Richtig Bahn fahren will gelernt sein, vor allem, wenn die Corona-Pandemie von allen Menschen etwas Mitarbeit und Achtsamkeit fordert. Während für den öffentlichen Nahverkehr bereits feste Regeln gelten, was beispielsweise das Tragen einer Atemschutzmaske angeht, sind die Regularien für Fernreisen mit der Bahn weiterhin etwas schwammig.

Damit du genau weißt, worauf du bei deiner nächsten Zugreise achten solltest, bringen wir etwas Klarheit in das Wirrwarr und beantworten die wichtigsten Fragen. 

Wie viel Abstand muss ich zu anderen Fahrgästen halten?

Genauso wie auch an anderen Orten der Öffentlichkeit gilt in Zügen nach Möglichkeit ein Mindestabstand von 1,5 Meter. Schwer umsetzbar wird dies besonders, wenn das Abteil voll ist. Da derzeit aber die meisten Menschen von Fernreisen absehen, kommt ein überfüllter Zug nur noch in den seltensten Fällen vor, wenn überhaupt.

Deshalb ist es ratsam, sich möglichst nicht direkt neben, vor oder hinter eine andere Person zu setzen, sondern einige Reihen weiter Platz zu nehmen. Auch die Kontrolleure checken die Tickets nur noch auf Sicht, damit der Abstand bestehen bleibt. 

Muss ich bald grundsätzlich einen Sitzplatz reservieren?

Sobald sich die Corona-Krise nach und nach wieder entschärft, werden vermutlich auch wieder deutlich mehr Menschen eine Fernreise mit dem Zug antreten. Und wer vor der Pandemie gelegentlich eine solche Reise unternommen hat, der weiß, dass es im Abteil auch durchaus einmal sehr, nun ja, kuschelig werden kann.

Ein entsprechendes Szenario würde allerdings die Ansteckungsgefahr auch nach Abflachen der Ansteckungskurve wieder erhöhen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer plädiert deshalb für eine Reservierungspflicht. Allerdings hat er diesen Vorschlag noch nicht weiter konkretisiert. Fürs Erste gilt also weiterhin: Du kannst reservieren, musst es aber nicht. 

Muss ich auch im Fernzug einen Mundschutz tragen?

Für den öffentlichen Nahverkehr gilt seit Montag in ganz Deutschland eine Maskenpflicht. Eine entsprechende Pflicht gibt es bislang zwar für den Fernverkehr nicht, aber auf der Website der Deutschen Bahn wird eindringlich darum gebeten, eine Maske im Zug zu tragen.

Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer hat sich für eine Erweiterung der Maskenpflicht auf den Fernverkehr ausgesprochen. Diese müsse allerdings mit den Nachbarländern abgesprochen werden. Konkret bedeutet das also, dass zwar keine Pflicht herrscht, aber ein Gebot. 

Wie sollte ich mich generell aktuell im Zug verhalten?

Die Deutsche Bahn bittet ihre Passagiere nicht nur darum, einen Mundschutz zu tragen, sondern hat auch weitere Verhaltensregeln für die Zeit der Pandemie veröffentlicht. Darin heißt es etwa, dass Passagiere in den Ellbogen husten und niesen und sich möglichst selten ins Gesicht fassen sollten.

Für den Fall, dass du dich kurz vor einer geplanten Zugreise krank fühlen solltest, bittet dich der Konzern außerdem darum, zu Hause zu bleiben. Alle weiteren Verhaltensregeln und Vorsichtsmaßnahmen der Deutschen Bahn haben wir dir in einem Überblick zusammengefasst. 

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Übrigens: Auch wenn nicht gerade eine Pandemie die Welt beherrscht, gibt es zahlreiche Knigge-Regeln für die Zugfahrt. Glaubst du nicht? Wir zeigen dir Verhaltensregeln, die eigentlich in jedem Zug gültig sind – und zu oft nicht eingehalten werden. Damit du auch nach der Krise nie wieder gegen den allgemein inoffiziellen Zug-Knigge verstößt. 

Wer darf eigentlich zuerst durch die Tür?

Beginnen wir mit dem scheinbar Einfachsten zuerst: dem Aus- und Einsteigen. Wer regelmäßig Zug fährt, weiß, dass die Angelegenheit großes Streitpotenzial birgt. Denn vielen Leuten ist unklar, wer eigentlich den Vortritt hat – und manche haben es einfach besonders eilig und drängeln sich rücksichtslos an den anderen Passagieren vorbei.

Das geht natürlich gar nicht. Hans-Michael Klein von der Knigge-Akademie erklärt der Zeitung „Der Westen“, wie es richtig geht: „Zuerst sollten die Leute aussteigen können, deshalb werden auf dem Bahnsteig vor den Türen Gassen gebildet.“ Dabei sei es angebracht, wenn Jüngere den Älteren bei dem Gepäck helfen, denn am Ende geht es dadurch für alle etwas schneller. 

Mein reservierter Platz ist besetzt – was nun?

Im Zug angekommen, sinkt das Stresslevel bei diejenigen, die einen Platz reserviert haben, meistens direkt wieder. Allerdings ändert sich das schlagartig, wenn auf dem reservierten Platz frecherweise bereits jemand sitzt. Hier sind jetzt zwei Dinge gefragt: Freundlichkeit und Bestimmtheit.

Reiseblogger Freiherr Knigge schreibt auf seiner Website, wie es im Optimalfall laufen kann: Du sprichst den „Eindringling“ ruhig, aber bestimmt, an und weist ihn freundlich darauf hin, dass er auf deinem Platz sitzt. In der Regel wendest du durch die Freundlichkeit eine Diskussion ab und deine Bestimmtheit lässt keinen Raum für Nachfragen. So weit die Theorie. 

Einen Sitzplatz habe ich, aber wohin mit all meinen Koffern?

Bei großem Andrang muss es oft schnell gehen in der Bahn. Rein, ab zum Sitzplatz und am besten in Sekundenschnelle auch das Gepäck sauber verstauen. Das ist manchmal natürlich utopisch. Im Weg stehen sollten deine Koffer trotzdem nicht. Wer viel mit auf Reisen nimmt, der sollte einen Teil des Gepäcks erst mal im Eingangsraum seines Abteils stehen lassen, damit die anderen Fahrgäste nicht so lange warten müssen.

Sobald sich der Trubel gelegt hat, kann das restliche Gepäck dann in Ruhe eingeräumt werden. Knigge-Lehrer Klein nennt außerdem ein No-Go: die Tasche auf dem freien Nachbarsplatz verstauen. Spätestens wenn es wirklich voll wird, sollte der Koffer dann Platz für einen anderen Fahrgast machen. 

Mein Nachbar und ich – Anschweigen oder Freundschaft knüpfen?

Auch hier gilt: Freundlichkeit siegt. „Wer ein Abteil betritt, sollte freundlich grüßen und damit eine angenehme Atmosphäre schaffen“, zitiert das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft.

Genauso sollte man sich hilfsbereit zeigen und zuvorkommend, denn man verbringe ja eine Weile auf engstem Raum miteinander. Ansonsten sollte man den Mitreisenden nicht zu sehr auf die Pelle rücken, es sei denn, es ergibt sich ein ungezwungenes Gespräch, rät Knigge-Experte Klein. 

Was, wenn ich einen wichtigen Anruf bekomme?

Ein guter Freund schüttet dir gerade am Telefon sein Herz aus – und der ganze Zug bekommt es mit? Ist ziemlich uncool, und das für alle Beteiligten. Deshalb gilt: Private Anrufe besser außerhalb eines Zugabteils führen, kurze wichtige Absprachen sind aber okay. Oder du schaust dir was von den Franzosen ab. Die telefonieren nämlich ausschließlich in den Waggonzwischenräumen. Das könnte allerdings laut werden. 

Auf meinem Laptop darf ich machen, was ich will, oder?

Lange Zugfahrten können ziemlich öde werden. Wer sich zum Zeitvertreib seinen Laptop oder ein Magazin mitnimmt, der macht natürlich erst mal nichts falsch. Allerdings solltest du auch hier Rücksicht nehmen. Die große Tageszeitung aufklappen, sodass dein Nachbar Seite zwei auf seinem Schoß liegen hat, ist da natürlich nicht drin. Und was eigentlich auch klar sein sollte: Filme und Serien gucken geht klar, solange es keine Pornos oder krassen Horrorfilme sind. 

Ich hab Hunger – darf ich im Zug eigentlich essen?

Grundsätzlich ist essen und trinken im Zug erlaubt. Aber auch hier gehört eine Portion Rücksicht dazu. Denn frische Frikadellen oder ein Döner mit extra viel Soße könnten durch die intensiven Gerüche deine Mitreisenden dann doch gegen dich aufbringen. Aber nicht nur der Geruch kann dir andere Passagiere zum Feind machen. Auch „Chips, die laute Kaugeräusche machen“, wie Knigge-Expertin Kaiser sagt.

Und was mache ich, wenn mir ein Mitreisender auf die Nerven geht?

Da hilft laut Knigge-Experten nur eines: Ruhe bewahren, dich in Toleranz üben und zur Not Kopfhörer rein und den Lieblingssong anmachen.