti beschmiert. Der Putz blättert ab. Und doch ist etwas von übriggeblieben von der alten Schönheit des DDR-Kinos. Am zugenagelten Eingang stehen zwei Skulpturen, Wandmosaike schmücken das Haus mit der roten Aufschrift „Lichtspielhaus der Jugend“.

20 Jahre lang war das Schmückstück der DDR-Architektur ein Lost Place, jetzt hat die Stadt es zurückgekauft. Die Räume sollen vom Landesmuseum für moderne Kunst genutzt werden. Alte Bilder und seine Kindheitserinnerungen aus dem alten Kino erzählt der Frankfurter Schriftsteller und Schauspieler Ronny Rindler (wohnt mittlerweile in Wien) auf seinem Blog.

Lichtspieltheater der Jugend | Gegenüber von Kaufland in der Heilbronner Straße 

Neuberesinchen

Wo früher alles voller Platten war, herrscht heute gähnende Leere. Die Abrissbagger ließen nach dem Mauerfall nicht viel übrig von dem Plattenbauviertel, das in Zeiten von Wohnungsknappheit für die Arbeiter des Halbleiterwerks errichtet wurde. Kurz vor dem Mauerfall lebten in dem Plattenbauviertel über 20.000 Menschen, etwa ein Viertel ist noch übrig.
Auch wenn es makaber klingt, in den Wiesen kannst du ungestört chillen und picknicken, es gibt Platz im Überschuss.

Neuberesinchen | Logenstraße 8 | Du steigst am besten in der Birkenallee (ehemals Leninallee) aus

Fenster der St. Marienkirche

Dämonen, rosa Teufelchen und Satan höchstpersönlich erwarten dich, wenn du dich überwindest und die Kirche betrittst. Das Süd-Fenster in der St. Marienkirche hat etwas antichristliches, auch wenn es wohl nur als Mahnung zu verstehen sein soll. Wie auch immer, die Fenster aus Bleiglas sind ein echter Hingucker und weit gereist. Sie lagerten über 70 Jahre in Russland (in der St. Petersburger Eremitage und im Moskauer Puschkinmuseum), nachdem sie von der Roten Armee nach der Oderüberquerung erbeutet wurden.

Vom Turm aus hast du einen schönen Blick auf die Stadt – der sympathische Herr am Empfang ist Kult. Falls du dich doch entschieden hast, draußen zu bleiben: Wenn du einmal um die Kirche flanierst, erhältst du einen Eindruck davon, wie schön Frankfurt (Oder) im Mittelalter gewesen sein muss.

St. Marienkirche | Oberkirchplatz 1

Kleist-Museum

Der geniale Schreiber scheint schon ein verrückter Typ gewesen zu sein, vor seinem Selbstmord am Ufer des Kleinen Wannsees hat er seine Liebste gefragt, ob sie vor dem Suizid noch einen Kaffee trinken wollten. Sie bejahte, er gab ihr zu erst die Kugel – und dann sich selbst. Heinrich von Kleist ist aber auch einer der größten Denker Frankfurts und Namensgeber der Kleist-Stadt.

Wer sich für die schöne deutsche Sprache interessiert, der kommt an dem Museum nicht vorbei. Und wenn du dir mal durchliest, was er so geschrieben hat, dann erinnert es ein bisschen an Reportagen großer Tageszeitungen. Die Ausstellungen in dem modernen Museum werden nach allen Regeln der Theaterpädogogik gestaltet – und ja, es ist einen Besuch wert!

Kleist-Museum | Faberstraße 6 | Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr 

DDR-Denkmal Große Scharrnstraße

Kurz vor dem Mauerfall entstand die einst bedeutende Straße mit vielen Geschäften (wie zum Beispiel einer Bierbar, Eiskiosk, Pizzeria, Weinprobierstube) mit Kunst, Brunnen und für DDR-Verhältnisse schmucken Fassaden. Heute hat die wie leergefegte Fußgängerzone fast schon etwas apokalyptisches.

Aber Studenten und Stadt wollen die Straße wiederbeleben, das gelingt ihnen besonders jedes Jahr im April und Mai, wenn hunderte in die Innenstadt strömen. Denn dann findet hier das Kunstfestival Art an der Grenze statt, das deutsch-polnische Newcomerkunst zeigt. Die Wandmalerei am Hausgiebel Richtung Slubicer Straße zeugt davon.

Europa-Universität Viadrina

Nach dem Mauerfall wurde die Universität wiedergegründet und einige Behörden zogen an die Oder, um der drohenden Arbeitslosigkeit zu begegnen und der Stadt Hoffnung zu geben. Das Hauptgebäude der Viadrina-Universität zählt zu den ältesten der Stadt (erstmals gegründet im Jahr 1506), auch die Brüder Humboldt studierten hier. Viadrina heißt übrigens so viel wie „an der Oder“.

Europa-Universtität Viadrina | Große Scharrnstraße 59 

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst

Das Museum verfügt über drei verschiedene Standorte, an denen Ausstellungen gezeigt werden: das Dieselkraftwerk in Cottbus sowie die Rathaushalle und den Packhof in Frankfurt/Oder. Außen wirkt es alt, doch innendrin ist es neu und schick, die sehenswerte Galerie in der Rathaushalle hat eine schwere Tür, du musst ein bisschen ziehen, um sie zu öffnen. Das Museum zeigt mit seinen regelmäßigen Wechselausstellungen moderne Kunst aus Deutschland, der DDR und Osteuropa. 

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst | Marktplatz 1, Rathaushalle | Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr

Helene-See

Sandstrand, Wellenrauschen und Wasser so weit das Auge reicht – der Helenesee wird nicht umsonst auch die „Kleine Ostsee“ gennant. Der großzügige Strand wird privat betrieben und kostet zwei Euro Eintritt. Wer FKK-Badenden entgehen will, sollte den Eintritt lieber zahlen. Ein Zeltplatz bietet für Dauercamper und Kurzentschlossene Übernachtungsmöglichkeiten im Wald, es gibt auch Bungalows.

Das Helene-Beach-Festival findet einmal jährlich im Juli statt, Mainstream-Acts, der Altersschnitt und die Sauflust sind nicht wirklich einladend – das musst du nicht gesehen haben. Komm besser tagsüber, dann lässt es sich noch aushalten. Wenn du es meiden willst, fahrt einfach an den Katjasee gleich nebenan. 

Boulevardpassanten

Die kritische Stimmung kurz vor der Wende zeigt das Acryl-Wandmosaik „Boulevardpassanten“ von Harald Schulze (1988) an einer Hauswand der Großen Scharrnstraße. Es ist ungewöhnlich, dass Sozialkritik im Zentrum geduldet wurde.

FFO lockt Architekturliebhaber 30 Jahre nach dem Mauerfall mit vielen DDR-Skulpturen und Wandmosaiken im Öffentlichen Raum, sieh also genau hin, wenn du zwischen Plattenbauten und Altstadt umherstreifst.